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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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und sehr viele Öffnungen zum Hinausschießen mit steinernen Geschossen. In der Mitte der Mauer sind viele Öffnungen, durch welche die Blau aus der Stadt hervorbrechend in die Donau fällt. Über der größeren Öffnung der Blau ist ein Turm 1), auf dem immer ein Wächter horcht, um den von der andern Seite der Donau Rufenden Antwort zu geben; denn es trifft sich oft, daß jemand aus irgend einem Grund nicht über die Brücke und durch das Tor in die Stadt hereinkommen will, und wenn ein solcher diesen Wächter anruft, holt er ihn gegen einen gewissen Lohn in einem Schiff über. So werden solche, die sich versäumen (pag. 45) und nach dem Torschluß kommen, und Boten, die dringende Sachen bringen, hier eingelassen, wenn eine wichtige Sache vorliegt, die man dem Bürgermeister melden muß. Nach der neuen Mauer folgt der Turm des Herdbruckertores und die Brücke, die breit und sehr stark ist wegen der Gewalt des Flusses. Denn oft wird sie vom Gewässer überschwemmt, und wenn die Brücke nicht gut fundamentiert wäre, würde sie weggerissen, wie es in den vergangenen Jahren oft geschehen ist. Daher hatten die Ulmer auch einmal angefangen eine steinerne Bogenbrücke zu bauen, aber als sie am Werk waren und sehr viele Vorbereitungen und Bauten im Wasser gemacht hatten, kam plötzlich eine Überschwemmung und riß in einer Stunde der Nacht alles weg. Denn manchmal wächst der Fluß so sehr, daß er zum Tor hereindringt, wie es im Jahr des Herrn 1374 geschah. Deshalb muß die Brücke schwer sein, wie die neue Brücke außer den notwendigen Balken 2 turmartige Gebäude in der Mitte zum Unterstand hat, die aber nicht sowohl zum Unterstand dienen, als zur Belastung angebracht sind. Jenseits der Brücke ist die Vorstadt und viele Häuschen der Walker, und sind auf dieser Seite Befestigungen, Gräben, Gerüste und Wälle, so daß niemand zu Pferd auch nur an das Wasser gegenüber der Stadt kommen kann. Unterhalb von dieser Vorstadt ist die Werkstatt der Zimmerleute der Stadt und die Stelle, wo alles in die Donau geschüttet wird, was zur Stadt hinausgeführt wird, z. B. Unrat und Mauerschutt; hier ist auch der erste und oberste Hasen der Donau, von dem aus die Lastschiffe, die Flöße oder Holzmassen hinabfahren und in den man aus Baiern heraufkommt, und es ist nicht möglich, weiter hinauszufahren. Weiter hinab vom Herdbruckerturm und -tor geht im Wasser die Stadtmauer bis zu dem neuen Turm, der neulich unter dem Turm der Übeltäter gebaut worden ist, von dem er gewissermaßen das Vorwerk ist. Es steht aber dieser neue Turm im Wasser und hat keine andern Fenster als die Schießscharten. Man sagt aber, daß er im untersten Grund eine tiefe, mit Wasser gefüllte Grube habe, in der diejenigen ertränkt werden, welche öffentlich zu töten nicht rätlich ist, um ein größeres Übel zu verhüten. Über diesem ist der ehemals Armbruster- oder Schützenturm genannte Turm und er war das östliche Tor der alten Stadt, jetzt ist es der Turm der Übeltäter, der sehr fest und hoch und mit hölzernen Zellen als Gewahrsam der Gefangenen angefüllt ist; in ihm ist auch der Ort, wo die Verdächtigen gefoltert und geschwenkt werden, damit sie öffentlich (pag. 46) die Geheimnisse ihres Herzens gestehen; und wenn sie dann hingerichtet werden sollen, werden sie aus ihrem engen Gewahrsam in ein an den Turm angeschlossenes Gebäude geführt, wo eine geweißte und helle Kammer ist; in dieser werden die vom Elend des Gefängnisses Erschöpften erquickt und durch religiöse Ermahnungen zur Geduld gestimmt und ihnen die Sakramente gereicht und sie so zum Tode geführt. Diese

1) Der sogenannte "Einlaß".