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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

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Die hellenische Kunst.

Naturen, als vielmehr jener der Zeiten aus, von denen ja die ersteren auch immer abhängig bleiben.

Diese Richtung blieb auch fernerhin maßgebend; zeit- und naturgemäß geht die Entwicklung dahin, daß das Sinnliche immer mehr in den Vordergrund tritt und zwar in doppelter Hinsicht: das Erhabene, Veredelte wird durch das Streben nach Naturtreue verdrängt, und die Absicht, auf die Sinne zu wirken, tritt zu Tage.

Die Nachfolger des Skopas und Praxiteles. Daß die beiden großen Meister Schüler und Nachahmer hatten, ist wohl selbstverständlich; es zeugt aber von der Stärke und Blüte des griechischen Kunstgeistes, daß neben und nach ihm Künstler wirkten, die ihre selbständige Eigenart bewahren und geltend machen konnten. Wir besitzen aus dem 4. Jahrhundert eine Reihe von Werken, welche im Allgemeinen zwar der künstlerischen Richtung entsprechen, welche in Skopas und Praxiteles ihren vollen Ausdruck fand, die aber in ihrer Eigenart unbeeinflußt von jenen erscheinen. In manchen Einzelheiten zeigen diese Werke auch eine höhere Vollendung, einen wirklichen Fortschritt der Kunstfertigkeit, wenn auch nicht immer in der Auffassung.

Man kann wohl sagen, daß jedes dieser berühmten Stücke irgend einen besonderen Vorzug aufweist; in ihrer Gesamtheit betrachtet, lassen sie hauptsächlich folgende Punkte erkennen: das Streben nach immer größerer Naturtreue paart sich mit jenem, den Ausdruck der Empfindungen und Leidenschaften recht deutlich wiederzugeben, daher Vermehrung und stärkere Betonung der Einzelzüge; man begnügt sich nicht mehr mit den einfacheren Mitteln, da die Wirkung gesteigert werden soll; am meisten kommt dies der Bildniskunst zu statten, welche ganz Vorzügliches leistet.

Lysippos und die peloponnesische Kunstrichtung. Die athenische oder attische Kunst, deren Entwicklung im Vorstehenden kurz gekennzeichnet wurde, hatte seit Praxiteles die Vorherrschaft gewonnen, indessen erstand auch auf dem Peloponnes zu Ende des 4. Jahrhunderts noch ein Meister, der eine besondere Stellung einnimmt und zu bedeutendem Einfluß gelangte.

Es ist dies Lysippos, der Liebling Alexander des Großen, welcher nur von diesem Künstler nachgebildet sein wollte. Lysippos arbeitete ausschließlich in Erz, wie sein Vorbild Polyklet, dem er auch darin gleicht, daß die Darstellung des männlichen Körpers ihn vor allem beschäftigt. Die Durchbildung der Form, also das "Aeußerliche", ist ihm die Hauptsache, auf welcher er allen Fleiß verwendet, auf den geistigen Ausdruck legt er weniger Gewicht. Seine männlichen Gestalten zeichnen sich durch hohe Schönheit der

^[Abb.: Fig. 117. Ruhender Satyr des Praxiteles.

Marmornachbildung. Rom, Kapitol.]