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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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Behausung erhebt sich von unten vom Garten der Prediger-Brüder; von hier sehen die Angeklagten durch ein Fenster in deren Garten und wenn sie einige Brüder gewahr werden, strecken sie die Hände durch die Öffnung heraus und bitten, sie mochten bei Gott für sie vermitteln. Unter der Kammer der Angeklagten haben die Brüder eine kleine Zelle, in der Arzneiwasser destilliert wird. Vor dem Turm auf der Innenseite ist eine andere Werkstatt der Stadt, in der städtische Sachen besorgt werden. Bei diesem Turm biegt die Mauer der Stadt von Süden gegen Osten, und hier beginnt die Donau die Stadt zu verlassen, deshalb ist zwischen der Stadt und dem Wasser ein breiter mit Wasser gefüllter Graben, oberhalb von dem innerhalb der Mauern der Stadt das Kloster der Prediger-Brüder ist, denen eine lange Strecke der Mauer anvertraut ist, und die Mauern erstrecken sich 42 Schritt vom Turm der Übeltäter bis zum Spital, und die Stadt ist an dieser Stelle durch eine 3fache Mauer geschützt. Die erste ist die Hauptmauer, über die das Kloster der Prediger hereinragt. Die zweite ist die des Walles: zwischen dieser und der Hauptmauer ist ein Durchgang, und diese Mauer ist dick und mit Mauern und Vorwerken im ganzen Kreis um die Stadt geschützt und ausgerüstet, die dritte Mauer ist zwischen dem Graben und der Donau, aber mitten auf der Mauer ist ein Erker zwischen dem Predigerkloster und dem Spital, welcher auch wie das Predigerkloster über die Hauptmauer hervorragt, und es gibt im ganzen Kreis der Mauer kein Haus, das über die Hauptmauer hervorragt, als das Haus der Prediger und der Spitäler. Auf der Mauer aber, an welcher der Spital liegt, ist ein hoher und fester Turm mit Erkern, von welchen dann die Mauer mehr gegen Osten bis zum Gänstor sich biegt; zwischen letzterem und dem Spital ist auf der Mauer eine weitere Befestigung. Von diesem Tor aber bis (pag. 47) zum Roten Turm sieht die Stadt in der Richtung nach Osten und oberhalb desselben hört die Donau auf die äußere Mauer zu bespülen, und unterhalb desselben ist der mit dem Wasser der Blau gefüllte Graben: denn die Blatt umfaßt rings die Stadt von der Donau bis wieder zur Donau, und bespült die Stadt selbst, wie man sehen wird. - In der Mitte des Raumes zwischen dem ebengenannten Tor und dem Roten Turm ist bei der äußeren Mauer ein Vorsprung. Der Rote Turm ist ein hoher und fester, an der Ecke der Stadt errichteter Turm, wo die Mauer von Osten sich gegen Norden wendet und der Donau den Rücken bietet. An dieser Ecke innen in der Stadt ist ein großes und mit kriegerischen Erfindungen (Maschinen) und Instrumenten gefülltes Zeughaus, außen aber sind Erker und eine Brustwehr, auf deren Mitte ein festes Verteidigungswerk steht, das die Ulmer einst in der Angst vor dem Dauphin des Königs von Frankreich und vor den Armagnacs (Carmaniaci) errichteten, die das Elsaß verwüsteten, und von diesem Bollwerk an machten sie einen Wall und Graben bis in die Donau, die jetzt zerstört sind. Wenn man vom Roten Turm gegen Norden geht, so ist außerhalb des Grabens eine Bleiche und große Wiesenfläche, die rings von einem mit fließendem Wasser gefüllten Graben umgeben ist, und auf dieser Ebene werden baumwollene Tücher, die man vasconicae 1) nennt, in sehr großer Zahl den Sommer über gebleicht. Bei dem Geschäft mit diesen Tüchern hat die Stadt Ulm in den letzten Jahren wunderbaren Nutzen gehabt, denn von jedem Tuch kommen wenigstens

1) Nach Dieffenbachs Glossarium synonym. kommt das Wort von parchandus her, Zeug aus Leinwand und Wolle, also Barchent. Nach Du Cange ist fustanum (= frz. futaine, von Fostat = Alt Kairo) ein Gewebe aus Leinwand und Baumwolle, was richtiger. - Schwerlich mit Vasconia (Gewebe nach Gascognischer Art) zusammenhängend, was Buck meinte.