Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

747

Geschäftliche Praxis.

meiden, ein Trichter zu benutzen. Die Lagerung hat streng nach den polizeilichen Vorschriften zu geschehen, und bei der Abgabe sind die Gefässe mit dem Vermerk "feuergefährlich" zu versehen.

Säuren und Laugen müssen mit grösster Vorsicht und nur unter Benutzung eines Trichters abgefüllt werden. Das Gesicht ist möglichst vor umherspritzenden Tropfen zu hüten. Für das Abfüllen von Ballons sind die sog. Ballonkipper oder praktische Säureheber (s. Heber) zu empfehlen.

Falls Hände oder Kleidungsstücke mit Säuren oder Laugen übergossen oder bespritzt sind, spült man sie zuerst rasch mit sehr reichlichem Wasser ab und wäscht dann bei Säuren mit Wasser, in welchem ein wenig Natriumcarbonat oder Salmiakgeist gelöst oder in welchem Kreide oder Magnesia suspendirt ist, nach; bei Laugen dagegen mit Essig oder einer anderen ganz verdünnten Säure. Sind wirkliche Brandwunden entstanden, so bestreicht man die Stellen schliesslich mit Lanolincream.

Besondere Vorsicht ist nöthig, wenn verschüttetes Oel, Firniss, Siccativ u. a. m. mit Sägespähnen aufgenommen werden; nach dem Aufsaugen sind die Sägespähne zu verbrennen oder anderweitig unschädlich zu machen, da derartig durchtränkte Sägespähne der Gefahr der Selbstentzündung ausgesetzt sind.

Vielfach empfiehlt es sich, bei den Vorraths- und zuweilen auch bei den Verkaufsgefäßen statt Glas- oder Korkstöpsel solche von Kautschuk anzuwenden; sie sind überall dort zu benutzen, wo Glasstöpsel durch den Inhalt der Flaschen (z. B. bei Laugen) angegriffen werden und in Folge dessen festhaften; oder wo Korkstöpsel, wie bei starken Mineralsäuren, zerfressen und zerstört werden.

Die Stöpsel von Säureversandflaschen werden am besten zuerst mit geschmolzenem Pech vergossen, dann mit Kitt oder Gyps oder Lehm umhüllt und, so lange die letzteren Stoffe noch weich sind, mit Sackleinen verbunden.

Um festsitzende Glasstöpsel zu lösen, versucht man zuerst durch mäßiges Klopfen mit Holz eine Lockerung zu erreichen; gelingt dieses nicht, so taucht man den Hals der Flasche in möglichst heisses Wasser und wiederholt das Klopfen nach einiger Zeit abermals. Führt auch dieses noch nicht zum Ziel, so legt man einen starken Bindfaden schlingenartig um den Hals der Flasche und versucht nun durch rasches Drehen der Schlinge, indem abwechselnd erst das eine und dann das andere Ende des Bindfadens angezogen wird, den äusseren Hals der Flasche zu erhitzen. Hierdurch tritt eine geringe Ausdehnung des Glases ein und der dabei kalt gebliebene Stöpsel wird sich jetzt fast immer lösen lassen. Wird auch hierdurch der Zweck noch nicht erreicht, so bleibt nichts übrig, als den Flaschenhals in irgend eine Flüssigkeit zu tauchen, welche den Körper, der das Festsetzen des Stöpsels bewirkt, zu lösen vermag.