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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Organische Chemie

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Abriss der allgemeinen Chemie.

platinchlorid (Platinsalmiak), welche in Wasser schwer, in Alkohol unlöslich sind.

Von den Begleitern des Platins liefert das Osmium das Ueberosmiumsäureanhydrid OsO4^[OsO_{4}] (s. Acid. hyperosmicum).

Organische Chemie.

Zu den organischen Verbindungen rechnete man früher nur solche, welche durch den Lebensprozess im thierischen und pflanzlichen Körper gebildet werden, z. B. Stärke, Fette und Oele, Eiweissstoffe, Pflanzensäuren, wie Weinsäure, Citronensäure, Essigsäure, Benzoesäure, ferner Harnstoff, Pflanzengifte etc. Man glaubte, es sei nicht möglich, derartige Stoffe aus den Elementen oder aus unorganischen Substanzen künstlich herzustellen. Diese Meinung wurde aufgegeben, als im Jahre 1828 Wöhler die Darstellung (Synthese) des Harnstoffs aus elementaren Bestandtheilen gelang und seitdem eine ganze Reihe anderer Stoffe des Thier- und Pflanzenreichs künstlich bereitet wurde. Obschon nun damit die Grenze zwischen anorganischen und organischen Verbindungen verwischt wurde, hat man trotzdem die alte Eintheilung beibehalten, weil die organischen Verbindungen insofern thatsächlich eine geschlossene Körpergruppe bilden, als sie sämmtlich Verbindungen des Kohlenstoffs sind, und weil ihre Zahl eine so ungemein grosse ist, dass die gesonderte Abhandlung derselben zweckmäßig erscheint. Auch ist die Zusammensetzung sehr vieler organischer Verbindungen eine komplizirtere als die der anorganischen, so dass das Verständniss derselben sicherlich erleichtert wird, wenn dem Studium derselben das der übrigen Elemente vorhergeht.

Die organischen Verbindungen enthalten ausser Kohlenstoff als dem wesentlichen Bestandtheile meist noch Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel, Phosphor, ja es kann schliesslich noch jedes andere Element in Kohlenstoffverbindungen vorkommen oder in dieselben eingefügt werden.

Das Vorhandensein des Kohlenstoffs wird daran erkannt, dass der zu untersuchende Körper bei seiner Verbrennung Kohlensäure liefert; in gleicher Weise wird aus dem Auftreten von Wasser bei der Verbrennung auf das Vorhandensein von Wasserstoff geschlossen. Der Stickstoff wird in Ammoniak übergeführt oder als Element frei gemacht etc. Werden diese Produkte mit Hilfe geeigneter Apparate gesammelt, so kann zugleich die prozentische Zusammensetzung, aber noch nicht die Formel der Körper ermittelt werden. Es giebt nämlich viele Verbindungen, welche ganz die gleiche prozentische Zusammensetzung besitzen und doch sonst ganz verschiedene Eigenschaften zeigen, z. B. Milchsäure C3H6O3^[C_{6}H_{6}O_{3}] und Traubenzucker C6H12O6^[C_{12}H_{12}O_{6}], oder Acetylen C2H2^[C_{2}H_{2}] und Benzol C6H6^[C_{6}H_{6}], Wie es trotzdem möglich gewesen ist, den Charakter solcher Verbindungen in Formeln auszudrücken, kann hier nicht weiter erörtert werden.