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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Hummer; Hundszungenwurzel; Hüttenfabrikate; Hyalith

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Hummer - Hyalith

zubringen ist, es wird von den Sämisch- und Glacéledergerbereien, namentlich aber bei der modernen Fabrikation von Kidkalbleder in ganz bedeutenden Mengen verbraucht. Neuerdings ist man darauf gekommen, das Eigelb als Genußmittel dadurch zu konservieren, daß man es auf heiße, blanke Metallplatten streicht, wobei es zu dünnen, zerbrechlichen Tafeln, einer Art Oblaten, erhärtet und so für lange Zeiten haltbar sein soll. Auch bildet mittels Salicylsäure oder Glycerin konserviertes Eigelb jetzt einen Handelsartikel im Großen. Die sonstige technische Benutzung überschüssigen Eigelbes ist die auf Eieröl (oleum ovorum) eine gelbliche, butterähnliche Masse, die durch Erwärmen flüssig und durchsichtig wird. Das Öl ist sehr gut brauchbar an Stelle von Baumöl in der feinen Sämischgerberei, hat auch einige medizinische Anwendung als äußeres Mittel. Man gewinnt dasselbe, 1-1½%, durch Auspressen des hartgekochten Eigelbes oder besser durch Erhitzen der frischen Substanz unter beständigem Rühren, bis die Masse bräunlich wird, worauf man sie in Leinenbeutel hüllt und zwischen erwärmten Metallplatten unter die Presse bringt. Wird statt der Pressung eine Extraktion des Öls durch Petroleumäther angewandt, so ist die Ölausbeute etwas größer. Man bringt neben dem Öl auch das entölte und entwässerte Eigelb als feines Pulver in den Handel. Pulver und Öl zu gleichen Teilen mit der doppelten Menge Wasser geben eine Emulsion, die zu den oben genannten Gerbereizwecken vollkommen dienlich ist. - Zoll: Hühnereier s. Tarif im Anh. Nr. 37 b; Albumin (getrockneter Eiweißstoff) zollfrei. Eiweiß oder Eigelb in Flaschen, Büchsen etc. eingemacht (konserviert) Nr. 25 p 1.

Hummer (Astacus marinus oder Homarus vulgaris; frz. homard; engl. lobster); diesen Namen führen die großen, dem Flußkrebs verwandten und ihm in Gestalt ähnlichen, aber gegen 40 cm lang und armesdick werdenden Seekrebse, die fast an allen europäischen Küsten wie denen des nördlichen Amerika leben. Sie sind braun marmoriert oder stahlblau und röten sich durch Kochen wie der Flußkrebs. Sie haben ein wohlschmeckendes, aber für Viele schwer verdauliches Fleisch. Bei ihrer großen Fruchtbarkeit ist ihr Vorkommen stellenweise ein sehr häufiges, besonders wo sie, wie an manchen Küsten des Mittelmeeres, wenig beachtet und benutzt werden. An den Küsten von Schweden, Norwegen, England etc. bildet der Fang der Tiere einen nicht unerheblichen Teil der Seeausbeutung. Man schätzt den jährlichen Konsum in Europa auf 5-6 Mill. Stück. Die größten Hummer werden an der norwegischen Küste gefunden, von wo regelmäßig englische, holländische und belgische Schiffe die lebende Ware für ihre resp. Länder abholen, indes Frankreich seinen Pariser Bedarf von den eigenen Nordküsten deckt. Das Amt Stavanger allein hat von dem Fange ein jährliches Einkommen von 30000 Mk., obgleich die Tiere dort so wohlfeil sind, daß man die größten um 2 dänische Schillinge haben kann. Den Vorzug vor H. jeder andern Herkunft haben in England die helgoländischen; sie sind dunkler und haben ein festeres Fleisch als die Norweger. An den schottischen Küsten besteht eine gesetzliche Schonzeit vom 1. Juni bis 1. September. Ebenso ist in England eine Normalgröße vorgeschrieben, unter welcher keine zum Verkauf gebracht werden dürfen. Sie müssen nämlich von der Nasenspitze bis zum Ende der mittlern Schwanzfeder wenigstens 8 engl. Zoll messen. Während wir im Binnenlande das Hummerfleisch nur im teuern Salat der Delikateßhandlungen kennen lernen, ist dasselbe an den Küsten eine jedermann zugängliche Speise. In England werden die meisten H. vertilgt, und geht schon allein der Londoner Konsum ins Großartige. Sie werden dort von allen Volksklassen in den verschiedensten Zubereitungen genossen und die unzähligen Fisch- und Austernläden der Hauptstadt sind mit den roten Panzern der Riesenkrebse aufgeputzt. Eine Menge Schiffe sind fast immer unterwegs, um die Tiere von allen britischen Küsten und Norwegen herbeizubringen. Man fängt sie in Netzen und Reusen, auch bei Nacht, wo sie durch Fackelfeuer herbeigelockt werden. Der Transport geschieht in großen durchlöcherten Fischkästen (Bungen), welche den Schiffen angehangen werden, sodaß alle Ware lebend ankommt. An den Fangorten selbst bestehen mehrfach künstliche Vorratsteiche, woraus die Transportschiffe sich befrachten und auch in der Heimat sie meist wieder an solche Depots abgeben, woraus dann der Detailmarkt sich versorgt. In Triest hat man mit der künstlichen Hummerzucht im Bassin des Seelazarets große Erfolge erzielt. Beim Transport wie im Depot müssen die Tiere wehrlos gemacht werden, da sie sich bei ihrem streitbaren Naturell sonst arg verstümmeln würden. Die Franzosen lähmen die Scheeren durch einen Einschnitt in den betreffenden Muskel, die Engländer menschlicher durch Binden mit Leinwandstreifen oder Bindfaden. Von Schottland und den Orkneyinseln versendet man die Tiere auch per Eisenbahn ins Land, in Kisten mit Seegras verpackt, ebenso werden sie jetzt in den größern Binnenstädten Deutschlands überall verkauft. Die altgewöhnliche Versendungsart ist die des gekochten Fleisches in Büchsen. - Zoll: Frische oder bloß abgekochte Hummern Tarif im Anh. Nr. 25 r, in Büchsen eingekochtes Hummerfleisch Nr. 25 p 1.

Hundszungenwurzel (radix cynoglossi); früher ein Artikel des Droguenhandels, dürfte jetzt nur noch selten gebraucht werden; sie stammt von einer in ganz Deutschland an Wegen und Rainen wild wachsenden Pflanze (Cynoglossum officinale), ist lang, ästig, außen schwarz, innen weiß und hat einen unangenehmen Geruch. - Zollfrei.

Hüttenfabrikate, Hüttenprodukte, bezeichnet die Gesamtheit der in den Hüttenwerken dargestellten Metalle, Metallwaren und Nebenprodukte, welche unter ihren Spezialnamen besprochen worden sind.

Hyalith; eine Varietät des Opals (s. d.). Mit dem Namen Hyalith wird auch schwarzer Glasfluß bezeichnet, aus dem Gläser zur Aufbewahrung lichtempfindlicher Chemikalien gemacht