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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien unorganischen Ursprungs.

als metallglänzender Arsenspiegel wiederum ansetzt. (Identitätsnachweis.) Sie ist nur wenig in Alkohol und fast gar nicht in Aether und Chloroform, leicht dagegen in Salzsäure und Laugen löslich.

Die arsenige Säure wird meistens als Neben-, seltener als Hauptprodukt bei der Verhüttung arsenhaltiger Erze gewonnen. Der Harz und das Erzgebirge, namentlich Freiberg, liefern die grössten Mengen. Die Erze werden unter stetem Zutritt der Luft geröstet und die entweichenden Dämpfe durch ein langes Röhrensystem geleitet, in welches grössere Kammern eingeschaltet sind. In diesen Röhren und Kammern verdichtet sich die Säure theils pulverförmig, theils glasig.

Anwendung. Medizinisch in höchst kleinen Gaben (1-5 Milligramm) innerlich gegen Flechten, Gicht, Magenleiden etc., äusserlich als Aetzmittel gegen Krebs; in der Veterinärpraxis als Waschmittel bei Schafen und anderem Vieh gegen Läuse und Hautausschlag; technisch vor Allem zur Vertilgung der schädlichen Thiere (Ratten, Mäuse, Füchse, Hamster etc. ) und zur Darstellung von Arsenfarben (Schweinfurter, Neuwieder, Altonaer Grün etc. ). In ganz kleinen Gaben wirkt die arsenige Säure anregend auf die Herzthätigkeit und verlangsamend auf die Verdauung. Sie bewirkt auch eine stärkere Fettablagerung im menschlichen und thierischen Organismus. Auf dieser Eigenschaft beruht das in Steiermark vielfach gebräuchliche Arsenessen; es soll beim Bergsteigen das Athmen erleichtern und zum Ertragen grösserer Strapazen fähig machen; ferner soll sie dem Körper ein frischeres und kräftigeres Ansehen verleihen. Die Arsenikesser steigern die Dosis immer mehr und sollen zuweilen Gaben zu sich nehmen, welche ohne diese Gewöhnung sofort tödtlich sein würden. Pferdehändler geben den zu verkaufenden Pferden oft wochenlang Gaben von 1-2 Decigramm arseniger Säure, um ihnen ein runderes und blankeres Aussehen zu verleihen. Die in Frankreich angepriesenen Grains de beauté sind arsenhaltige Pillen.

Arsen ist eins der stärksten Gifte, die wir kennen, da schon 1 bis 2 Decigramm unter Umständen tödtlich wirken können; es ist daher beim Arbeiten mit demselben die allergrösste Vorsicht nothwendig. Sind grössere Mengen abzuwägen, so sollte der betreffende Arbeiter nie versäumen, Mund und Nase mit einem feuchten Flortuch zu verbinden. Auch müssen eigene Waagen und Löffel dafür vorhanden sein. Selbstverständlich darf es überhaupt nur den speziellen Landesverordnungen entsprechend verkauft und aufbewahrt werden.

Als Gegengift bei Arsenvergiftungen gilt zuerst jedes beliebige Brechmittel, dann vor Allem das in jeder Apotheke vorräthige Antidotum arsenici (Eisenoxyduloxyd mit Magnesia in feuchtem Zustände), ferner gebrannte Magnesia, Kalkwasser und kleine Dosen Opium.

Beim Transport auf Eisenbahnen muss die arsenige Säure, so wie alle andern Arsenpräparate, in doppelten Fässern, von welchen das Innere