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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien organischen Ursprungs.

drängt und von seinem Gewichte eben so viel verliert als die verdrängte Wassermenge wiegt. Je nachdem nun die das Aräometer bildende Spindel mehr oder weniger in die Flüssigkeit einsinkt, erfährt man das spez. Gew. derselben, aus welchem man dann den Gehalt an absolutem Alkohol berechnen kann. Die Alkoholometer von Tralles und Richter sind die gebräuchlichsten. Beide sind Prozentalkoholometer, d. h. sie geben durch die Zahl, bis zu welcher sie einsinken, an, wie viel Prozent an absolutem Alkohol in je 100 Th. enthalten sind. Sie unterscheiden sich aber dadurch, dass Tralles nach Volumenprozenten, Richter nach Gewichtsprozenten rechnet. Das Alkoholometer von Tralles war früher im Deutschen Reiche das gesetzliche Mittel für die Bestimmung des Alkoholgehaltes.

Nach Einführung der neuen Spiritussteuer ist das Gewichts-Alkoholometer gesetzlich geworden. Die Ph. Z. No. 54. 1888 sagt hierüber Folgendes:

Die durch die neuen alkoholischen Aichungsvorschriften eingeführten Thermo-Alkoholometer unterscheiden sich von den zur Zeit im Gebrauch befindlichen vornehmlich darin, dass ihre alkoholometrische Skale nach Gewichtsprozenten, ihre thermometrische nach der hunderttheiligen, sogenannten Celsius'schen Skale fortschreitet und dass als Normaltemperatur +15° dieser Skale gilt. Während also die bisherigen Alkoholometer angeben, wie viel Liter reinen Alkohols sich in 100 l Spiritus befinden, wenn die Temperatur desselben +12 4/9° R. beträgt, zeigen die neuen Instrumente für eine Temperatur von +15° C. an, wie viel Kilogramm reinen Alkohols in 100 kg Spiritus enthalten sind.

Mit dieser Einführung des Gewichtsalkoholometers ist ein schon seit langer Zeit ersehnter Fortschritt in der deutschen Alkoholometrie vollzogen. Ermittelungen mit Hülfe des Gewichtsalkoholometers beruhen auf einfacheren Voraussetzungen insofern, als Temperaturveränderungen wohl das Volumen, nicht aber das Gewicht des Spiritus beeinflussen, und deshalb die Rechnung nach Volumenprozenten verwickelter ist, als die nach Gewichtsprozenten. Das Gewichtsalkoholometer giebt einen einfacheren Verlauf der Prozentlängen und bietet damit nicht nur der Aichtechnik, sondern auch der Fabrikation manche Erleichterungen dar. Auch dem Spiritushandel, insbesondere dem Spiritusverkehr mit dem Auslande, wird seine Einführung zu Statten kommen; zur Zeit ist das Gewichtsalkoholometer das einzige alkoholometrische Instrument, welches auf allgemeinere Anerkennung im internationalen Verkehr Aussichten hat, wie es denn bereits jetzt auch im Ausland zum Theil eingeführt ist. Dass die Gelegenheit der Umwandlung der alkoholometrischen Skale benutzt wurde, um den Uebergang vom achtzigtheiligen zum hunderttheiligen Thermometer zu vollziehen, bedarf wegen der allgemeinen Verbreitung des letzteren in Wissenschaft und Technik keiner besonderen Rechtfertigung.