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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Radices. Wurzeln.

genau festgestellt. Man weiss nur, dass die Wurzel von 6-8 jährigen Pflanzen gesammelt wird, und zwar sowohl von wilden als von kultivirten. Die tartarischen Provinzen Chinas liefern weitaus die grösste Menge, doch auch die Bucharei und einige Theile Ostindiens produziren diese Droge. Die knollenförmige Wurzel, von sehr verschiedener Grösse, kommt stets mehr oder weniger geschält (mundirt) von den Nebenwurzeln befreit in den Handel. Je nach der Schälung unterscheidet man 1/1, ¾, ½, ¼ mundirt, doch geschieht diese Mundirung zum grössten Theil erst in Europa, beim Sortiren der naturellen Waare. Die Gestalt und Grösse der einzelnen Stücke ist, je nachdem sie ganze Wurzeln oder Theilschnitte derselben sind, sehr verschieden, kegelförmig, walzenförmig, planconvex (d. h. auf der einen Seite flach, auf der andern abgerundet) und je nach dem Grade des Mundirens mehr oder weniger eckig. Die besseren Sorten aussen lebhaft gelb, durch Bestäuben mit R.-Pulver. Konsistenz fest, markig, nicht holzig, oder faserig. Reibt man die Aussenseite ab, so zeigt sich auf der Oberfläche ein ziemlich regelmässiges, weisses Gewebe rhombischer Maschen, aus Gefässbündeln gebildet, in welchem gelbrothe Strichelchen, die Markstrahlen, sich zeigen. Auf dem Bruch zeigt sich die Grundmasse weisslich, gelb und roth marmorirt, mit eigenthümlichen, maserartigen, strahlenförmigen, dunkleren Partien, entstehend durch die innere Anlage der Nebenwurzeln. Bei den nicht ganz geschälten Stücken erkennt man deutlich die weissliche Rinde mit gelbrothen Strahlen, durch einen dunkleren Ring vom Holzkörper getrennt. Geruch und Geschmack eigenthümlich aromatisch, bitter. Der echte R. knirscht beim Kauen zwischen den Zähnen, hervorgerufen durch eingelagerte Krystalle von oxalsaurem Kalk, die den europäischen Sorten fehlen; färbt den Speichel gelb.

Von den früheren beiden Hauptsorten, der russischen und der chinesischen, ist die echte russische R. -wurzel, der sog. Kronrhabarber, fast ganz aus dem Handel verschwunden, eine Folge des Erlöschens der Lieferungsverträge der russischen Regierung mit den bucharischen Kaufleuten. Das, was heute unter dem Namen russischer R. in den Handel kommt, ist meistens ziemlich geringwerthige, bucharische Waare. Der Kronrhabarber war insofern die beste Sorte, als er in Kiachta, wo er abgeliefert wurde, einer genauen und strengen Kontrolle der Regierungsbeamten unterlag. Jedes einzelne Stück wurde durch Anbohren auf seine Güte geprüft und die schlechten vernichtet. Auf dem Bruche war

^[Abb:Fig. 79. Theil der äusseren Flächen von Rh., die rhombischen Maschen zeigend.]

^[Abb:Fig. 80. Durchschnitt von chinesischem Rhabarber.]