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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien unorganischen Ursprungs.

überall in jedem humusreichen Boden, in besonders starkem Maße in tropischen Gegenden, so auf Ceylon, an den Ufern des Ganges, in Bolivien, aber auch in den Theissniederungen in Ungarn. Hier ist der Boden derartig mit Salpeter getränkt, dass er in der trockenen Jahreszeit sich in weissen Massen an der Oberfläche absondert (Blühen des Bodens) und zur Gewinnung zusammengefegt werden kann. Hierdurch und durch das Auslaugen des Bodens werden in jenen Gegenden grosse Quantitäten von Salpeter gewonnen. Neben dem Kaliumnitrat finden sich in derartigem Boden übrigens immer auch noch Calcium- und Magnesiumnitrate, welche in den Laugen durch Zusatz von Kaliumcarbonat (gewöhnlich nimmt man einfach Holzaschenlauge) zu Kaliumnitrat umgesetzt werden. Der zuerst erhaltene rohe Salpeter ist noch sehr unrein und muss erst durch wiederholtes Umkrystallisiren, sog. Raffiniren gereinigt werden. Die grossen Krystalle des Salpeters schliessen erfahrungsmäßig eine ziemlich bedeutende Menge Mutterlauge ein, daher stellt man jetzt vielfach durch gestörte Krystallisation, d. h. fortwährendes Rühren während des Erkaltens der heissgesättigten Lösung, Krystallmehl dar, welches durch Centrifugiren von der anhängenden Mutterlauge befreit wird. In früheren Zeiten wurde in den meisten Ländern Europas, in sog. Salpeterplantagen, auf künstlichem Wege Salpeter hergestellt, indem man die oben angedeuteten Bedingungen, wie sie in jenen Gegenden die Natur bietet, nachahmte. Man mengte verwesende Körper, wie Dung, Jauche, Blut, Fleischabfälle mit Erde und gelöschtem Kalk zusammen, formte mauerartige Haufen daraus, die man öfter mit Jauche begoss und monatelang sich selbst überliess. Das aus den faulenden, stickstoffhaltigen Substanzen entstehende Ammoniak wurde hier durch die Gegenwart des Kalks prädisponirt, sich mit dem Sauerstoff der Luft in Salpetersäure umzuwandeln, die sich dann mit dem Kalk zu Calciumnitrat verband. Dies letztere wurde nach dem Auslaugen durch Holzasche in Kaliumnitrat umgesetzt. Derartiges Calciumnitrat ist auch der sog. Mauersalpeter, wie er in Ställen und feuchten Kellern sich vielfach bildet. Die Salpeterplantagen hat man fast überall aufgegeben, seitdem man lernte, den Natronsalpeter (Chili- oder Perusalpeter) mittelst Kaliumcarbonats oder wie dies jetzt, nach Entdeckung der Stassfurter Kalisalzlager, fast allgemein geschieht, durch Chlorkalium in Kalisalpeter umzusetzen. Bringt man nämlich Lösungen von Natriumnitrat mit Chlorkalium zusammen, so entsteht Chlornatrium und Kaliumnitrat, die sich leicht durch Krystallisation von einander trennen lassen. Auf diese Weise ist Deutschland jetzt von England, welches früher durch seinen ostindischen Salpeter den Markt beherrschte, vollkommen unabhängig geworden.

Anwendung. Medizinisch in kleinen Gaben (grosse Dosen wirken schädlich, 10-20 Gramm auf einmal sogar tödtlich) innerlich als fieber- und entzündungswidriges und harntreibendes Mittel. Technisch zu Kältemischungen; als Zusatz beim Pökeln des Fleisches; in der Pyrotechnik; vor Allem zur Bereitung des Schiesspulvers, bei welchem er nicht durch