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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Petitgrainöl; Petroleum

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Petitgrainöl - Petroleum

und die rübenartige Wurzel im getrockneten Zustande Arzneiwaren. Beide enthalten, und zwar die Samen am reichlichsten (1 Prozent) ein eigentümliches, stark würzhaft riechendes und brennend schmeckendes ätherisches Öl, das gelblich, etwas dickflüssig ist und mit der Zeit dunkler und dicker wird. Dieses Öl (oleum petroselini) wird aus den frisch getrockneten Samen mit Wasser destilliert; nebenbei erhält man Petersilienwasser, welches in Apotheken benutzt wird. Die Wirkung der P. und der Präparate daraus ist eine harntreibende. Das Öl ist wie andre ätherische Öle käuflich und zu 48 Mk. pro Kilo angesetzt. - Zoll: Petersilienkraut und Wurzel gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 2;

Petitgrainöl, ein kräftig und angenehm riechendes ätherisches Öl, grünlich gelb, dünnflüssig, wird aus den Blättern und kleinen, noch unreifen, abgefallenen Früchten der Orangenbäume durch Destillation gewonnen. Man unterscheidet im französischen Handel zwei Sorten: Essence petitgrain Bigerrade, die teurere Sorte, und Essence petitgrain Portugal, die billigere. Man benutzt das P. in der feinen Parfümerie. - Zoll: Petitgrainöl gem. Tarif Nr. 5 a.

Petroleum (Erdöl, Erdnaphtha, oleum petrae). Vor einer kurzen Reihe von Jahren war Petroleum unter diesem oder häufiger unter dem entsprechenden deutschen Namen Steinöl (oleum petrae) nur ein Apotheken- und Droguerieartikel von geringer Bedeutung und mäßigem Verbrauch zum Auflösen harziger Stoffe, zu Einreibungen in der Tierheilkunde, zum Aufbewahren leicht oxydierbarer Metalle wie Kalium und Natrium. Es kamen solche Öle durch russische Händler vom Kaspischen Meere (bei Baku), vom Schwarzen Meer, aus Italien. Diese Öle waren damals wesentlich teurer, als das seit der Entdeckung der großen amerikanischen Lager gebräuchliche Öl, das bekanntlich durch sein massenhaftes Vorkommen in Nordamerika und den Geschäftseifer der Amerikaner in wenig Jahren ein Welthandelsartikel von eminenter Bedeutung geworden ist, vom stärksten Einfluß auf die Verhältnisse des Groß- und Kleinhandels, der Technik und der häuslichen Ökonomie. Das großartige Auftreten am Markte ließ diesen altbekannten Stoff sogar als einen ganz neuen Artikel erscheinen. Natürlich war diese Änderung der Dinge nur dadurch möglich, daß für das Erdöl eine neue ausgedehnte und nachhaltige Verwendung gefunden war, nämlich als ein guter und wohlfeiler Beleuchtungsstoff. In Nordamerika sind die unterirdischen Lager dieses Naturprodukts von erstaunlicher Mächtigkeit; der hauptsächlichste Öldistrikt ist der Westen Pennsylvaniens; aber die Region seines Vorkommens erstreckt sich viel weiter und zieht sich von Westkanada durch Neuyork und Pennsylvanien westlich nach Ohio und Kentucky, dann weiterhin südlich nach Westvirginien. Auch in Kalifornien gibt es reiche, noch wenig in Angriff genommene Ölschätze. Selbstfließende Ölquellen sind in Nordamerika immer bekannt gewesen; sie fanden kaum andre Benutzung als daß die Indianer mit dem Öl die Glieder einrieben gegen Rheumatismus; sie wurden sogar nicht selten als großer Übelstand befunden, da sie die fließenden Wässer verunreinigten. Nachdem aber einmal der Spekulationsgeist der Amerikaner sich auf den Gegenstand geworfen, wurden Bohrbrunnen zu vielen Tausenden angelegt; 1860 und 1861 waren die tollen Jahre des Ölfiebers mit ihren oft so drastisch geschilderten Scenen von Spekur lation ^[richtig: Spekulation], Schwindel, Glück und Unglück. Man triff-^[richtig: trifft] auf Öl in einer Tiefe von 24-200 m; in der Regel ist eine überlagernde Felsschicht zu durchbrechen. Das freigewordene Öl dringt immet ^[richtig: immer] in Vermischung mit Wasser und häufig in Begleitung großer Mengen brennbarer Gase heraus; bildet zuweilen hochspringende Fontainen, die später aufhören. Wo keine Selbstergießung mehr stattfindet oder von Anfang an nicht bestand, werden die Pumpen angesetzt, bis auch diese nichts mehr fördern, worauf das Bohrloch verlassen wird, wenn es sich nicht etwa nachgehends wieder füllt. Das Geschäft Nordamerikas in diesem Artikel ist riesenhaft gewachsen und noch fortwährend in Zunahme. Im Jahre 1861 wurden im ganzen erst 1194682 Gallonen ausgeführt, 1868 schon 99½ Mill.; 1869 gewann man in Pennsylvanien allein 4215142 Barrel, jedes Barrel zu 43 Gallonen. Die Bradfordregion in Pennsylvanien liefert allein jetzt aus 1300 Quellen täglich 10000 Barrels. Als täglichen Durchschnittsertrag rechnete man schon vor 10 Jahren 10000 Barrels oder 20000 Ztr. Dazu kommt noch die Ölernte der Staaten Ohio, Kentucky und Westvirginien, zusammen mit etwa 1/7 der Förderung Pennsylvaniens, und die ebenfalls sehr beträchtliche Ausbeute Kanadas. Die amerikanische Gesamtproduktion an Petroleum belief sich:

^[Liste]

1871 auf 222276264 Gallonen

1876 " 377029044 "

1878 " 636865401 "

1879 " 829149762 "

1880 " 1093361682 "

Die Ausfuhr von rohem und raffiniertem P. aus Amerika betrug (excl. des dortigen Konsums) im Jahre 1880: 658454664 Gallonen. Durch Übereinkunft der beiderseitigen Handlungsbehörden ist für den amerikanisch-europäischen Handel das Gewicht an Stelle des Hohlmaßes getreten und bestimmt worden, daß die Gallone 6½ engl. Pfd., das Barrel mithin 200 engl. Pfd. Inhalt haben muß. - Das amerikanische P. ist als Ware so vorherrschend, daß sich das über den Artikel überhaupt zu Sagende am besten an dieses knüpft, indes die anderweitigen Vorkommnisse nachgehends noch besonders aufgeführt werden. Die Erdöle sind Gemenge verschiedner Kohlenwasserstoffe, ihrer chemischen Zusammensetzung nach einer fortlaufenden Reihe (Sumpfgasreihe) angehörend und je nach dem Vorherrschen der einen oder der andern Glieder dieser Reihe auch verschieden im Ansehen, spezifischer Schwere und Flüssigkeitsgrad. Ebenso gehören Bergteer und Asphalt zu derselben Reihe und unterscheiden sich nur durch den reichlichen Gehalt der höheren Glieder jener Reihe und, was den Asphalt anlangt, den gänzlichen Mangel der niedrigeren. Welchen Ursprung die Erdöle und ihre Verwandten haben, darüber herrscht völlige Ungewißheit. Man vermutet nur, daß große unterirdische Lager organischer