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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Säurefestes Ultramarin; Soda-Ultramarin

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B. Farben für Malerei und Druckerei.

wird, sondern vor Allem als Kalkfarbe, da es durch den Kalk gar nicht verändert wird.

Um das Ultramaringrün in Ultramarinblau zu verwandeln, blau zu brennen, wie der technische Ausdruck lautet, wird es mit Schwefelpulver gemengt und unter fortwährendem Rühren und schwachem Luftzutritt nochmals erhitzt, bis aller Schwefel verbrannt ist. Nach dem Erkalten wird die blaue Masse gemahlen, anhaltend gewaschen und getrocknet. Gewöhnlich wird das Pulver nochmals gemahlen, dann gesiebt und bei den billigen Sorten gestreckt, d. h. mit Gyps, Lenzin, Kreide oder ähnlichen Stoffen gemengt.

Soda-Ultramarin. Die Darstellung, welche namentlich in Frankreich, Belgien und auch in einigen deutschen Fabriken gebräuchlich ist, besteht darin, dass man die auf gleiche Weise wie bei der ersten Methode bereitete Porzellanerde mit kalzinirter Soda und Schwefelpulver in bestimmten Verhältnissen mengt und wie oben glüht. Hierbei resultirt sofort ein blaues Ultramarin, welches dann durch Mahlen, Waschen und Schlämmen in ein feines Pulver verwandelt wird. Vielfach vereinigt man die erste und zweite Methode mit einander, mischt die Porzellanerde nicht nur mit Glaubersalz und Kohle, sondern zu gleicher Zeit auch mit Soda und Schwefel. Ebenso mengt man auch das beim Auslaugen des Ultramarins gewonnene Schwefelnatrium zu den übrigen Bestandtheilen.

Säurefestes Ultramarin. Wird hergestellt, indem man einer der oben genannten Mischungen noch 5-10% des Gewichtes der angewandten Porzellanerde an Kieselsäure zumischt und das Ganze glüht. Der Ausdruck "säurefest" passt übrigens durchaus nicht, da auch dieses Ultramarin der Einwirkung von Säuren nicht widersteht. Nur gegen Alaun ist es widerstandsfähig geworden, eine Eigenschaft, die für manche Verwendungen sehr wichtig ist.

Es sind dies die rohen Umrisse der Fabrikation, wie sie heute im Allgemeinen gebräuchlich ist. Doch hat so ziemlich jede Fabrik ihre besonderen Kunstgriffe und kleinen Abänderungen, welche auf das Sorgfältigste geheim gehalten werden. Ultramarin stellt ein sehr zartes, je nach seiner Reinheit ein tiefblaues, zuweilen einen Stich ins Violette besitzendes Pulver dar. Vollkommen unlöslich in Wasser, darf es an dieses nichts abgeben. Alkalien verändern es nicht, dagegen wird es durch Säuren gänzlich zersetzt. Verdünnte Salzsäure entwickelt wie andere Säuren Schwefelwasserstoff und scheidet zu gleicher Zeit Schwefel aus demselben ab. Letzteres ist ein Beweis, dass das Natrium in höheren Schwefelungsstufen mit diesem verbunden ist, da einfach Schwefelnatrium nur Schwefelwasserstoff entwickeln würde. Ultramarin ist nach dem eben Gesagten eine ganz vorzügliche Wasserfarbe von grosser Beständigkeit, da sie sogar auf frischem Kalk vollständig steht. Mit Oel giebt sie eine herrliche tiefblaue Lasurfarbe von allerdings beschränkter Haltbarkeit; die im Oel sich bildende Säure verändert die Farbe mit der Zeit ein wenig.