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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Amylalkohol; Arrac; Fuselöl; Spiritus orýzae

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Chemikalien organischen Ursprungs.

Spiritus orýzae.

Arrac, Rack.

Der Arrac wird in Ostindien aus Reis unter Zusatz verschiedener anderer Stoffe, namentlich Palmsaft und Rohrzucker, bereitet. Er ist völlig farblos, von höchst angenehmem, in den einzelnen Sorten aber ziemlich verschiedenen Geruch. Sein Alkoholgehalt schwankt zwischen 45-60 %. Reiner Arrac ist absolut fuselfrei; überhaupt ist sein Arom so eigenthümlich feiner Natur, dass die künstliche Nachahmung desselben kaum möglich ist; sog. Faconarrac ist daher leicht am Geruch zu erkennen. Die geschätztesten Sorten sind Goa- und Batavia-Arrac.

Der "Toddy" der Engländer soll eigentlich nur aus Palmenzucker, namentlich aus dem Blüthenschaft der Palme vergohren werden; doch wird meistens Arrac dafür substituirt.

Von anderen Spiritus- resp. Branntweinarten, die aber meist nur lokale Bedeutung haben, nennen wir Pflaumenbranntwein (Slibowicz), Kirschbranntwein, Entian (durch Vergähren der Entianwurzel erhalten), Wachholderbranntwein oder Genéver etc. etc.

Die Verarbeitung des Spiritus zu Likören, Bittern, Punschextrakten etc. bietet für manchen Drogisten, namentlich in kleineren Orten, ein recht lohnendes Nebengeschäft. Wer sich hierüber weiter unterrichten will, dem stehen viele Bücher zu Gebote, welche diese Branche behandeln. Wir nennen hier z. B. Buchheisters Drogisten-Praxis II, "Schedels Destillirkunst", neu bearbeitet von Dr. Graeger, Weimar bei B. Fr. Voigt, oder "Praktisches Recept-Taschenbuch für Destillation" von Eduard Schubert, Braunschweig bei Vieweg.

Amylalkohol, Amyloxydhydrat.

Fuselöl.

C5H12O^[C_{5}H_{12}O].

Klare, farblose, stark lichtbrechende Flüssigkeit von unangenehmem, zum Husten reizenden Geruch und scharfem, brennendem Geschmack. Sie ist in ca. 40 Th. Wasser löslich, mischbar in jedem Verhältniss mit Alkohol, Benzin, fetten und äth. Oelen. Der Siedepunkt liegt bei 132°; spez. Gew. 0,818; es ist mit leuchtender Flamme brennbar. Das Fuselöl wird aus den Rückständen der Spiritusrektifikation durch fraktionirte Destillation gewonnen, indem man das bei 130-132° übergehende Destillat besonders auffängt. Die Rückstände in der Destillirblase bestehen grösstentheils aus Amylestern, aus welchen der Amylalkohol durch Zersetzung mit Natronlauge ebenfalls abgeschieden werden kann.

Der Amylalkohol findet hauptsächlich Verwendung zur Darstellung verschiedener wohlriechender Ester, die namentlich zu Fruchtäthern benutzt werden. Neuerdings gebraucht man ihn auch vielfach gegen pflanzliche Parasiten, doch muss er hierbei in ziemlicher Verdünnung, am besten mit Seifenwasser gemischt, angewandt werden, weil er andernfalls den damit besprengten Pflanzen schadet. Auch für den menschlichen Organismus ist,