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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Majoran; Makrele; Makulatur; Malachit

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Majoran - Malachit

Majoran (Origanum Majorana, frz. maryolaine; engl. marjoram); eine Art Dosten, ist eine einjährige, in Griechenland und dem Orient heimische, zu den Lippenblütlern gehörige aromatische Pflanze, hinlänglich bekannt durch ihr häufiges Vorkommen in Gärten und ihren Gebrauch als Würze in der Küche und zu Würsten. Das in der Blüte gesammelte und getrocknete, stark aromatisch riechende und schmeckende Kraut, das in günstigen Jahren bis dreimal geschnitten werden kann, wird außerdem zu Kräuterkissen, Bädern und Umschlägen, zu Kräuterschnupftabak und Majoranbutter benutzt. Der Same wird meistens aus Frankreich bezogen, wo die Pflanze stark gebaut wird. Durch Destillation des frisch getrockneten Krautes mit Wasser wird etwa 1% eines gelblichen, dünnflüssigen ätherischen Öls erhalten, das stark und weniger angenehm riecht, als das frische Kraut. Dieses Majoranöl (oleum majoranae) muß gut verschlossen und vor dem Tageslicht geschützt werden, da es unter Einfluß von Luft und Licht schnell verharzt, säuert und sich bräunt. Es dient namentlich zur Parfümierung von Seifen und als Zusatz zu aromatischen Likören. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 2; Majoranöl Nr. 5 a.

Makrele (Scomber Scombrus), schön gestalteter und gefärbter Seefisch, von nur Fußlange oder nicht viel mehr, 1-1½ kg schwer, doch immerhin bedeutendes Objekt der Fischerei, oberhalb stahlblau ins Goldgrüne schimmernd, mit schwarzen Querbändern; Seiten silberweiß. Das Fleisch ist frisch sehr wohlschmeckend, aber nicht haltbar. Die Engländer versorgen in der Saison ihre Städte und selbst Paris mit frischer, in Eis verpackter Ware. Für den spätern Absatz setzt man die Fische wie Heringe ein und bringt sie wie diese, auch wie Pöklinge geräuchert in den Handel. Im April erscheinen die M. im Kanal, im Mai im Mittelländischen Meere, bei Norwegen Mitte Juni zum Laichgeschäft, und verschwinden bei England und Frankreich schon im Sommer, bei Norwegen erst im Oktober und November wieder. Am ergiebigsten ist der Fang an den Küsten von Kent, Sussex, Cornwall, Dieppe, Boulogne, Norwegen und Italien. - Frische M. sind zollfrei, geräucherte oder gesalzene gemäß Tarif Nr. 25 g 2.

Makulatur (von macula, Flecken) ist bekanntlich in Abfall geratenes, bedrucktes oder beschriebenes Papier, das nur noch als Material zum Einpacken und Einwickeln, und das hierfür Ungeeignete zum Einstampfen in Papierfabriken dient. Druckmakulatur bildet einen ziemlich ansehnlichen Handelsartikel, mit welchem namentlich in Leipzig, Berlin und Stuttgart viel Geschäfte gemacht werden. Unverkäuflich gewordene Reste von Bücherauflagen bilden den Hauptstock der Ware und es konnte in frühern Zeiten, als die Bücher noch roh, d. h. in Lagen ausgegeben wurden, der Verleger darauf rechnen, für unbeschädigte M. etwa die Hälfte dessen wieder zu erlangen, was er für das weiße Papier ausgegeben hatte. Die M. wurde dann wie Papier ries- und ballenweise verkauft. Gegenwärtig, wo fast alle Werke schon broschiert in den Handel gebracht werden, sind sie auch als M. weniger wert. Solche Broschüren werden gewöhnlich nach dem Gewicht verkauft an kleine Händler, die die Buchbinderarbeit wieder aufthun, das Material nach Format und Beschaffenheit sortieren und möglichst verkäuflich herrichten. Solche M. ist natürlich untergeordnet und nicht überall brauchbar; die reine, von rohen Büchern, aber ist jetzt so selten und teuer geworden, daß für dieselben Kosten recht gut neues Einschlagpapier beschafft werden kann, wie es jetzt in mehrfachen Qualitäten und durch Verwendung von Surrogaten, wie Holz und Stroh, auch ziemlich wohlfeil und in Menge hergestellt wird, zumal die Makulatur jetzt selten noch aus festerem Papier besteht, als die jetzigen Druck- und Packpapiere. Die M. der Bücherdrucke ersetzt jetzt zumeist die gesamten gelesenen Zeitschriften und Zeitungen, deren ungeheure Menge die Bogenzahl der früheren Buchhändlermakulatur weit überschreitet. - Zollfrei.

Malachit, ein grünes Kupfererz, welches gleich der blauen Kupferlasur ein kohlensaures Kupferoxydhydrat ist, nur einen höhern Kohlensäuregehalt als diese besitzt. Beide werden in der Nähe oder Gesellschaft andrer Kupfererze gefunden, aus welchen sie durch Umsetzungsprozesse aller Wahrscheinlichkeit nach erst entstanden sind; denn man hat Beispiele, daß auch Kupfermünzen, in der Erde oberflächlich in M. oder Lasur umgewandelt worden sind. Man unterscheidet blättrigen, faserigen, dichten und erdigen M.; alle sind gute, leicht zu verhüttende Kupfererze, die jedoch nicht so häufig sind, um zur Metallgewinnung, im ganzen betrachtet, viel beizutragen. Der eigentliche, von Alters her so genannte M. unter ihnen ist die faserige Varietät, die außer schön grüner Färbung einen seidenartigen Glanz zeigt, da sie aus höchst feinen, innig verbundenen Kristallnadeln zusammengesetzt ist. Die Masse wird in Gestalt rundlicher Klumpen gefunden und hat auf Schnittflächen oft ein gebändertes Aussehen durch mehrere über einander liegende Schichten, die verschiedne Nüancen von Grün zeigen. Der M. ist von geringer Härte, hat aber wegen seiner schönen, eigenartigen Färbung, Glanz und guter Politurfähigkeit von Alters her als ein beliebtes Material zur Verfertigung von allerlei Schmuckgegenständen gedient.

Die größten und schönsten Stücke des Minerals wurden und werden an einigen Stellen im Uralgebirge und Sibirien gefunden, und Rußland ist bis jetzt der Hauptlieferant von M. gewesen. In den fürstlich Demidoff'schen Besitzungen am Ural mit der Hauptstadt Nischne Tagilsk befindet sich die Grube, in welcher einmal das berühmte Stück von 600 Ztr. Schwere gefunden wurde, aus welchem so viele schöne Vasen, Tischplatten, Säulen u. dgl. geschliffen worden sind. Stücke von 10 Ztr. abwärts kommen in verschiednen Gruben nicht selten vor, gewöhnlich nur in den obersten Lagen, während nach der Tiefe zu die kompakten Massen immer kleiner werden und nur noch Material zur Verhüttung gefunden wird. Die größern Kunstarbeiten aus M. werden in Rußland selbst