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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Elfenbeinnüsse

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Elfenbein - Elfenbeinnüsse

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Elfenbein'

gleichsam ein maschiges Gewebe darstellt, in welches eine Masse von größerer Weiße eingelagert ist, sodaß sich auf dem Querschnitt feine rautenförmige Zeichnungen erkennen lassen. Die Masse ist schon von Natur nicht rein weiß, sondern hat einen Stich ins Gelbliche, bei jungen Zähnen auch ins Grünliche. Sie wird mit der Zeit gelber, läßt sich zwar weiß bleichen, verliert aber dadurch nicht die Neigung, wieder nachzudunkeln. Übrigens ist das E. für die Verarbeitung eine der dankbarsten Massen, welche die feinsten Schnitte und die schönste Politur annimmt. Die Verarbeitung des E. zu einer großen Menge Nutz- und Ziergegenstände ist bekannt; die besten Kernstücke werden immer für Billardbälle in Beschlag genommen. Drechsler, Kammmacher, Schnitzer, Pianofortebauer verarbeiten den Stoff am meisten; viele kleine geschnitzte und gedrechselte Gegenstände werden in Nürnberg und Fürth, in Gaislingen bei Ulm, im bayrischen Hochlande und in Wien gefertigt; in Frankreich blüht eine ähnliche Industrie besonders in und um Dieppe. Chinesen und Japanesen zeichnen sich durch künstlich geschnitzte Elfenbeinarbeiten ganz besonders aus. Sie werden sich, da sie selbst keine Elefanten haben, vorzüglich an das ostindische Material halten, doch geht auch afrikanisches dorthin. In dünnen Tafeln zersägtes E. dient schon lange als Grund zu Miniaturgemälden, neuerdings auch zu Photographien, die sich sehr gut darauf ausnehmen. In Frankreich hat man seit einiger Zeit ungemein große Platten zum Furnieren von Pianofortetasten u. dgl.; sie sind aus den Hohlteilen großer Zähne hergestellt, die man der Länge nach aufschneidet, in die Form flacher Platten zwingt und mit Kreissägen in Blätter teilt. Das E. hat dieselbe Zusammensetzung wie Knochen überhaupt, nämlich 3 Tle. phosphorsauren und etwas kohlensauren Kalk nebst 1 Tl. Knorpelsubstanz. Durch Einlegen in Säuren können die Kalksalze ausgezogen werden, worauf der überbleibende, die ursprüngliche Form beibehaltende Knorpel durchscheinend und biegsam wie Leder wird. - Die kleinen Abfälle von der Elfenbein Verarbeitung werden auch noch nutzbar gemacht. Geraspeltes E. wird von Nürnberg als Streusand in den Handel gebracht, fein gemahlenes wird als Füllmasse für Arbeiten aus Celluloid (s. d.), namentlich für künstliche Billardbälle benutzt. Früher wurden die Abfälle von E. gebrannt, und zwar sowohl schwarz als weiß. Das Schwarzbrennen geschah in geschlossenen Gefäßen und erhielt man hierbei das Beinschwarz (Ebur ustum nigrum). Die Benennung gebranntes E. erstreckt sich aber weiter auf alles Schwarz, das aus Knochen, Hirschhorn u. s. w. gebrannt wird. Für weißes gebranntes E. wurde die Masse in offenen Gefäßen verglüht; es brennen dabei die Knorpelbestandteile weg und nur die Kalkmasse bleibt übrig, die fein gemahlen zum Putzen feiner Metalle, zu sog. Beinglas u. s. w. verwendet wurde. Als künstliches E. sind mancherlei Zusammensetzungen zum Vorschein gekommen, die Farbe und Ansehen der natürlichen Masse mehr oder weniger gut nachahmen, sonst wenig von den Eigenschaften derselben besitzen, am wenigsten ↔ seine Elastizität. Bindemittel wie Eiweiß, Gelatine, Guttapercha mit Zusatz mineralischer Substanzen sind die gewöhnlichen Ingredienzen. Neuerdings Celluloid. - Es gibt noch einige Arten von Tierzähnen, welche wie E. benutzt werden und zum Teil unter dessen Namen gehen. Einen nicht geringen Beitrag liefert das Mammut, eine längst ausgestorbene Elefantenart mit starker Behaarung, dessen Überreste aber durch die nordische Kälte, zum Teil mit Haut, Fleisch und Haaren so wohl erhalten worden sind, daß dessen Stoßzähne sich ganz wie frisches E. verhalten und ebenso verarbeitet werden. Die nordsibirischen Küstenstriche, besonders der untere Lauf der Flüsse Ob und Jenisei und die Küsten des Eismeers, sind unbegreiflich reich an diesen vorweltlichen Schätzen, die einen bedeutenden Handelsartikel ausmachen. Die Zähne und Knochen werden teils von den reißenden Flüssen aus den Ufern ausgewaschen oder von den Meereswogen bloßgelegt, teils ausgegraben. An manchen Stellen besteht die Küste fast lediglich aus einem Konglomerat von Eis, Sand und Mammutresten; jeder Sturm bringt neue zum Vorschein. Im Sommer besuchen Scharen von Fischerbarken, im Winter Karavanen mit Hundeschlitten die Fundorte und finden stets Ladung. Als ein unerschöpfliches Elfenbeinlager erscheint die Insel Liakow. Es bestehen da 7 Brüche, die seit Jahrhunderten immerfort Ausbeute geben; denn viel länger als nach Europa, angeblich seit mehr als 500 Jahren, nimmt der Vertrieb des fossilen E. seinen Weg nach China. China importierte in den Jahren 1874-77 durchschnittlich 27000 kg E., doch scheint dies nur indisches zu sein, da die Einfuhr von Rußland jedenfalls viel größer ist. - Ein andrer afrikanischer, in fast allen dortigen Flüssen lebender Dickhäuter, das Nilpferd (Hippopotamus amphibius), liefert in seinen spannlangen Vorder- und Eckzähnen eine noch feinere, härtere, dem Gelbwerden kaum ausgesetzte Masse als der Elefant. Da indeß diese Zähne weit hinein hohl sind, so taugen sie nur zu sehr kleinen Gegenständen und sind fast ausschließlich ein gesuchtes Material zur Herstellung von künstlichen Kinnladen und künstlichen Zähnen. Der Stoff steht auch weit höher im Preise als E. und geht im Handel unter dem Namen Hippopotamus. - Die nach unten gerichteten, bis 45 cm langen Hakenzähne des Walrosses finden dieselbe Verwendung wie E. und sind in ihrem dünnern Teile selbst noch fester und feiner als dieses. Gewöhnlich ist ihre Verwendung zu Stockgriffen. - Endlich dient der 15-30 und mehr dm lang werdenden Stoßzahn des Narwals, welcher diesem der Walfischfamilie angehörigen Seesäugetiere aus dem Oberkiefer gerade nach vorn herausragt, ebenfalls zu Beindrechslerware, hat aber nicht die Festigkeit und Schönheit des E. und ist daher weniger beliebt. - Zoll: Elefantenzähne, ganz oder nur in Teile zerschnitten, Tarif Nr. 13 a; bloß geschnittne rohe Elfenbeinplatten Nr. 13 d; Elfenbein waren Nr. 20 b 1; für Waren vorgerichtete Stücke s. Anm. zu Nr. 20 b 1.

Elfenbeinnüsse (Steinnüsse, Taguanüsse, vegetabilisches Elfenbein, Corusconüsse). Unter

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 117.