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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Glas

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Glas - Glas

liegt. Vier rahmenförmig auf die Tafel gelegte Metallschienen bestimmen die Größe und Dicke der zu gießenden Tafel, die ebenfalls durch Feuer oder Kohlen geheizt ist. Wenn alles zum Guß bereit ist, wird ein Hafen voll Glasmasse aus dem Schmelzofen herangebracht, an einem Krahnen aufgezogen und über der Platte umgestürzt. Andre Arbeiter lösen gleichzeitig eine schwere Metallwalze, die am einen Ende der Gießplatte in Gabeln liegt, und rollen sie über die Glasmasse hinweg, sodaß diese den ganzen Raum innerhalb des Rahmens ausfüllen muß. Sobald der Guß erstarrt ist, schiebt man ihn in den Kühlofen, in welchen eingeschlossen er in etwa 8 Tagen kalt wird. Seine völlige Ausbildung erhält dann der Guß in der Schleif- und Poliermühle. Viele solche Tafeln sind jetzt nicht zu Spiegeln, sondern zur Verglasung luxuriöser Schaufenster an den Läden großer Städte bestimmt und zeigen sich hier in immer steigender Größe, sodaß die Preise von 300-450 Mk. pro Stück wohl schon überschritten sind. Gegossenes, aber roh gelassenes Tafelglas in oft bedeutenden Dimensionen wird gegenwärtig ebenfalls in beträchtlichen Mengen fabriziert und zu Bedachungszwecken verwendet, namentlich für Eisenbahnhallen, Warenmagazine, Lichthöfe, Gewächshäuser etc. Für photographische Zwecke wird viel Plattenglas verbraucht, das in den gangbaren Formaten bereits geschnitten im Handel ist. Es dient dazu in einigen Fällen geschliffenes Spiegelglas, gewöhnlich aber gutes starkes Tafelglas, meistens das sog. rheinische Doppelglas. -

Die gestaltenreichste Gruppe der Glaswaren bildet das Hohlglas, zu welchem alle gefäßartigen Glaskörper, Cylinder, Überstürze etc. gehören und dessen Fabrikation naturgemäß in verschiednen Branchen auseinandergeht, nämlich Grünhohlglas, ordinäres Weißglas, dessen Artikel auf der Glashütte ganz fertig werden, und Kristallglas, das von der Glashütte erst durch die Raffinerie gehen muß, wo es geschliffen und sonst decoriert wird. Das Grünhohlglas, Bouteillenglas, unterscheidet sich nur durch seine unreine eisenhaltige Masse von den Weißglaswaren. Das hauptsächliche Fabrikat bilden Flaschen, unter denen die Champagnerflaschen, weil sie einen bedeutenden innern Druck auszuhalten haben, besondre Sorgfalt namentlich bei der Kühlung erfordern und bei deren Herstellung auf das Material viel ankommt. Es sind nur wenig Hütten, welche dieselben liefern. Zu der Flaschenformerei gehört auch die Herstellung der mächtigen Ballons, welche zur Aufnahme von Säuren, Petroleum etc. jetzt so ausgedehnte Verwendung finden. Auch diese Hohlkörper werden geblasen, die meiste Arbeit beim Auftreiben leistet jedoch der Dampf. Der Bläser läßt etwas Wasser durch die Pfeife einfließen und verschließt die Mündung derselben mit dem Daumen. Die Spannkraft der sofort sich bildenden Wasserdämpfe treibt die Blase kräftiger auf, als es die menschliche Lunge vermöchte. Deutsches Grünglas in Flaschen und Ballons bildet einen ganz ansehnlichen Ausfuhrartikel namentlich nach Amerika. Das Ausarbeiten der Hohlglaswaren geschieht entweder aus freier Hand mit Anwendung verschiedner Instrumente, oder es wird die Beihilfe von Hohlformen benutzt, in deren Innern das Aufblasen der Glasmasse erfolgt, sodaß, indem sie gegen die Wandungen der Form angetrieben wird und deren Eindrücke annimmt, sowohl die ganze Gestalt als eine etwaige Modelung der Oberfläche des Gefäßes entsteht. Die Formen bestehen bei ordinären Arbeiten aus Holz oder Thonmasse, bei bessern immer aus Metall, und bilden je nach den Umständen ein einzelnes Stück oder bestehen aus zwei und mehr zusammenpassenden Teilen. Die Anwendung der Formen ist geboten, erstlich wenn große Mengen von Stücken genau einerlei Größe erhalten sollen. Dies ist schon bei Weinflaschen der Fall. Ferner wenn die Gefäße eine andre als die runde Gestalt haben sollen, und dann hauptsächlich für alle Stücke, deren Oberfläche irgendwie gemodelt erscheinen, überhaupt wie geschliffen aussehen soll. Nicht selten werden solche den Schliff nachahmende Waren durch wirkliches Überschleifen noch nachgebessert. Man pflegt die sehr häufig vorkommenden durch Formen verzierten Artikel gepreßte zu nennen; indes kommt diese Bezeichnung im vollen Sinne nur solchen Waren zu, die keine Hohlgläser sind, wie Briefbeschwerer, Salzfässer, Teller u. dgl., denn nur diese werden wirklich durch Einpressen von glühender Glasmasse zwischen die zwei Teile einer Metallform hergestellt, kleine einseitige Sachen auch mittels gravierter Messingwalzen. Außer den Formen, welche das ganze Gefäß umfassen, werden für bestimmte Fälle auch nur Halbformen angewandt, um den untern Teil eines Gefäßes cylindrisch zu bilden und etwa den Boden vorzuformen; das Übrige wird der freien Bearbeitung überlassen. Das vor einigen Jahren in Aufnahme gekommene Hartglas scheint sich nicht einbürgern zu wollen; jedenfalls weil es oft ohne alle Veranlassung zerspringt. Oft werden zur Verschönerung der Glaswaren noch Farben zu Hilfe genommen; es gibt aber auch Fälle, wo die Färbung einen bestimmten andern Zweck hat. Man hat z. B. Gärtnereiglas (Hortikulturglas) mit einer blaugrünen Färbung zum Verglasen von Gewächshäusern, da diese Art Licht der Vegetation besonders zuträglich sein soll; blaues für photographische Aufnahmesalons, dessen Nutzen aber bestritten wird, wogegen eine Sorte gelbes, das alle chemische Wirkung des Tageslichtes abhält (actinisches G.), sich vortrefflich zur Erhellung des sonst dunklen, nur von einem Lämpchen erleuchteten Laboratoriums des Photographen eignet. Zur Färbung der Glasmassen dienen Metalloxyde, die, indem sie selbst mit verglasen, jedes in seiner Art eine bestimmte Färbung hervorbringen. So färbt Kupferoxyd smaragdgrün, Chromoxyd grasgrün, Uranoxydsalze grüngelb (Kanarienglas), Manganoxyd violett, Kobaltoxyd blau, Antimonoxyd und Silber gelb, Eisen- und Uranoxyd zusammen schwarz, Kupferoxydul oder Gold prachtvoll rot etc. Zinnoxyd macht die Glasmasse weiß und undurchsichtig (Emailglas) und gibt in Verbindung mit Farben matte farbige Gläser. Zur Erzeugung einer Färbung genügt schon eine kleine Quantität des färbenden Stoffes; manche Substanzen, zumal das Kupferoxydul, färben