Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Sumbulwurzel; Summitates; Sunnhanf; Superphosphat

560

Sumbulwurzel - Superphosphat

Droguen- und Farbenwarenhandels, besteht aus den getrockneten und gemahlenen Blättern, Blattstielen, Blüten und dünnen Zweigen von baum- und strauchartigen Gewächsen der Pflanzenfamilie Rhus, die wegen ihres starken Gehalts an Gerbstoff als Gerbemittel und noch mehr als Farbstoff und zu Farbenbeizen eine ausgedehnte Verwendung haben. Am reichsten an Gerbstoff und darum den echten Schmack liefernd ist der Gerberbaum (Rh. coriaria), der Essigbaum unserer Anlagen, der an seinen 5-7 paarigen Fiederblättern, grünlichgelben Blütenbüschen und schön roten, aus gehäuften Früchtchen bestehenden Kolben sehr kenntlich ist.

Der Gerberbaum ist in den Ländern am Mittelmeer heimisch und wird daselbst auch angepflanzt. Die beste und hauptsächlich im Handel befindliche Sorte, ein grünlichgraues, grobes Pulver, kommt von Sizilien, das mit diesem Artikel erhebliche Geschäfte macht. Andre Sorten, wie spanische, portugiesische, französische S., haben für uns weniger Bedeutung, doch sind sie nächst dem sizilianer, montenegriner und fiumaner S. die besten Sorten. Der Preis des guten S., der etwa 20% Gerbstoff enthält, ist gewöhnlich 21 Mk. pro Ztr.

Eine geringere, nur zu Gerbereizwecken dienliche Ware, den unechten, venetianischen oder italienischen, auch tiroler S., liefert Rh. Continus, der Perrückenbaum, der auch das Fisetholz gibt, in Südeuropa bis nach Ungarn und Südösterreich wild wächst und als Zierstrauch in Anlagen bei uns nicht selten vorkommt. Die besseren Sorten S. haben stets eine grüne Farbe; dumpfig riechender, von grauer oder schwärzlicher Farbe, ist nicht viel mehr wert. -

Als Gerbmittel dient der S. oder vielmehr die Abkochung davon, nur in Anwendung auf dünne Leder wie Saffian u. dgl., welche, in den heißen Brühen durchgearbeitet, schon in 2-3 Stunden gar werden. In Zeugdruck und Färberei ist der Verbrauch des S. mannigfach; er dient dort in Verbindung mit Eisensalzen und Blauholz zum Schwarz- und Graufärben, mit Zinnsalz und Rotholz zum Rotfärben, wird gebraucht zum Nüancieren und Heben andrer Farben, namentlich brauner, olivengrüner und grauer, und hat selbst die Wirkung einer Beize, indem er die Pflanzenfaser dahin disponiert, mit Farben festere Verbindungen einzugehen.

In Nordamerika ist in jüngster Zeit eine sehr rührige Gewinnung von S. aus dort einheimischen Rhusarten in Gang gekommen, die vielleicht die Handelsverhältnisse umgestalten wird, da die dortige Ware wesentlich gerbstoffreicher als die sizilische sein soll (27%). Die Amerikaner bereiten für den Export auch einen trocknen Sumachextrakt. Die Einfuhr von S. in Deutschland war 1881: 5455800 kg. Blätter, Zweige und Extrakt, zollfrei.

Sumbulwurzel (Moschuswurzel, Radix Sumbul), eine stark nach Moschus riechende, bitter schmeckende Wurzel, soll von einer im nördlichen China und dem Amurgebiete wachsenden Doldenpflanze, Euryangium Sumbul, abstammen; die Chinesen nennen sie Zsouma-Tschentuk. Man erhält diese Wurzel in großen, oft 7-8 cm breiten und 3-5 cm dicken, mit Resten von Wurzelfasern besetzten, scheibenförmigen Stücken; ihr Inneres ist weißlichgrau und schwammig-faserig, stellenweise bräunlich gefleckt. Die Ware kommt über Petersburg in den Handel, ist aber nicht immer zu haben. Medizinisch dürfte sie wohl kaum noch verwendet werden, wohl aber in der Parfümerie. Es kommt auch eine falsche S. im Handel vor. - Zollfrei.

Summitates sind Triebe, Zweigspitzen mit Blüten oder nur Blättern zu pharmazeutischem Gebrauch, z. B. S. Absintii, Wermutspitzen, S. Sabinae, Sadebaumtriebe u. a.

Sunnhanf (Sunn, ostindischer Hanf, engl. sunn hemp, janapan) ist eine der Jute ähnliche Spinnfaser, welche von der ostindischen, zu den Hülsenfrüchtlern gehörigen Pflanze, Crotalaria juncea (binsenähnliche Klapperhülse), gewonnen, auch auf Java und Borneo kultiviert wird. Die Faser ist blaß gelblich und zeigt einen lebhaften, doch etwas schwächeren Glanz als Jute, ist etwa 500 mm lang, besitzt geringere Festigkeit als Hanf, aber größere als Jute.

Noch verschiedne andre Namen wie Madras- oder Bombayhanf, ostindischer Hanf etc. beziehen sich auf dieselbe Ware. Für unsre Industrie ist sie kaum von Bedeutung; sie findet sich aber häufig am Londoner Markt und wird in England zu Seilerwaren, Packtuch u. dgl., vielleicht auch als Material zu Papier verarbeitet. - Zollfrei. Vgl. Aloe.

Superphosphat, Mit diesem Namen belegt man im allgemeinen saure phosphorsaure (überphosphorsaure) Salze; in der technischen Sprache, in bezug auf künstliche Düngemittel, ist aber immer nur das derartige Kalksalz gemeint. Wie im Art. Knochen angegeben, bereitet man dasselbe dergestallt, daß man das Mehl von gebrannten Knochen mit einer bestimmten Quantität Schwefelsäure mischt. Diese verdrängt eine entsprechende Menge von der Phosphorsäure der Knochenmasse, um mit dem Kalk derselben Gips zu bilden, indes die verdrängte Phosphorsäure mit der übrigen Knochenmasse verbunden bleibt und sie in zweifach- oder überphosphorsauren verwandelt, der hiernach aber nicht rein, sondern mit Gips gemengt ist.

Das neue Salz ist in Wasser löslich und somit zur raschern Aufnahme durch die Pflanzenwurzeln geeigneter, als die ursprüngliche, im Boden nur sehr langsam zersetzliche Knochenmasse, welche dreibasischphosphorsauren Kalk enthält. Dieselbe Operation kann auch auf gebrauchte Knochenkohle angewandt werden, wo dann das Produkt auch schwarz bleibt. Man hat jetzt die nämliche Prozedur für den gleichen Zweck auch auf andre mineralische Substanzen ausgedehnt, um sie aufzuschließen und ihre Phosphorsäure den Pflanzen zugänglicher zu machen.

Solche Stoffe sind die phosphorsauren Kalksteine Apatit und Phosphorit, die Koprolithen (s. die Art.) und die verschiednen Sorten von Guano. Es gibt daher Superphosphate verschiedner Herkunft, aus Knochen, Baker-, Sombreroguano, Koprolithen, Phosphoriten und es werden die speziellern Bezeichnungen den Handelswaren in der Regel auch mitgegeben. Der Wert aller Superphosphate richtet sich nach der Menge der darin enthaltenen, in Wasser löslichen Phosphorsäure. - Zollfrei.