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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Anhang.

Grundbegriffen begonnen werden. Der Lernende muss sich zuerst Klarheit zu verschaffen suchen über die technischen Ausdrücke und Hülfsmittel unseres Berufes; er muss lernen, was heisst Wägen oder Messen? was absolutes, was spezifisches Gewicht? was heisst Siedepunkt, was Filtriren oder Destilliren? Hier kann die eigene Anschauung immer mit dem Theoretischen Hand in Hand gehen. Unterrichtet er sich über Waagen und Gewichte, so vergleiche er das Gelesene mit den vorhandenen Utensilien und suche sich über Alles durch den Augenschein Klarheit zu verschaffen. Alle die hier einschlägigen Fragen finden sich in der Einleitung unseres Buches. Jetzt erst wird der Lernende mit Nutzen die allgemeinen botanischen abwechselnd mit den allgemeinen chemischen Fragen in Angriff nehmen können. Von letzteren kann die unorganische Chemie als besonders schwierig gern einer späteren Zeit überlassen bleiben. Wir haben soeben gesagt "abwechselnd", weil wir es nach langjähriger Erfahrung für praktisch halten, beide Zweige unseres Wissens neben einander zu lehren. Einmal ermüdet es den Lernenden nicht zu sehr und Drogen- und chemische Waarenkunde greifen ja überall ineinander.

Alle 8-14 Tage werden dann 1 oder 2 Stunden der Repetition des Durchgenommenen gewidmet. Wir meinen hier selbstverständlich nicht ein erneutes Durchlesen, sondern nur eine Wiederholung des Wichtigsten. Hierzu geben nun die präzisen Fragen des Drogisten-Leitfadens die beste Anleitung. Der Lernende nimmt dieselben der Reihe nach vor und versucht sie kurz, aber bestimmt schriftlich zu beantworten. Gerade diese schriftliche Beantwortung bietet wesentliche Vortheile; einmal prägt sich das geschriebene Wort weit besser ein als das gelesene; es befördert das Nachdenken, übt im Stil und kann später zur öfteren Repetition des Wissenswerthesten benutzt werden. Deshalb sollte die schriftliche Bearbeitung während der ganzen Zeit des Lernens streng und sorgfältig durchgeführt werden.

Mit der Bearbeitung dieser drei ersten Gruppen des Leitfadens werden die letzten 6 Monate des ersten Lehrjahres vollständig ausgefüllt sein. Es folgt dann im zweiten Jahre wiederum neben einander die eigentliche Drogen- und Chemikalienkunde. Hier muss ebenfalls die Anschauung zum Verständniss des Gelesenen beitragen. Wenn eine Wurzel, eine Rinde, ein Harz oder irgend welche Chemikalien durchgenommen werden, muss die betreffende Waare mit dem Gelesenen verglichen und die Eigenthümlichkeit derselben dem Gedächtniss eingeprägt werden. Wir kommen hierbei auf zwei wichtige Hülfsmittel beim Unterricht, und das sind Waarensammlung und Herbarium. Jeder Drogist sollte sich diese beiden Lehrmittel nach und nach erwerben oder selbst zusammenstellen, sie sind nicht nur beim Unterricht, sondern vielfach auch in der Praxis als Vergleichsobjekte oft von grosser Bedeutung. Waarensammlungen lassen sich, wenn man solche nicht kaufen will (der Pedell der Fachakademie zu Braunschweig, Herr Behrens, liefert derartige Samm-^[folgende Seite]