Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

132

Jason geweiht in den Pontus Euxinus und das Meer gelangt. Und nachdem er hier als Fremdling geweilt, kommt er, unfähig das Bittere des Meeres zu ertragen, verborgener Weise in die Adern der Erde und dringt auf unerforschlichen Wegen in die engsten Spalten der Erde und der Felsen, so daß er die bittere Haut, mit der er im Meere bekleidet gewesen war, im Sand, in den Felsen und der Erde zurückläßt und verliert. Und so kommt er endlich wieder an den Ort, von dem er ausgegangen war und bricht süß, klar und trinkbar wieder aus der Erde hervor, um wieder zu fließen, nach dem Wort des Predigers 1: "an den Ort, da die Flüsse herfließen, kehren sie zurück und fließen wieder hin. " Wenn aber solche Gewässer nicht durch das Innere der Erde vom Meer an ihre Orte haben zurückkehren können, werden sie durch den Zug der Gestirne aus dem Meer in die Höhe gehoben und in den Wolken an die Orte ihrer Gegend versetzt und dort zur Befruchtung der Erde in verschiedenen Orten als Tau, oder Regen, Reif, Schnee oder Hagel herabgegossen. Daher sind von der Natur in der Erde gewisse Behälter bereit, in denen die Gewässer sich sammeln und in die sie zurückfließen, von wo sie dann durch Adern an den Ort weiterfließen, wo sie herauszufließen haben. Dies wird besonders auf der Schwäbischen Alb bemerkt, wo man viele Behälter sieht, die wie Töpfe in die Tiefe hineingegraben sind, in die das Regen- und Schneewasser eindringt und in unterirdische Seen hinabsinkt, aus denen es wieder hervorsprudelt. Wenn daher auf der Schwäbischen Alb viel Regen fällt oder Schnee schmilzt, hat die Blauquelle und andere Quellen mehr Überfluß an Wasser und sie gießen es dann reichlicher aus. Hieraus erhellt, daß die Blau vom Himmel und vom Meer Wasser hat, das nach dem Glauben der Alten durch den Dienst und die Leitung der unter dem Wasser sich aufhaltenden Nymphen und Musen auf die Erde geführt wird. Daher kommt es, daß im Rauschen des Wassers über und unter der Erde eine liebliche Melodie mit der Harmonie aller Lieder und musikalischen Instrumente gehört wird, denen ein mit starker Empfindung begabter Hörer zu lauschen begehrt, wie ich selbst es oft und besonders im Bad Pfeffers erfahren habe, wo durch das wilde (pag. 196) Zusammenströmen der Gewässer ein gewaltiges Getöse hervorgerufen wird, in dem alle Musikweisen widerhallen. In derselben Gegend soll es auch einen Berg geben, in dem häufig eine Art lieblichen Widerhalls wie von menschlichen Stimmen gehört wird, die in Figuralgesang zusammenklingen. Daß aber dieser Widerhall durch das Zusammenströmen der Gewässer in den hohlen, tönenden Felsen im Innern des Berges hervorgerufen wird, ist nur ganz unzweifelhaft. Die Alten aber versicherten in wundersamen Fabeln, daß dergleichen von dem harmonischen Chor der Nymphen, der Wassergöttinnen, herrühre, wie sie auch die Ausbrüche der Quellen ihnen zuschrieben. Daher hatten sie neben den Ausbrüchen der Gewässer den Nymphen geheiligte Tempel, in denen sie deren Orakel befragten und allerlei erforschten. So hatten sie auch neben und über den Höhlen der Berge und den Spalten der Erde Orakel, um den Demiurg, den Weltschöpfer, zu befragen (ad consulendum Demogorgonem). Während aber der Schöpfer der Welt diese Gegend und diesen Winkel in den Bergen, in dem die Blau entspringt, wunderbar genug geschaffen, und das Äußere der herumliegenden Berge mit ungewöhnlichen Felsen und Höhlen erfüllt hat, so schrieben die Alten, von Gott nichts wissend, der diese Wunder schafft, und von ihren vielfachen Irrtümern getäuscht, dies den Göttern zu und weihten ihnen diese Orte. Daher nahmen sie von ihrer fabelhaften Götterlehre eingenommen, eine Menge göttlicher Wesen an: einige nannten