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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Glykose; Kohlehydrate; Stärkezucker; Traubenzucker

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Chemikalien organischen Ursprungs.

wendung ist eine sehr verschiedene, je nach der Art der Zusätze und der Bestandtheile überhaupt. Ausser zu Klebzwecken dienen sie als heilende, erweichende oder hautreizende, selbst blasenziehende Mittel.

Kohlehydrate.

Stärkezucker.

Traubenzucker.

C6H12O6^[C_{6}H_{12}O_{6}].

Glykose oder Glukose, Dextrose, Krümelzucker, Fruchtzucker.

Findet sich in der Natur als Bestandtheil der süssen Früchte, des Honigs etc.; lässt sich künstlich durch die Einwirkung verdünnter Mineralsäure und des Malzaufgusses (Diastase) auf Stärkemehl oder Cellulose bei erhöhter Temperatur herstellen. Er unterscheidet sich vom gewöhnlichen Zucker chemisch durch ein Plus von H2O und dadurch, dass er direkt gährungsfähig ist. Er findet in der Technik grosse Verwendung zum Gallisiren des Weines, wenn die Trauben zu zuckerarm sind, ferner zum Versüssen von Spirituosen und hier und da als Malzsurrogat.

Seine Darstellung geschieht jetzt allgemein aus Kartoffelstärke, indem man diese mit Wasser und einem Zusatz von 2% Schwefelsäure, am besten unter Dampfdruck (bis 6 Atmosphären) so lange erhitzt, bis die Flüssigkeit vollkommen klar geworden und eine Probe mittelst Jodwasser die gänzliche Ueberführung in Zucker anzeigt. Die Säure wird nun mittelst kohlensaurem Kalke abgestumpft, der gebildete schwefelsaure Kalk durch Absetzenlassen entfernt, die Flüssigkeit durch Thierkohle entfärbt und nun über freiem Feuer oder im Vakuum bis zur Sirupkonsistenz oder soweit eingedampft, dass dieselbe beim Erkalten zu einer festen Masse erstarrt. In diesem Falle giesst man sie direkt in die etwa 50 kg haltenden länglichen Versandkisten und lässt sie hierin erkalten. Der Zucker bildet in diesem Zustande eine feste, dichte, gelblich weisse, etwas feuchte Masse, von muschligem Bruch und schwachsüssem Geschmack. Der Stärkesirup ist mehr oder weniger gelb gefärbt, selten ganz farblos und kommt in Fässern von 4-500 kg in den Handel.

Aus ganz konzentrirten, wässerigen Lösungen krystallisirt der Stärkezucker in kleinen, blumenkohlartig angeordneten Krystallmassen, aus alkoholischer Lösung dagegen in klaren, tafelförmigen Krystallen.

Von der Zuckerfabrik Maingau in Hattersheim wird nach einem patentirten Verfahren mittelst Kohlensäure Raffinade in chemisch reinen Traubenzucker umgewandelt, der als fast farbloser, sehr dicker Sirup (1 Liter soll 1 kg Raffinade in der Wirkung entsprechen) in den Handel kommt. Derselbe ist sehr süss und soll das Arom der Früchte etc. weit reiner hervortreten lassen als die beste Raffinade, krystallisirt auch niemals aus, empfiehlt sich daher sehr für die Zwecke der Likör- und Fruchtsaftbereitung.

Des besseren Zusammenhanges wegen fügen wir bei Besprechung der Zuckerarten die beiden Drogen "Honig" und "Manna" ein.