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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Hippursäure; Hirschbrunst; Hirschhorn; Hirse

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Hippursäure - Hirse

Essig in gut verschlossenen Flashcen ^[richtig: Flaschen], nachheriges Auspressen und Durchseien erhalten wird. In ähnlicher Weise wie Himbeeressig wird Himbeerwein bereitet. Aus den Preßrückständen erhält man durch Destillation mit Wasser das aromatische Himbeerwasser (aqua rubi idaei) und durch Destillation mit Weingeist den Himbeerspiritus (spiritus rubi idaei). Diese verschiednen Präparate werden bekanntlich vielfach gebraucht als Zusatz zu kühlenden Getränken, Likören, Gelées, Fruchteis etc., haben auch Verwendung in den Apotheken. Himbeersyrup ist mit Zucker eingekochter Himbeersaft. Himberäther ^[richtig: Himbeeräther] ist ein Kunstprodukt und gehört zu den sogenannten Fruchtäthern - Zoll: Himbeersaft ohne Zuckerzusatz gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 2; Syrup und Essig Nr. 25 p 1; Likör Nr. 25 b; Äther Nr. 5 a; Wasser Nr. 31 d bzw. e; Wein Nr. 25 e 1 bzw. 2.

Hippursäure, Pferdeharnsäure (acidum hippuricum); eine stickstoffhaltige organische Säure, die im Harn der Pferde und Rinder enthalten ist, für gewöhnlich aber keinen Handelsartikel bildet; sie hat nur insofern Interesse, als sie das Material zur Gewinnung von Benzoësäure liefert, die jedoch direkt aus dem Harn gewonnen wird, sodaß man die H. nicht erst daraus darzustellen braucht. Die H. erscheint, nachdem sie durch Umkristallisieren gereinigt worden, in schneeweißen spießigen Kristallen. Ihrer chemischen Konstitution nach ist sie zu betrachten als eine Paarung von Amidoessigsäure (Glykocoll) und Benzoesäure; durch Kochen einer verdünnten Säure wird die Trennung bewerkstelligt und die Benzoesäure abgeschieden. - Zollfrei.

Hirschbrunst (Hirschtrüffel, Boletus cervinus), botanisch Elaphomyces granulatus, ehemals ein Artikel des Droguenhandels, ist ein Pilz, der unterirdisch ohne Strunk in Nadelhölzern, auf Wiesen und Angern wächst und die Größe einer welschen Nuß erreicht, auch deren Form hat. Im frischen Zustande hat das Gewächs einen starken widerlichen Geruch, der das Wild anlockt. Hirsche suchen ihn in der Brunstzeit auf, auch Hasen und Schweine gehen darnach. Die Landleute kaufen den getrockneten Pilz, um ihn den Rindern als Sprungmittel einzugeben. - Zollfrei.

Hirschhorn (Hirschgeweihe). Wiewohl der Kopfaufsatz des männlichen Hirsches im gewöhnlichen Leben als Horn bezeichnet wird (bessere Benennungen sind Geweih und Gehörn), so paßt dies doch wenigstens insofern nicht, als die Masse desselben keine eigentliche Hornsubstanz ist, sondern bei allen hirschartigen, alljährlich das Geweih ablegenden Tieren aus eigentlicher Knochenmasse besteht, aus der sich die organischen Bestandteile durch Kochen in Form von Leim (Gelatine) ausziehen lassen, während Knochenerde (phosphorsaurer Kalk) übrig bleibt. Horn (s. d.) verhält sich dagegen wesentlich anders. Dasselbe wird in der Hitze biegsam und nachher wieder hart, während das Geweih des Hirsches dieses Verhalten nicht zeigt. Die Geweihe der Hirschfamilie sind übrigens auch durchaus voll oder solid, die Hörner der Rinder etc. zum großen Teil hohl. Man verarbeitet erstere bekanntlich zu Messer-, Gabel- und Hirschfängergriffen wie zu verschiednen andern Drechslerarbeiten und zwar immer so, daß die eigentümlich gerauhte oder genarbte Außenseite erhalten bleibt, da diese sowohl hübsch aussieht als praktisch im Gebrauch ist. Man ahmt daher auch das H. künstlich und ziemlich gut in gepreßtem Holz nach.

Die schaufeligen Geweihe des Damhirsches sind weniger nutzbar und gelten kaum halb so viel wie die des Edelhirsches. Ähnliche Verwendung wie dieses, besonders zu Pfeifen und andern Drechslerwaren finden bekanntlich die Rehgeweihe, von denen besonders die wulstigen wie mit Perlen besetzten untern Endstücke (Rehkronen) geschätzt und unzerteilt gelassen werden. Hirsch- und Rehgehörne werden zuweilen von Liebhabern in Sammlungen und zum Zierrat übergewöhnlich hoch bezahlt, sei es daß sie entweder absonderlich gewachsen (Monstrosen) oder auch nur besonders regelmäßig und schön gebaut sind. Hirschhörner kommen am meisten von Tirol, Ungarn und Mittelamerika. -

Dem Hirschgeweih wurden früher ganz besondre Kräfte zugetraut und es gab eine Anzahl pharmazeutischer Präparate daraus, die jetzt zum Teil unter den alten Namen noch fortbestehen, nunmehr aber, wo man weiß, daß diese Substanz vor andern Knochenmassen nichts besondres voraus hat, nicht mehr aus Hirschhorn dargestellt werden. Durch längeres Kochen wird aus geraspeltem Hirschhorn (Cornu cervi raspatum) eine Gallerte erhalten, die früher mit Zucker u. dgl. an Kranke und Schwache verabreicht, auch zum Klären von Getränken benutzt wurde. Da aber dieselbe eben nur Gelatine ist, so benutzt man für solche Zwecke jetzt diese, wie sie im Handel vorkommt. Die Produkte der trocknen Destillation, die man in frühern Zeiten aus H. darstellte, wie z. B. Hirschhornöl, Hirschhornsalz, sind ganz dieselben, die man auch aus Knochen erhält. Hirschhornsalz ist kohlensaures Ammoniak. - Zoll: Hirschgeweihe sind zollfrei, Waren daraus gem. Tarif im Anh. Nr. 13 g; Hirschhornsalz, Geist, -Öl zollfrei.

Hirse, Bezeichnung für mehrere Getreidearten, zunächst aus der Familie Panicum L. und zwar mit den Untergattungen:

1) Digitaria und den Arten Bluthirse (P. sanguinale L.), gewimperte H. (P. ciliare Retz), fadenförmige H. (kahle H., P. filiforme);

2) Echinochloa P. B., Art Hühnerhirse (Fennichgras, Grauch, Grense, Hirse-Kammgras, Sorggras, P. Crus galli L.);

3) Miliaria Tria, Arten: Gemeine- oder Rispenhirse (Acker-, Hattel-, Haushaltshirse etc.) P. miliaceum L. - Haarförmige H. (P. capillare L.), ferner Setaria P. B., Fennich, Borstengras, Kolbenhirse, Pennig etc. mit grüner F. (Ackerhirse, wilde H., grünes Hirsengras, wilder Schwaden), Stammpflanze der Kolbenhirse, als italienische K. (ital. F., Fennichhirse, ital. Hirse, Kolbenfennich, Panicum italicum und Setaria panis Jess.), Futterpflanze und Mohar (deutsche K., kl. K., deutscher F., deutsche Hirse, Panikorn, Fuchsschwanzfennich - Setaria (Panicum) germanica P. B., Futter- und Nahrungspflanze, quirlblütiger Fennich (Klebgras, Knoten-^[folgende Seite]