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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Siegellack; Sienaerde; Sikkative

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Siegellack - Sikkative

eine bedeutende Ausdehnung erreicht und wird in Böhmen, auf dem Thüringerwalde und zu Nymphenburg in Bayern betrieben. In Tetschen allein werden jährlich 60000 Ztr. solcher Sachen erzeugt. - Zoll gem. Tarif Nr. 38 b, bzw. Nr. 38 c 1 u. 2.

Siegellack, im allgemeinen bekanntlich Mischungen harziger, in der Hitze schmelzender Stoffe mit Körperfarben. In der langen Sortenreihe von der feinsten Ware bis zum groben Pack- und Flaschenlack herrschen natürlich große Unterschiede in den Bestandteilen und die teurem verschwinden aus denselben und machen wohlfeilem Platz in dem Maße, wie die Sorten geringer werden. Zu gutem S. ist ein Hauptingredienz Schellack. Die Schmelzbarkeit des Schellacks wird erhöht durch Zusatz von etwa ¼ oder mehr venetianischem Terpentin. Das feinste rote S. wird nur erhalten durch Anwendung von gutem Vermillonzinnober; bei den geringern Sorten wird dieser Stoff zum Teil, bei noch wohlfeilern ganz durch Mennige, Chromrot u. dgl. ersetzt, indes in gleicher Weise für den Schellack Kolophonium und ähnliche Harzstoffe eintreten. Zur Vermehrung des Gewichts, zur Ersparung an Farbstoff und Nüancierung der Farbe werden auch bei den feinen Sorten, um so mehr bei den grobem, weiße erdige Zusätze von Talkpulver, Schwerspat oder Barytweiß, Kreide u. dgl. angewendet. Die erdigen Stoffe, zum Teil auch die Farbkörper, werden für bessere Sorten erst für sich mit Terpentin und Terpentinöl gut verrieben und dann zu der schmelzenden Schellackmasse gesetzt. Ordinäre Flaschenlacke bestehen nur aus Kolophonium, Burgunderharz oder Weißpech und gewöhnlichem Terpentin nebst wohlfeilen Farbkörpern. Für andre als rote Farben benutzt man zum S. zu Schwarz feinen Ruß, sonst auch Beinschwarz oder Pechasphalt, zu Braun Zinnober mit Ruß oder irgend eine braune Erdfarbe, zu Gelb und Orange die betreffenden Chrombleifarben, zu Grün Chrom- oder Kupfergrün, zu Blau Ultramarin. Das blaue S. ist am schwierigsten herzustellen, da hierzu die Harzmasse besonders hell sein muß. Man benutzt dazu gebleichten Schellack in Verbindung mit andern hellen Harzen wie Mastix, Dammar u. dgl. Zu Gold- und Bronzelack werden in die Masse kleine Flitter von echtem Blattgold oder die betreffenden Metallbronzen eingerührt. -

Zum Parfümieren feiner S. benutzt man Benzoeharz, Tolu- oder peruvianischen Balsam. Der Riechstoff wird der übrigens zum Ausgießen fertigen Masse untergeschmolzen. - Die Vereinigung der zum S. kommenden Bestandteile geschieht durch gelindes Schmelzen über Kohlenfeuer. Man erhitzt und rührt, bis das Gemisch Blasen wirft, nimmt es dann vom Feuer und rührt weiter bis die Blasen vergehen und gießt dann die Masse in blecherne, innen verzinnte Formen, welche mit etwas feinem Öl ausgestrichen sind. Die erhärteten Stangen glänzt man, indem man sie rasch durch eine Spiritusflamme oder die Hitze eines Kohlenfeuers zieht. Siegellackfabriken gibt es in allen größern Städten Deutschlands, doch werden die feinem Sorten nur wenig noch gebraucht; die Hauptfabrikation beschränkt sich auf Flaschenlacke und Packlacke. - Zoll s. Tarif Nr. 5 e.

Sienaerde (Terra di Siena), so genannt von ihrem Fundorte Siena in Toscana, ist eine Art Ocker und zwar der feinste dieser Klasse. Er ist von Natur hellbraun, dunkelgelb bis dunkelbraun, und nimmt durch Brennen andere Farbentöne an in braun, rötlich, orangegelb u. dgl. Der Stoff ist eine sehr gut deckende und dauerhafte Farbe und liefert, mit Weiß und andern hellen Farben vermischt, sehr gute Töne. Man benutzt die Erde zu Anstrichen wie zur feinen Öl- und Wassermalerei. Sie kommt naturell wie gebrannt im Handel vor und kostet 1 Mk. bis 1½ Mk. pro Kilo. - Zollfrei.

Sikkative (Trockenmittel); so nennt man Präparate, die als Zusätze zu Leinöl oder Firnisfarben verwendet werden, durch welche diese die Fähigkeit erlangen, rascher zu trocknen. Man hat solche Präparate als Flüssigkeiten und in Pulverform; die ersteren werden auch Trockenöle genannt. Hilfsmittel derart sind unnötig bei Bleifarben (Bleiweiß, Chromgelb, Mennige), da diese Bleiverbindungen selbst als Trockenmittel wirken; vorteilhaft dagegen sind sie bei Erdfarben, Ockern, Ultramarin und namentlich den so schwer trocknenden Zinkweißanstrichen. Die flüssigen S. sind zum Teil lediglich starke bleihaltige Firnisse, hergestellt durch Kochen alten Leinöls mit Mennige, Bleiglätte oder Bleizucker, die dann zum Gebrauch mit mehr Leinöl oder Terpentinöl verdünnt werden. Durch Anwendung von Braunstein (Manganüberoxyd) wird ebenfalls Trockenöl erhalten. Man hängt denselben in erbsengroßen Stückchen in einem Drahtnetz in die 10fache Gewichtsmenge altes Leinöl, das man 24-30 Stunden erhitzt, ohne sieden zu lassen, In neurer Zeit sind besonders leicht zersetzbare Mangansalze als wirksame Trockenmittel in Aufnahme gekommen, namentlich zu Anstrich für Zinkweiß, da sie dessen rein weiße Farbe nicht schädigen, wogegen bleihaltige Bindemittel den Zinkanstrich dunkel färben. Besonders wirksam hat sich das borsaure Manganoxydul (s. Borsäure) erwiesen; man soll 50 g reines borsaures Manganoxydul mit 1 kg altem abgekochten Leinöl abreiben, hierzu noch 19 kg mehr Leinöl geben und das Ganze etwa ¼ Stunde bis nicht zum Kochen erhitzen. Das Mangansalz wird hierbei fast ganz aufgenommen und das Öl färbt sich kastanienbraun; der so bereitete Firnis wird aber farblos und trocknet in 24 Stunden. Das Mangansalz ist also ein trocknes S.; es gibt deren auch, welche außerdem noch andre Stoffe enthalten. Das von der Gesellschaft der Vieille Montagne bei Aachen in den Handel gebrachte S. soll bestehen aus 6,66 Tln. wasserfreiem schwefelsauren Manganoxydul, ebensoviel essigsaurem Manganoxydul, 6,68 Tln. Zinkvitriol und 9,80 Tln. Zinkweiß; 2-3% dieses Gemisches der Zinkfarbe zugesetzt, sollen genügen, um ein baldiges Trocknen zu bewirken; reine Manganoxydulsalze sind indes jedenfalls viel wirksamer. Die Wirkung der metallischen Oxyde und Salze erklärt sich daraus, daß sie, bei den Salzen unter Zersetzung derselben, mit der Ölsäure des Leinöls sich verbinden und ölsaure Metallseifen bilden,