Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

504

Chemikalien unorganischen Ursprungs.

pulver (krystallisirter S.) von stark salzigem Geschmack; löslich in 3 Th. kaltem und gleichen Th. heissem Wasser, fast unlöslich in Weingeist. In der Hitze ist er flüchtig, ohne vorher zu schmelzen.

Das Salz kam in früheren Jahrhunderten ausschliesslich aus Aegypten, wo es durch Verbrennung des Kameelmistes hergestellt wurde. Von der Stadt Ammon, wo die Fabrikation betrieben wurde, wird der Name "Sal ammoniacum" abgeleitet. Heute wird dasselbe nur aus den Gaswässern hergestellt, indem man diese entweder direkt mit Salzsäure sättigt und den. so entstandenen Salmiak durch Umkrystallisiren reinigt, oder indem man, wie im vorigen Artikel beschrieben, das Ammongas aus den Gaswässern durch Wasserdämpfe austreibt und, statt in reines Wasser, in Salzsäure leitet. Der sublimirte Salmiak wird vielfach durch Erhitzen einer Mischung von Chlornatrium mit Ammonsulfat hergestellt. Man wählt diesen Weg, weil das Ammonsulfat (schwefelsaures Ammoniumoxyd) leichter zu reinigen ist als das Chlorammonium. Das sublimirte Salz ist stets viel reiner als das krystallisirte, welches namentlich oft bedeutende Mengen von Eisen enthält.

Die Sublimation geschieht aus gusseisernen Kesseln, in welche der Salmiak resp. die oben angegebene Mischung eingestampft und durch mäßiges Erhitzen von allem Wasser befreit wird. Fig. 197. Auf den flachen Rand des Kessels wird alsdann eine konvexe, gleichfalls gusseiserne Schaale gestülpt, welche in der Mitte eine mäßig grosse, mit einer Eisenstange verschliessbare Oeffnung hat. An diese obere, durch einen Luftstrom gekühlte Schaale setzt sich der im unteren Kessel verflüchtigte Salmiak in Krusten an. Die Eisenstange, welche die Oeffnung verschliesst, wird von Zeit zu Zeit gelüftet, um den Gang der Sublimation zu beobachten oder nicht verdichtete Dämpfe abzulassen.

Anwendung. Medizinisch als schleimlösendes Mittel, sowohl innerlich (bis zu 1 g), wie auch in Form von Inhalationen. Technisch in der Färberei; zum Löthen und Verzinnen kupferner Gefässe, denn der Salmiak löst die Metalloxyde auf und stellt eine reine, metallische Oberfläche her; ferner zu sog. Kältemischungen, da beim Lösen des Salzes in Wasser eine starke Kälte entsteht, und endlich zu elektrischen Batterien etc. etc.

^[Abb:Fig. 197. Salmiaksublimation.]