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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Riechsalz; Ringelblume; Rips; Robbenfelle

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Riechsalz - Robbenfelle

muß mit 90grädigem Weingeist eine klare Lösung geben; eine Trübung zeigt Verfälschung mit andern fetten Ölen an. Das Kilo kostet im Detail gewöhnlich 2-3 Mk. Außer zu medizinischen Zwecken hat dasselbe auch technische Benutzung, hauptsächlich zu Schmiermitteln. Es bildet einen gewöhnlichen Bestandteil der käuflichen Lederöle, ist auch für sich allein ein vorzügliches Konservierungsmittel für Schuh- und andres Lederwerk. Die gewöhnliche Verpackung des ostindischen Öls sind viereckige Blechdosen (Kanister) von 20 kg Inhalt, deren je vier in eine Kiste eingesetzt sind; das gelbe Öl kommt in Fässern. Hierzu kommt noch das in letzter Zeit sehr beträchtlich gewordene Produkt Italiens, das dem indischen auf dem Kontinent und selbst in England Konkurrenz macht. Die Kultur hat dort ihren Platz vorzüglich in den Abhängen der Alpen und geht bis nach Südtirol herein. Die italienische Ware ist in der Regel in der guten Medizinalsorte sehr fein und wird daher der ostindischen vorgezogen, da sie zugleich den Vorteil größerer Frische für sich hat und die Preise gewöhnlich gleich stehen. Je frischer nämlich das Öl, um so wirksamer ist es; ranziges Öl darf zu medizinischen Zwecken nicht verwendet werden. - Zoll: Ricinusöl in Fässern, dgl. in Blechgefäßen von mindestens 15 kg Bruttogewicht oder in Flaschen oder Krügen aus anderem Material von mindesten 50 kg Bruttogewicht gem. Tarif im Anh. Nr. 26 a 4. In kleineren Blechgefäßen, bzw. Flaschen oder Krügen gem. Tarif Nr. 26 a 1.

Riechsalz, englisches, besteht aus kohlensaurem Ammoniak, das mit ätherischen Ölen parfümiert ist. - Zoll gem. Tarif Nr. 31 e; R. ohne Zusatz von Parfüm sind zollfrei.

Ringelblume (Lockenblume, Calendula officinalis). Die getrockneten Blüten dieser bekannten südeuropäischen, in Gärten häufig vorkommenden Pflanze bilden einen Artikel des Droguenhandels (flores calendulae), werden jetzt aber viel weniger medizinisch verwendet, als früher; sie haben einen bittern und herben Geschmack und eigentümlichen, etwas narkotischen Geruch. Man bereitet aus diesen Blüten ein Extrakt (extractum Calendulae). Nur der Farbe wegen werden die ausgezupften, rasch getrockneten zungenförmigen Randblümchen als Bestandteil von Räucherpulvern benutzt. - Zollfrei. Das alkoholhaltige Extrakt gehört unter Nr. 5 a des Tarifs im Anhang.

Rips oder Reps (richtiger Ribs, Rippen, frz. und engl. reps) heißen dichtgewebte Stoffe mit längslaufenden erhabenen Rippen, welche durch die starken, zwei- und dreifädig gezwirnten Kettenfäden hervorgebracht werden, in welche ein Einschuß von viel feinerem gezwirnten Garn gewoben und stark angeschlagen wird, sodaß dessen Fäden die der Kette vollständig verdecken. Stoff und Name sind ursprünglich englisch; die Ausführung geschah früher nur in Baumwolle; jetzt fertigt man überall R. und namentlich mit Baumwoll- oder Wollkette und wollenem Einschlag zu Möbelbezügen, Thürvorhängen, Damenkleidern, in Seide ebenfalls als Damenstoff. Die Wollenripse kommen auch mit Querrippen vor, welche durch abwechselndes Einschießen eines schwachen und eines starken Fadens erhalten werden. - Zoll: Baumwollner R. gem. Tarif Nr. 2 d 1 bis d 3, wollner Nr. 41 d 5 α, seidner Nr. 30 e, halbseidner Nr. 30 f.

Robbenfelle. Das artenreiche Geschlecht der Robben (Phoca), unter welchen der gemeine Seehund (Ph. vitulina) in den europäischen Meeren und im Atlantischen Ozean der gewöhnlichste ist, nützt durch seine Haut und seinen Thran (vgl. Thran). Es müßten wenigstens 20 verschiedne Arten aufgezählt werden, von denen jedenfalls Felle an den Markt kommen; der Handel aber unterscheidet, neben sehr vielen Untergattungen, der Hauptsache nach zwei Arten: Haar-Seehunde (Hair Seals) und Pelz-Seehunde (Fur Seals). In der erstern Gattung sind alle diejenigen inbegriffen, die nur ein straff anliegendes kurzes Oberhaar, in der andern diejenigen, die unter diesem die sehr feine dichte Wolle besitzen. Die meisten Robben werden in den Gewässern des hohen Nordens gefunden; einige Arten kommen aus der Südsee. Viel Robbenschlag ist oder war in den südlichen Meeren bei den Falklandsinseln, an Neuseeland, Südaustralien, den Sandwichinseln etc., doch sind manche ehemals reiche Plätze jetzt verödet durch Ausrottung und Verscheuchung. Die größten und nachhaltigsten Ernten scheinen die Fischer von Neufundland, Neuschottland und Labrador zu machen, welche den Vorteil haben, daß das Wild ihnen aus fernen Gegenden zugetrieben wird. Im März und April treiben mächtige Eisfelder aus den Polarmeeren südwärts, begleitet und bedeckt von großen Heerden Robben. Die Fischer, deren Häfen dann in der Regel noch durch Eis geschlossen sind, sägen sich heraus und gehen nach den Eisfeldern auf die Suche. Wie überall sucht man die Tiere zu überraschen, wenn sie bei schönem Wetter auf dem Eise schlafen, und ihnen den Rückweg zum Wasser abzuschneiden. Sie sind dann durch einen Knüppelschlag auf die Nase leicht zu töten. In der Regel sind es aber nur junge Tiere, die sich in dieser Art überraschen lassen; die alten sind zu schlau und vorsichtig dazu, und diesen sucht man durch Schießgewehr beizukommen. Den erlegten Tieren zieht man das Fell samt dem darunter sitzenden Speck ab und läßt das übrige liegen. Das Fett wird dann zur Thrangewinnung abgelöst und die Haut an der Luft getrocknet oder gewöhnlicher eingesalzen. Es gibt Fahrzeuge, die allein zur Robbenjagd tauglich sind; die Walfischfahrer indes verschmähen das kleine Wild auch nicht und müssen sich an ihm öfter für den Mangel des großen schadlos halten. - Die Robbenfelle kommen in allen Größen von 9 bis 30 dm Länge und 6-18 dm Breite an den Markt. Die Haupthandelssorten sind: Klappmützen von der Kappenrobbe oder Klappmütze (Ph. cristata) bei Grönland, 20-24 dm lang, schwärzlich mit grauen Flecken, auf dem Rücken sehr dunkel; Blaumänner, Whitecoats (junge Blaumänner); Sattler, mit zwei schwarzen Streifen in Form eines Sattels auf dem Rücken; blauseitige; bunte oder gesprenkelte; ordinäre Seehunde. Für den Markt werden die importierten Felle nach Maß-^[folgende Seite]