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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Olea äthérea, ätherische Oele.

Kampherbaumes (Camphora officinarum oder Laurus Camphora, Familie der Laurineen) gewonnen. Der Baum wächst in China, Japan, Cochinchina und verschiedenen Theilen Ostindiens, doch sind es namentlich Japan und die chinesische Insel Formosa, welche die weitaus grössten Mengen liefern. Das Kampherholz wird zerkleinert und in grossen Kesseln mit Wasser gekocht, während ein eisernes Gefäss über den Kessel gestülpt ist. An den Wandungen des Gefässes setzt sich der Rohkampher, in Form einer röthlichen oder grauen, krümeligen Masse an, noch gemengt mit dem flüssigen Theil des Kampheröles. Dieser letztere tropft beim Stehen aus der Masse ab und wird in China und Japan als besonders heilkräftiges Mittel verwandt.

Der japanische Rohkampfer kommt meist über Holland in eigenthümlichen, aus Bast und Stroh geflochtenen, sog. Tobben (im Gewicht von 50 kg) in den europäischen Handel, der chinesische Kampher dagegen in mit Bleifolie ausgelegten Kisten von 50-75 kg Inhalt, und zwar gewöhnlich über England.

In Europa wird der Kampher durch Sublimation einer Reinigung unterworfen (raffinirt). Dies geschieht unter Hinzufügung kleiner Mengen Aetzkalk im Sandbade, entweder in gläsernen Kolben oder halbkugeligen Gefässen, welche mit einem abnehmbaren, gleichfalls halbkugeligen und oben mit einer Oeffnung versehenen Deckel verschlossen sind. An diesen setzt sich der vorher dampfförmig gewordene Kampher in Krusten an, die nach dem Herausnehmen die bekannten Brode bilden.

Der raffinirte Kampher bildet weisse, fast durchsichtige, etwas zähe Massen, die sich leicht in krystallinisch eckige Stücke zerbröckeln lassen; er besitzt einen eigenthümlich durchdringenden Geruch und einen gleichen, dabei etwas bitteren und brennenden Geschmack. Sein spez. Gewicht beträgt 0,990-0,995; er schmilzt bei 175 ° und siedet bei 204 ° unter Bildung dichter, weisser Dämpfe, verflüchtigt sich aber schon bei gewöhnlicher Temperatur ziemlich stark. Im Wasser ist der Kampher sehr wenig löslich (1:1000), leicht dagegen in Alkohol, Aether, Chloroform, fetten und ätherischen Oelen, sowie in Essigsäure und den Mineralsäuren; angezündet brennt er mit leuchtender, stark russender Flamme. Kleine Stückchen Kampher, auf Wasser geworfen, gerathen in kreisende Bewegung, die aber nicht eintritt, sobald das Wasser oder der Kampher Spuren von Fett enthält. Eine Prüfung des Kamphers ist kaum erforderlich; es genügt, seine völlige Flüchtigkeit zu konstatiren.

Anwendung. Der Kampher wird innerlich in kleinen Gaben als krampflinderndes und die Nerventhätigkeit, namentlich die der Geschlechtsorgane, beruhigendes Mittel angewandt; in grösseren Gaben ist seine Wirkung erregend, Dosen von 3-4 g sollen Vergiftungserscheinungen, selbst den Tod hervorrufen können. Aeusserlich gilt er als ein vorzüglich vertheilendes und schmerzlinderndes Mittel bei Verrenkungen, rheumatischen Leiden etc. Technisch findet der Kampher als mottenwidriges Mittel, hier