Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Schießpulver

495

Schießpulver - Schießpulver

schwelend; mit einer Flamme, auch der von Schießpulver, entzündet, verbrennt sie gleichfalls mit großer Flamme; erfolgt dagegen die Entzündung durch einen heftigen Stoß, also in der Praxis durch einen Schlagzünder, wobei eine viel höhere Temperatur entwickelt wird, so erfolgt die Verbrennung unter ungeheurer Kraftwirkung, gleichviel ob der Stoff unter Verschluß gebracht ist oder freiliegt. Dieselbe Quantität Wolle, welche ohne Gefahr auf der Hand entzündet werden kann, wird auf dicken Balken, Eisenplatten oder Granitblöcken, mit Schlag entzündet, ihre Unterlage zerschmettern; ein Strang Wolle um den dicksten Baum gelegt wird ihn unter denselben Verhältnissen umreißen. Bei Sprengungen ist es ferner nicht nötig, das Bohrloch zu verrammen, indem die Wolle oder noch besser eine Abel'sche Schießröhre, wenn einfach eingeschoben, ihre volle Wirkung auch thut, sodaß also die gefährliche Operation des Ladens der Bohrlöcher ganz wegfällt. Hierdurch werden Sprengungen zu friedlichen und kriegerischen Zwecken ganz außerordentlich erleichtert. Auch zur Fabrikation von Celluloid (s. d.) dient die S. - Zoll s. Tarif Nr. 5 e.

Schießpulver (frz. poudre à canon, engl. gunpowder). Dieser welt- und kulturhistorische Stoff ist bekanntlich ein in Körnerform gebrachtes Gemisch von Salpeter, Kohle und Schwefel und es ist Grund vorhanden zu der Annahme, daß diese drei Dinge sich schon seit uralten Zeiten zusammengefunden haben mögen und bei Chinesen und Indiern solche Mischungen wenigstens in Staubform, zu Brand- und Feuerwerksätzen u. dgl., immer bekannt waren. Ein Schießpulver in unserm Sinne konnte aber die Mischung erst werden durch Körnung der Masse, wodurch erst die langsame Verbrennung in eine momentane verwandelt und die treibende Kraft des Pulvers voll entwickelt werden kann. Dieser Fortschritt fällt in neuere Zeiten und ist jedenfalls auch nicht auf einmal geschehen, vielmehr erscheint die Erfindung des Pulvers als ein Werk, an welchem von seinen ersten Anfängen bis zu der neuzeitigen Ausbildung eine lange Reihe von Zeitaltern gearbeitet haben. Nachdem durch die heutige Wissenschaft das Geheimnisvolle, was für die Menschen früherer Zeiten das Pulver haben mußte, geschwunden und das Wesen der Sache offen vorliegt, haben wir nicht bloß ein, sondern viele S. oder explosive Mischungen und Präparate erhalten und ihre Zahl mehrt sich noch immer; sie übertreffen zum Teil das gewöhnliche Pulver an roher Kraftwirkung bedeutend, aber wo es nicht allein auf eine solche, sondern auch, wie beim Schießen, auf eine geregelte Verwendung derselben ankommt, behauptet das alte Pulver noch immer seinen Platz, weil man eben seine Kraft in bezug auf deren Zeitdauer oder Geschwindigkeit vollkommen beherrschen kann. - Die Bereitung des Pulvers geschieht in den Pulvermühlen oder Pulverfabriken und verlangt die alleräußerste Vorsicht. Alle drei Bestandteile müssen von bester Beschaffenheit sein. Früher mußten die Fabriken den Salpeter des Handels erst noch selbst weiter raffinieren, während sie ihn jetzt schon rein genug und fein gemahlen käuflich erhalten können und nur zu probieren brauchen. Der Schwefel wird selbst gemahlen und eignet sich hierzu nur der Stangenschwefel oder Brotschwefel; die sog. Schwefelblumen (sublimierter Schwefel) sind zu S. nicht verwendbar. Die Bereitung der Kohle, auf deren gute Beschaffenheit es eigentlich am meisten ankommt, bleibt den Fabriken selbst überlassen. Es taugen zur Pulverkohle nur leichte weiche Hölzer wie Pappel, Faulbaum, Linde, Kastanie, ferner Flachs, Hanf, Weinrebe u. dgl. Zur Verkohlung gelangt das Holz in Stäben, nicht dicker als ein Daumen, die vorher geschält und durch langes Lagern völlig getrocknet sind. Man brennt die Kohlen in eisernen Cylindern bei genau regulierter Feuerung, oder besser noch ohne Feuer durch Einwirkung von überhitztem Wasserdampf, der auf der einen Seite in einen mit dem entrindeten Holze gefüllten Cylinder tritt und auf der andern Seite mit den Gasen und andern Zersetzungsprodukten des Holzes entweicht. Die Verkohlung des Holzes muß bei möglichst niedriger Temperatur vorgenommen werden, damit man eine noch etwas wasserstoffhaltige Kohle erhält, die leichter entzündlich ist, als die bei höherer Temperatur erhaltene. Bei einer Temperatur von 270-300° R. gewinnt man die rasch entzündliche, für Jagdpulver geeignete Rotkohle, bei 350° R. die weniger entzündliche Schwarzkohle für Kriegspulver. Die Kohle muß immer bald verarbeitet werden, da sie rasch Feuchtigkeit anzieht, auch, in dickern Schichten gelagert, sich selbst entzünden kann. Früher hatte man Stampfmühlen, auf welchen das Zerkleinern und Mischen der Bestandteile und das Dichten der Pulvermasse ohne Unterschied besorgt wurde; gegenwärtig hat man die Arbeiten getrennt und pulvert die Bestandteile einzeln in umlaufenden Tonnen, deren Innenwände mit längslaufenden Holzleisten versehen sind. Bronzekugeln, welche der Masse beigegeben sind und immer etwas mehr wiegen müssen als diese selbst, zerdrücken und pulverisieren sie. Nachdem so der Schwefel, die Kohle, der Salpeter für sich gemahlen worden, gibt man sie in den bestimmten Gewichtsverhältnissen zusammen auf die Mengtrommeln. Diese bestehen aus Holzgerippen, mit Sohlleder überzogen; die mitgegebenen Kugeln sind von hartem Holz. Je feiner die Stoffe vermahlen und je länger und inniger sie gemengt wurden, desto vollkommener wird das Produkt. Die fein gepulverte Masse wird mittels Brausen mit 8-10% Wasser gleichmäßig angefeuchtet und der dadurch gebildete Teig auf einem Tuch ohne Ende zwischen schweren Walzen durchgeführt, oder es wird die Masse durch hydraulische Pressen verdichtet. Man erhält hierdurch Platten von der Härte und dem Aussehen des Schiefers. Diese Stücke werden nun entweder (nach englischer Manier) zwischen geriffelten, gegeneinander gehenden Walzen zu Körnern zerbrochen, oder sie kommen, wie in Preußen, auf eine Körnmaschine, welche das Zerschlagen der Tafeln und das Sortieren der Bruchstücke in Körner und Staub besorgt. Der