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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Steinkohle

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Steinkohle - Steinkohle

im Erdinnern stecken, haben wir die Überreste einer urweltlichen, von der jetzigen ganz verschiednen Pflanzenwelt vor uns. Aus den Versteinerungen, Abdrücken und Strukturen, die sich im Steinkohlengebirge und in der Kohle selbst, wenigstens in der Blätterkohle, reichlich vorfinden, hat man sich eine Steinkohlenflora konstruiert, wonach Sumpfwaldungen kryptogamischer Gewächse, in einer feuchtheißen Atmosphäre zu Bäumen aufgeschossene Farnkräuter, Schachtelhalme oder solchen vergleichbare Gebilde den Stoff zu den Kohlen geliefert haben.

Man denkt sich nicht, daß zur Bildung der Kohle besonders hohe Hitzegrade mitgewirkt hätten, sondern glaubt, daß die Zersetzung der Pflanzenfaser unter Luftabschluß und dem mächtigen Druck der auflagernden Niederschlagsmassen von Sand und Schlamm eine ganz allmähliche gewesen, indes jene Massen sich in Stein verwandelten. In der so entstandenen Kohle besitzen wir aber einen bessern Brennstoff als ihn die ursprünglichen Hölzer oder andern Gewächse abgeben konnten.

Die brennbare Masse findet sich in den Kohlen auf ein weit kleineres Volumen zusammengedrückt und die Kohle ist beiläufig doppelt so reich an Kohlenstoff als Holz, sodaß also die Verkohlungsprozesse vorzugsweise die Ausscheidung von Sauerstoff und Wasserstoff bewirkt haben. Der Kohlenstoffgehalt seinerseits wurde teilweise zur Bildung von Kohlensäure und Kohlenwasserstoffgas (schlagende Wetter), wahrscheinlich auch Erdölen, in Anspruch genommen, da er sonst noch höher sein würde. Der Kohlenstoffgehalt geht je nach der Kohlenart von 74-88% (Wasserstoff 3½-2¾, Sauerstoff nebst etwas Stickstoff 20-8%).

Solche reine Kohle, bei welcher also auf den Aschengehalt nur 1-2% kommen, ist indes nicht gerade häufig; meistens geben die Kohlen weit mehr Asche und es treten dann für obige Zahlen entsprechend geringere ein. Die englischen Kohlen geben 2,6-4,9% Asche, bei den preußischen wurde als größte Menge 14,05, als kleinste 1,4 gefunden. In Sachsen haben die Pech- und Rußkohlen 8½-9½ die Schieferkohlen von 20-66% Unverbrennliches. Es ist aber die sog. Steinkohlenasche keineswegs mit einer Holzasche zu vergleichen, sondern sie besteht mehr aus Mineralsubstanzen, die sich erst während der Kohlenbildung einmischten.

Bemerkenswert ist, daß in dem Vorkommen der Kohlen in ganz verschiednen Weltgegenden die Verhältnisse überall die gleichen sind und auch die Steinkohlenflora dieselbe ist, woraus wohl gefolgert werden muß, daß zur Zeit, in der diese Flora entstand, das Klima auf der ganzen Erde ein gleiches gewesen sei. Die Kohle findet sich mit bestimmten Gesteinsarten zusammen und abwechselnd gelagert, und man hat ebendeshalb diese geologische Gruppe die Steinkohlenformation oder karbonische Formation genannt. Zwar kommen auch in andern Formationen abbauwürdige Kohlenlager vor, wie z. B. in der Grafschaft Schaumburg und im Fürstentum Bückeburg in der sog. Wealdenformation, aus welcher ganz vorzügliche Kohlen gewonnen werden; im ganzen aber sind diese außergewöhnlichen Vorkommnisse doch nur unbedeutend.

Die Begleiter der Kohle sind geschichtete oder sedimentäre, d. h. aus Wasser niedergeschlagene Gebirgsarten. Das Fundament der eigentlichen Kohlenformation bildet in einigen Gegenden, z. B. in England, ein Kalkstein (Kohlenkalk), auf welchem Schichten von Sandstein und Schieferthon abwechselnd mit Kohlenschichten lagern; in Deutschland fehlt der Kohlenkalkstein. Die Decke der Kohlenformation bildet in der Regel das Rotliegende.

Die Kohlenschichten, welche also bei Durchschnitten als Querstreifen erscheinen, nennt man Flötze; in ihrer Zahl und Mächtigkeit (Dicke) herrscht die größte Verschiedenheit; je zahlreicher sie auftreten, desto schwächer pflegen sie zu sein. Es gibt Kohlenschichten, die gleichsam nur als dünne Häutchen zwischen den Gesteinen liegen und sich in den Gruben wie dünne Fäden weithin verfolgen lassen. Um abbauwürdig zu sein, müssen die Flötze natürlich eine gewisse Mächtigkeit haben; liegt zwischen mehreren schwachen Flötzen nur wenig Zwischengestein, so können sie auch zugute gemacht werden. In den westfälischen Gruben, wo die Zahl der Flötze über einander 20-70 beträgt, sind die brauchbaren nur zwischen 6 und 12 dm dick; bei Zwickau sind 9-10 verschiedne Flötze vorhanden von 1,8-2,4 m Mächtigkeit; das tiefe Planitzer Flötz hat aber 6-7 m, das Rußkohlenflötz 9 m Mächtigkeit. An andern Orten steigt die Zahl der Flötze selbst bis über 100, so bei Mons auf 115, in einer Gegend des Saarbrücker Kohlenreviers auf 164 mit einer Gesamtmächtigkeit von 101 m, denn diese und natürlich nicht die Zahl ist die Hauptsache.

Die Schichten liegen, wo sie nicht nachgängig gestört sind, ganz horizontal und bedecken meist in gleichbleibender Stärke oft weite Strecken. In den meisten Fällen sind freilich diese ebnen Lagen durch spätere Erdrevolutionen, durch das Empordringen feurig flüssiger Massen, mehr oder weniger gestört, die Schichten verbogen und verworfen (Verwerfungen) geknickt, schräg gestellt etc., sodaß hierdurch das Ausbringen der Kohle oft bedeutend erschwert wird. Hie und da werden mit den Kohlen zugleich gute Eisenerze gefunden und dieses günstige Zusammentreffen erhöht dann natürlich den Wert beider Mineralien gar sehr.

England namentlich verdankt diesem Umstande zum großen Teil den Aufschwung seiner Eisenindustrie, und dieselbe Ursache und Wirkung findet sich wiederholt in Rheinpreußen. Die Kohlenlager von einiger Ausdehnung bilden im ganzen in der Regel flache Mulden (daher Kohlen-Becken oder -Bassin), d. h. ihre Grenzränder schlagen sich aufwärts, nach der Oberfläche zu und treten zuweilen zu Tage aus. Die Kohle kann also den Leuten älterer Zeit nicht unbekannt geblieben sein.

Griechenland und Italien freilich haben gar keine Kohlenfelder. Nach einer Notiz soll in der Lütticher Gegend der Gebrauch der Kohle zum Schmieden ums Jahr 1000 begonnen haben. Im allgemeinen wurde die Kohle als ein unsauberer Gegenstand betrachtet, an den man sich nur langsam gewöhnen mochte. Es ist dies auch ganz erklärlich, denn die oberflächlich erschürften Kohlen sind in der Regel die schlechtesten, aber