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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Leichtspath

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B. Farben für Malerei und Druckerei.

steinen eingeschlossen, daneben mehr oder minder grosse Mengen von Thonerde, Sand etc. Von den gröberen Steinen wird sie nach dem Zerstampfen durch Auslesen befreit, dann auf Mahlgängen oder Walzwerken möglichst fein gemahlen und endlich durch sorgfältiges Schlämmen von Sand und anderen harten Beimengungen befreit. Nach dem Absetzenlassen wird das Wasser abgezogen und die getrocknete Masse nochmals gemahlen. Eine derartig präparirte Kreide heisst Schlämmkreide. Soll Stückenkreide, auch Patent- oder Schreibkreide genannt, bereitet werden (nur die feinsten und weissesten Sorten werden hierzu verwandt), so wird der schon etwas abgetrocknete Brei in Holzformen gestrichen, deren Wände durchlöchert und innen mit Zeug ausgelegt sind, um das Wasser abtropfen zu lassen. Nach dem Abtropfen werden die Stücke herausgenommen und entweder ohne Weiteres vollständig ausgetrocknet oder einer starken Pressung unterworfen. Letzteres geschieht namentlich, wenn Kreidestifte, Billardkreide oder Aehnliches daraus hergestellt werden soll.

Als beste Sorten für die Bereitung der Stückenkreide gelten namentlich die dänische Kreide und die aus der Champagne. Für Schlämmkreiden gelten als die besten vor Allem schwedische, ferner Rügener und holländische, während z. B. die holsteinischen Kreiden meist sehr sandhaltig und selten gut von Farbe sind.

Eine gute Schlämmkreide muss zwischen den Fingern mit Wasser gerieben vollkommen unfühlbar, weich und frei von allen sandigen Körpern sein; ferner soll sie eine möglichst rein weisse Farbe haben. In Wirklichkeit ist diese weisse Farbe, wovon man sich durch einen Vergleich mit Zinkweiss oder Bleiweiss überzeugen kann, niemals völlig rein, sondern hat immer einen Stich ins Gelbliche, zuweilen auch ins Graue. Viele Fabrikanten, welche feine Sorten liefern, suchen diesem Uebelstände dadurch abzuhelfen, dass sie beim Vermahlen eine Spur von Blau hinzufügen; namentlich die Franzosen sollen dieses "Schönen", was ja auch der Maler bei der Verwendung der Kreide thut, vielfach anwenden. Dass durch einen Zusatz von Blau die Farbe weisser erscheint, beruht darauf, dass Blau mit Gelb, wie der physikalische Ausdruck lautet, "komplementär" ist, d. h. dass die eine Farbe die andere gewissermaßen aufhebt. Selbstverständlich kann die Menge des zuzusetzenden Blaus nur durch Versuche festgestellt werden.

Auch die Kreide kommt mehrfach unter anderen Namen in den Handel, z. B. Wiener Weiss, Pariser Weiss, Marmorweiss. Auch wird der Name Kreide auf andere Stoffe übertragen, welche mit dieser nur die weisse Farbe gemeinsam haben, z. B. spanische Kreide, Brianconer Kreide, Schneiderkreide. Es sind dies grösstentheils entweder Talk- oder Thonarten.

Leichtspath (fälschlich Lenzin).

Unter diesem Namen kommt meist fein gemahlener Kalkspath (Calciumcarbonat) oder gemahlener weisser Gyps (Calciumsulfat, natürlich