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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Salpeter

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Salpeter - Salpeter

salpetersaurem Kalk zu salpetersaurem Kali und unlöslichem kohlensauren Kalk um. In Ägypten wird S. aus dem fruchtbarem Nilschlamme den man zu künstlichen Hügeln aufschichtet, gewonnen; es kommt aber keine solche Ware im Handel vor. Die weiten Marschebenen Ungarns, besonders in der Nähe von Debreczin und um den Neusiedler See, haben ebenfalls stark salpeterhaltigen Boden, der daher auch in großer Ausdehnung zum Tabakbau benutzt wird. Man gewinnt dort den S. in ähnlicher Weise wie in Indien und nennt ihn deshalb Kehrsalpeter. Die Gewinnung bildet ein Staatsmonopol und das Produkt ist hinreichend, den inländischen Bedarf zu decken. -

Früherhin wurde die Gewinnung von S. in mehrern Ländern des Kontinents zum Teil als Regierungssache betrieben, da man sich für Kriegsfälle in Hinsicht der Versorgung mit Schießpulver nicht vom ostindischen S. abhängig machen wollte. Man hatte sog. Salpeterplantagen, in weichen Erde aus Viehställen, Schlächtereien und von Miststätten, stickstoffreiche Pflanzenstoffe und tierische Abgänge aller Art zu Haufen aufgeschichtet und mit Jauche u. dgl. feucht gehalten wurden. Zugleich setzte man alkalische Stoffe (Kalk, Mergel, Mauerschutt, ausgelaugter Asche u. dgl.) zu und schützte die Haufen durch Bedachung vor Regen. Erst im dritten Jahre hatte sich gewöhnlich so viel S. in den Haufen gebildet, daß sie ausgelaugt und die Laugen versotten werden konnten. Da diese aber in der Hauptsache nur Kalk- und Magnesiasalpeter enthielten, so mußte dieselbe durch Zusatz von Pottasche oder Holzaschenlauge erst in salpetersaures Kali umgewandelt werden, wobei Kalk und Magnesia als unlösliche kohlensaure Salze herausfielen. Gegenwärtig ist diese Industrie überall eingestellt, etwa mit Ausnahme von Schweden und Polen, und es ist kein Schade darum, denn es wurden Stoffe verbraucht, die als Dünger in den Ackerboden gehören. Die Hauptbezugsquelle für Rohsalpeter war Ostindien (Hauptmarkt Kalkutta) und es brachten und bringen die Engländer diese Ware ziemlich wohlfeil nach Europa, da sie darin zugleich eine passende Rückfracht für beladen dahin gehende Schiffe haben. Der Bezug hat aber nicht mehr den frühern Umfang und ist zur Zeit schon etwas unter 200000 Ztr. zurückgegangen aus Anlaß des Chilisalpeters, einer Ware, für die es noch 1830 keine Verwendung und keine Käufer gab, die aber nachgehends um so mehr in Zug kam und deren Zufuhr noch immer im Steigen begriffen ist. Dieser, viel wohlfeilere Natronsalpeter kann das Kalisalz nicht in allen Stücken ersetzen, namentlich nicht zur Pulverfabrikation, sehr wohl aber zur Gewinnung von Salpetersäure, an welcher er sogar reicher ist, daher er auch hierfür jetzt das auschließliche ^[richtig: ausschließliche] Material bildet. Ferner läßt sich aber der Natronsalpeter direkt in Kalisalpeter umwandeln und der ostindische dadurch ganz entbehrlich machen, ein Fortschritt, zu welchem man, wenigstens in Deutschland, durch einen besonders günstigen Umstand gelangt ist. Wenn man nämlich Lösungen von Pottasche (kohlensaurem Kali) und Chilisalpeter zusammenbringt, so verwandeln sich die beiden Salze durch gegenseitige Umsetzung in salpetersaures Kali und kohlensaures Natron, welche beiden durch zweckmäßig geleitete Abdampfungs- und Kristallisationsarbeiten zu trennen sind. Da aber die Pottasche auch ein teures Salz und das dafür eingetauschte kohlensaure Natron weniger wert ist, so hat diese Industrie hinsichtlich der Rentabilität ihre engen Grenzen und hängt sehr von den jeweiligen Marktpreisen ab. Die Auffindung ungeheurer Mengen von Chlorkalium in den Staßfurter Salzbergwerken hat nun für Deutschland die Möglichkeit ergeben, den Chilisalpeter in weit vorteilhafterer Weise in das Kalisalz zu verwandeln, und es bestehen dort für diesen Zweck mehrere große Fabriken; auch nach England und andern Ländern werden große Mengen von Chlorkalium für den Zweck der Salpeterbereitung ausgeführt. Chlorkalium und Natronsalpeter in Lösung zersetzen sich ebenso wie vorstehend gesagt, nur ist das Abfallsalz hierbei Chlornatrium, d. h. Kochsalz. Die Trennung ist ebenfalls eine Scheidung auf dem Wege der Kristallisation; es kommt dabei zu statten, daß der S. in heißem Wasser sich in 18mal größerer Menge löst als in kaltem, während Chlorkalium in beiden Fällen sich ziemlich gleich verhält. Beim Erkalten einer gesättigten heißen Lösung beider Salze wird sich also vom ersten viel, vom andern sehr wenig ausscheiden; durch wiederholtes Umkristallisieren wird sich die Reinigung beliebig weiter treiben lassen. Man nennt den so gewonnenen Kalisalpeter Konversionssalpeter. -

Der rohe S., wie er durch Auslaugen von Erdreich und Eindampfen der Lauge gewonnen wird, ist zwar kristallisiert, aber natürlich sehr unrein, gefärbt und mit fremden Salzen, namentlich Kochsalz und Chlorkalium, behaftet und enthält etwa 60-70% reinen S. Man raffiniert ihn mehr oder weniger nach verschiednen Methoden. Das Raffinieren des indischen S. geschieht erst in England, wohin er in Säcken von etwa 82 kg Inhalt gebracht wird.

Die Arbeiten des Raffinierens gehen im allgemeinen darauf, daß der rohe S. in möglichst wenig heißem Wasser bis zur Sättigung gelöst und die Lösung, durch Zusatz von etwas Pottasche schwach alkalisch gemacht, eingesotten wird, wobei Kochsalz und Chlorkalium sich kristallinisch ausscheiden. Man stellt dann durch Wasserzusatz das ursprüngliche Quantum wieder her, weil die noch restierenden fremden Salze nunmehr in der Lauge gelöst bleiben sollen, versetzt diese mit etwas Leim und kocht weiter. Der Leim nimmt die färbenden Stoffe auf und bildet einen reichlichen Schaum, der abgeschöpft wird. Man läßt dann die Lauge bei 90° Hitze zur Klärung stehen und gibt sie schließlich auf die Kristallisationsgefäße, wo der S. herausfällt und zwar in Form von kristallinischem Mehl, da man die Lauge häufig umrührt, damit keine großen Kristalle entstehen, welche wieder Unreinigkeiten einschließen würden. Das Mehl wird in Waschkästen mit Siebboden gefüllt und mit Wasser übergossen, das bald zu Salpeterlösung wird, die nur noch die fremden Salze nach unten heraustreibt, oder man nimmt