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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien unorganischen Ursprungs.

Soll kalzinirte Soda hergestellt werden, so wird die Lauge entweder unter fortwährendem Rühren bis zur Trockne eingedampft (das hierbei erhaltene Produkt ist natürlich sehr unrein, da es die sämmtlichen Unreinigkeiten der Mutterlauge mit enthält), oder man verfährt in der Weise, dass die Lauge, welche aus den Sammelbassins fortwährend in die Kessel nachfliesst, nur so weit abgedampft wird, bis ein Krystallmehl, welches die Formel Na2CO3^[Na_{2}CO_{3}] + H2O^[H_{2}O] besitzt, ausfällt. Dieses wird von Zeit zu Zeit mit Schöpflöffeln herausgenommen und durch Abtropfenlassen und Centrifugiren von der Mutterlauge befreit. Dem auf diese Weise gewonnenen sog. Sodamehl wird das letzte Molekül Krystallwasser durch schwaches Glühen entzogen; das jetzt erhaltene Produkt heisst "kalzinirte Soda". Die in den Auslaugegefässen verbleibenden Rückstände von Calciumsulfuret und unzersetztem Calciumcarbonat etc. bildeten früher für die Sodafabriken eine der grössten Schwierigkeiten, weil sie sich nicht verwerthen und beseitigen liessen. Seit längerer Zeit aber hat man gelernt, den darin enthaltenen Schwefel wieder zu gewinnen (s. Artikel Schwefel) und so sind auch diese Rückstände zu einer neuen Einnahmequelle geworden.

Seit etwa zwei Decennien beginnt eine neue Methode, die man nach ihrem hauptsächlichen Erfinder und Verbesserer gewöhnlich das Solway'sche oder das Ammoniakverfahren nennt, dem alten Leblanc'schen Verfahren den Rang streitig zu machen, und es scheint fast, dass ihm, wegen seiner Einfachheit, die Zukunft gehört. Sie beruht auf der Erfahrung, dass, wenn man konzentrirte Lösungen von Kochsalz mit Ammonbicarbonat zusammenbringt, eine Umsetzung stattfindet; es entsteht leicht lösliches Chlorammonium und schwer lösliches Natriumbicarbonat scheidet sich als Krystallmehl aus. Nach der von Solway verbesserten Methode verfährt man folgendermaßen: zuerst wird eine konzentrirte Chlornatriumlösung hergestellt, diese wird in hohen, eisernen Cylindern mit Ammoniakgas, welches man aus einer Mischung aus Chlorammon und Aetzkalk herstellt, gesättigt. Bei dieser Sättigung erwärmt sich das Gemenge und das spez. Gewicht wird durch das aufgenommene Ammoniak bedeutend verringert. Die Lösung wird gekühlt und im sog. Absorber, welcher ähnlich einem Mineralwassersättigungsapparat mit Rührwellen versehen ist, mit Kohlensäure imprägnirt. Die Kohlensäure wird gewöhnlich durch Brennen von Kalkstein hergestellt und der dabei restirende Aetzkalk zur Ammoniakbereitung verwandt. Im Absorber entsteht nun Ammoniumbicarbonat, welches sich mit dem Chlornatrium umsetzt, und Natriumbicarbonat scheidet sich als Krystallmehl, zum Theil auch in krystallinischen Krusten aus. Nach vollständiger Sättigung wird der Absorber geleert, das ausgeschiedene Bicarbonat gesammelt, mit ganz wenig Wasser gewaschen und dann dem Bicarbonat durch schwaches Erhitzen das 1. Mol. Kohlensäure entzogen. Die hierbei entstehende kalzinirte Soda ist weit reiner als die nach dem Leblanc'schen Verfahren gewonnene; während dort 90 grädige