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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Chlorjod; Chlorkalium; Chlorkalk; Chlorkohlenstoff; Chlormagnesium

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Chlorjod - Chlormagnesium

Chlorjod (Jodchlorid, Jodum chloratum); eine Verbindung von Chlor mit Jod, wurde früher medizinisch (jetzt nicht mehr) verwendet. - Zollfrei.

Chlorkalium (Kaliumchlorid, salzsaures Kali, Digestivsalz, Kalium chloratum, Kali muriaticum); diese dem Chlornatrium oder Kochsalz in vieler Beziehung sehr ähnliche Verbindung, aus Chlor und Kaliummetall bestehend, findet sich in der Natur zuweilen rein als Sylvin, in viel größeren Mengen aber mit Chlormagnesium und Wasser verbunden als Carnallit in den Abraumsalzlagern von Staßfurt und von Kaluscz. Aus diesem Carnallit wird jetzt das Ch. in sehr bedeutenden Mengen abgeschieden und hauptsächlich zur Darstellung von Pottasche und zur Umwandlung von Natronsalpeter in Kalisalpeter verwendet, sowie auch in der Alaunfabrikation, als Düngemittel und zu einigen andren Zwecken. Es findet ein starker Export von Ch., namentlich nach England, statt. Die Produktion von Ch. in Deutschland belief sich im Jahre 1878 auf 105836 Tonnen (à 1000 kg) im Werte von 11247606 Mk. und 1879 auf 90078 Tonnen im Werte von 9375220 Mk. Das Ch. erscheint in kleinen, würfelförmigen, farblosen Kristallen, die etwas schärfer als Kochsalz schmecken, sich in Wasser leicht lösen und beim Erwärmen verknistern. Vom Chlornatrium läßt es sich leicht unterscheiden, da es die Flamme nicht gelb, sondern violett färbt; ferner gibt es mit einer Lösung von saurem weinsaurem Natron einen weißen kristallinischen Niederschlag und mit Platinchlorid einen gelben von Chlorplatinkalium, während Chlornatrium durch diese beiden Reagentien nicht verändert wird. - Zollfrei.

Chlorkalk (Bleichkalk, Calciumhypochlorat, Calcaria chlorata, Calcium hyperchlorosum, Calcaria oxymuriatica); ein chemisches Präparat, welches in großen Mengen fabriziert und konsumiert wird; die Darstellung besteht darin, daß man Chlorgas zu flach ausgebreiteten, mit Wasser zu Pulver gelöschten gebrannten Kalk leitet und zwar so lange, bis letzterer kein Chlor mehr aufnimmt. Das Chlorgas (Chlor, Chlorine) ist ein gelbes, äußerst stechend riechendes, giftiges Gas, welches für diesen Zweck durch Erhitzen von Braunstem, Kochsalz und Schwefelsäure oder auch bloß aus Braunstein und Salzsäure dargestellt wird. Über die Konstitution des Ch., d. h. die Gruppierung der Atome der einzelnen Elemente desselben sind die Ansichten der neueren Chemiker geteilt, nach der ältern Anschauungsweise ist der Chlorkalk ein Gemenge von unterchlorigsaurem Kalk mit Chlorcalcium und mehr oder weniger freiem Kalk. - Der Ch. ist ein weißes, trocknes Pulver von eigentümlichem Gerüche, das in Wasser nur teilweise löslich ist; diese Lösung wirkt auf Pflanzenfarben stark bleichend. Man benutzt daher den Ch. zum Bleichen von Baumwolle, Leinen, Papierzeug etc.; ferner zur Bereitung von Chloroform und als Desinfektionsmittel. Der Handelswert des Ch. richtet sich nach der Menge von aktivem Chlor welche er enthält, d. h. derjenigen Menge von Chlor, welche beim Übergießen mit Säuren durch Zersetzung der unterchlorigen ↔ Säure frei wird. Man ermittelt den Gehalt an aktiven Chlor mit Hilfe der Chlorimetrie. Guter Ch. enthält 33-36% aktives Chlor; doch gibt es im Handel Sorten, bei denen dieser Gehalt bis zu 20% und weniger herabsinkt. Die Versendung des Ch. geschieht in Fässern von stark ausgetrocknetem Holze. Derselbe muß an einem trocknen, aber kühlen und dunklen Orte aufbewahrt werden, da er aus der Luft leicht Feuchtigkeit und Kohlensäure anzieht, durch welche letztere er zersetzt wird; dies geschieht auch durch das Sonnenlicht, und wenn diese Zersetzung einmal begonnen, schreitet sie dann auch im Dunkeln weiter fort; es kann dann vorkommen, daß Explosionen des gewöhnlich in den Fässern stark eingestampften Ch.s eintreten. - Hauptproduzent vom Ch. ist England, in zweiter Linie erst Frankreich und Deutschland. Der Ch. kostet jetzt pro 100 kg. 14-16 Mk. Eingeführt wurden im Jahre 1880 in den freien Verkehr des deutschen Reiches für 903000 Mk. Chlorkalk, ausgeführt nur für 86000 Mk. - Dem Ch. analoge Verbindungen von bleichender Wirkung und besserer Haltbarkeit als Chlorkalkwasser werden hergestellt durch Einleiten von Chlorgas in Lösungen von Pottasche oder Soda. Die Flüssigkeiten enthalten dann als bleichenden Bestandteil unterchlorigsaures Kali resp. Natron und sind diejenigen Bleichwässer, die unter dem Namen Javellesche Lauge (Eau de Javelle, das Kalipräparat) und Eau de Labarraque (das Natronpräparat) verkäuflich sind. Man stellt dieselben auch unter Benutzung des Ch.s her, indem man den wässerigen Auszug daraus mit Pottasche resp. Sodalösung mischt, wobei der Kalkgehalt als unlöslicher kohlensaurer Kalk ausgefällt wird. Man verwendet diese beiden Präparate mehr im kleinen, als Fleckwasser, zu andern Bleichzwecken aber auch in Fällen, wo ein Kalkgehalt der Bleichflüssigkeit störend sein würde. - Der Eingangszoll: S. Tarif im Anh. Nr. 5 e.

Chlorkohlenstoff. Man kennt mehrere Verbindungen von Chlor mit Kohle in verschiedenen Verhältnissen, keine derselben wird aber jetzt noch verwendet. Eine kurze Zeitlang wurde der Dreifach-Chlorkohlenstoff (Kohlenstofftrichlorid, früher auch Anderthalb-Chlorkohlenstoff genannt, Carboneum trichloratum) medizinisch benutzt; es ist eine weiße, kampferartig riechende, kristallinische Masse. - Zollfrei.

Chlormagnesium (Magnesiumchlorid, Magnesium chloratum, Magnesia muriatica); eine feste, farblose Verbindung von Chlor mit Magnesiummetall, wird in großen Mengen als Nebenprodukt bei der Verarbeitung der Staßfurter Abraumsalze gewonnen, wird aber gewöhnlich nur in konzentrierter wässriger Lösung verkauft, deren Gehalt und Wert nach Graden Baume mittels des Aräometers bestimmt wird. Das feste Ch. ist nämlich außerordentlich hygroskopisch, so daß es nach sehr kurzer Zeit schon infolge aufgenommener Feuchtigkeit an der Luft zerfließt. Verwendung findet das Ch. zur Darstellung von kohlensaurer Magnesia, von Magnesiazement und als Zusatz zu Desinfektionsmitteln für Abtrittsgruben und Schleußen. - Zollfrei.