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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Quillajarinde; Quinio; Quitten

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Quillajarinde - Quitten

heimischen Färbereiche (Quercus tinctoria), welche teils fein, teils grob gemahlen von New York, Baltimore und Philadelphia aus in den Handel kommt. Das Färbevermögen der Rinde wurde 1775 von Bancroft entdeckt und wird in neuerer Zeit mehr und mehr in Anspruch genommen, sodaß dadurch manche andre gelbe Pflanzenfarbstoffe entbehrlich geworden sind. Die Q. gelangt nur selten in ganzen Stücken in unsern Handel, sondern fast stets nur in zerkleinertem Zustande. Die Außenrinde des Baumes besitzt nämlich eine fast schwarze Farbe und wird deshalb entfernt, da die Reinheit der damit hergestellten Farben dadurch beeinträchtigt werden würde. Man entfernt daher diese Außenrinde durch Abhobeln, schält den übrigbleibenden Rindenkörper vom Stamme ab und zerkleinert denselben zwischen Mühlsteinen. Die gemahlene Rinde besitzt eine bräunlich gelbe Farbe, einen schwachen, nicht unangenehmen Geruch und bittern Geschmack; sie färbt den Speichel gelb. Die Verpackung geschieht in Fässern von 250-500 kg. Der Farbstoff der Q. heißt Quercitron, gehört zu den Glukosiden und bildet kleine schwefelgelbe Kristalle, die in Wasser schwer löslich sind, leicht in alkalischen Laugen. Die wässerige Abkochung der Rinde ist orangerot gefärbt; man benutzt sie zum Färben. Die Rinde gibt aber an das Wasser auch ihren Gerbstoff ab, welcher sich zugleich mit dem Gelb auf die Zeuge niederschlägt und die Farbe trübt. Ein vorheriger Zusatz von Leimlösung fällt den Gerbstoff aus und die Färbungen mit solchergestalt gereinigter Brühe erscheinen reiner und schöner. Man bedient sich aber neuerdings häufig eines andern Mittels zur Erzeugung reinerer Farben, nämlich des mehrstündigen Auskochens der Rinde mit verdünnter Schwefelsäure. Durch die Säure werden nicht nur Gerbstoff und andre störende Substanzen zerstört und ausgezogen und durch die nachfolgenden Waschungen mit kaltem Wasser entfernt, sondern auch der Farbstoff, das Quercitrin selbst, erleidet dabei eine Spaltung, und was davon in dem Pulver zurückbleibt, ist ein schönerer Farbstoff, der Quercetin genannt wird. Die so präparierte Rinde dient nun anstatt der rohen zum Färben. Von den Nordamerikanern und Engländern wird auch flüssiges und trocknes braunes Extrakt in den Handel gebracht und bildet ein reineres Farbmaterial, zumal das englische, das aber dreimal teurer ist, als das amerikanische. Der durch Auskochen mit Sodalösung und Fällen mit verdünnter Schwefelsäure erhaltene, jedoch noch unreine Farbstoff kommt als Teig unter dem Namen Flavine in den Handel. Zur Färberei auf Wolle, Seide, Baumwolle und gemischte Stoffe macht man von dem Quercitron einen sehr ausgedehnten Gebrauch zu vielerlei Nüancen, welche durch die angewandten Beizen bedingt werden. Mit Thonerdebeize färbt man gelb, mit Eisenbeize braun, mit einem Gemisch von beiden olive, mit etwas Krapp und Thonerdebeize orange etc. - Zoll: Q. rinde und Flavin sind zollfrei. Quercitronextrakt gem. Tarif im Anh. Nr. 5 e.

Quillajarinde (Panama-Seifenrinde, cortex Quillayae), eine Ware, die in neurer Zeit sehr stark in Zug gekommen ist und in ganzen Schiffsladungen von Chile nach den europäischen Häfen gebracht wird. Es ist die innere Rinde oder wohl eigentlich der Splint eines in Chile einheimischen Baumes, Quillaya Saponaria (Mol.), die vermöge eines starken Gehaltes an Saponin sich wie unsre Seifenwurzel (s. d.) verhält; diese führt denselben Bestandteil, nur in kleinerer Menge. Wie diese Wurzel, so in weit stärkerem Maße gibt die Rinde, mit Wasser mazeriert oder gebrüht, an dasselbe Saponin ab und macht es dadurch dickflüssiger, stark schäumend und geeignet, die Stelle der Seife zu vertreten und zwar in dem Maße, daß man 1 kg derselben in der Wirkung gleichsetzt mit 3 kg schwarzer Seife. Man gebraucht den Stoff daher in zunehmender Ausdehnung zum Waschen farbiger Wollen- und Seidenzeuge, da die Farben davon durchaus nicht angegriffen werden, zum Entfetten von Wolle, zur Schafwäsche und überhaupt an Stelle von Seife. In Paris bereiten schon verschiedne Laboranten daraus seifenartige Artikel für den Hausgebrauch. Eines derselben wird unter dem Namen Panamin debitiert. Es ist ein Rindenextrakt, das mit etwas Glaubersalz zur festen Masse eingedickt, geformt und in Zinnfolie gepackt ist. Die Rinde bildet, von der braunen Außenborke befreit, wie sie im Kleinhandel wenigstens vorkommt, gelblichweiße, holzähnliche Platten von stark faseriger Struktur, 2-7 mm dick, oft bis zu 1 m lang, nur wenig gekrümmt, geruchlos, aber in Wirkung des Saponins von sehr kratzendem Geschmack. Beim Zerbrechen oder Stoßen derselben entwickelter Saponinstaub erregt heftiges Niesen. Die Rinde erscheint auf dem Querschnitte quadratisch gefeldert, indem die einzelnen scharf abgegliederten Bastzonen von zahlreichen, sehr deutlich erkennbaren Markstrahlen durchsetzt sind. Hält man eine radiale Schnittfläche der Rinde gegen das Licht, so sieht man schon mit unbewaffnetem Auge zahlreiche glänzende Teilchen, die sich, unter dem Mikroskope betrachtet, als Kristalle von oxalsaurem Kalk zu erkennen geben. Die Rinde ist infolge ihres faserigen Baues gegen das Zerkleinern sehr widerspenstig; sie wird daher von Handelshäusern auch bereits auf Maschinen fein zerschnitten, sowie als Pulver in den Handel gebracht. - Zollfrei.

Quinio. Unter diesem Namen kommt von Brasilien aus ein Präparat in den Handel, welches nach den Berichten der Produzenten durch Ausziehen der frischen Rindenabfälle der Chinabäume mittels Alkohol und Kalk gewonnen werden soll. Es enthält die Chinabasen in unverbundenem freiem, natürlich aber noch ganz unreinem Zustande; es ist eine gelbe, dem Fichtenharze ähnliche Masse, in Wasser fast unlöslich, vollständig dagegen löslich in Alkohol und Äther, sowie auch in verdünnter Schwefelsäure. Ein ähnliches Präparat kommt unter dem Namen Quinetum aus Ostindien und wird dort ebenfalls aus den nicht verkäuflichen Rindenabfällen der Himalayaanpflanzungen gewonnen. - Zollfrei.

Quitten, die schön gelben, aromatisch riechenden Früchte des Quittenbaums, Cydonia Tourn., welcher in Gärten in mehreren Arten kultiviert