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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

stellt die Uebergabe der Hesperidenäpfel durch Atlas dar. Herakles trägt die Erdkugel (nur das Kissen sichtbar), eine Nymphe sucht ihn zu unterstützen.

"Diskoswerfer" und "Marsyas" des Myron (Fig. 102, 103). Die Stärke der myronischen Kunst liegt in der Darstellung von Bewegungserscheinungen, welche in Augenblicken großer Kraftentfaltung oder plötzlicher Bewegungsänderungen hervortreten. Die beiden Werke, welche uns in Nachbildungen erhalten sind, der "Diskoswerfer" und der "Marsyas", womit ich nun die Reihe der Werke der hohen Kunst eröffne, veranschaulichen uns dieses sehr deutlich. Vom Diskoswerfer sind zahlreiche Nachbildungen erhalten, die beste im Palazzo Lanzellotti in Rom. Es ist der Augenblick gewählt kurz vor dem Fortschleudern der Wurfscheibe. Der Körper ist zusammengezogen und alle Kraft in den rechten Arm verlegt. Die Muskeln sind deutlich und vor allem richtig gebildet. Die Unsicherheit in der richtigen Wiedergabe, welche den Künstlern der älteren Zeit wegen der Unkenntnis der Veränderung der Muskeln durch die Bewegung anhaftet, ist ganz überwunden.

Der Marsyas ist durch die falsche Ergänzung der Arme in einen tanzenden Faun verwandelt worden. Der wahre Sinn ist durch aufgefundene Nachbildungen auf einer Vase und Münze erkannt worden. Ursprünglich gehörte er wahrscheinlich zu einer Gruppe, welche kurz den folgenden Inhalt hatte: Marsyas, welcher im Begriff ist, die von Athene im Zorn über die Gesichtsentstellung fortgeworfene Flöte aufzunehmen, wird von der Göttin zurückgeschreckt. Die Bewegung des raschen Zugreifens wird durch das erschreckte Zurückwerfen des Körpers, in welchem noch die Nachwirkung des raschen Laufes steckt, plötzlich aufgehoben. Die Arme muß man sich zu einer nach vorn greifenden Bewegung ergänzt denken. Hier ist also der plötzliche Wechsel, von dem ich vorhin sprach, zu finden. Die Urbilder beider Werke waren in Bronze ausgeführt, die Baumstämme sind Zuthaten des Marmornachbildners.

Der "Speerträger" des Polyklet und andere Wettkämpferbilder. Den "Kanon" Polyklets (s. S. 106) glaubt man in dem folgenden Werke, dem Speerträger (Doryphoros) wieder zu erkennen. Ich eröffne damit eine Reihe Männergestalten, welche meist Wettkämpfer darstellen und das Ideal des kraftvollen ruhigen, männlichen Körpers wiedergeben sollen, im Gegensatz zu jenen später zu besprechenden, weicher gebildeten Jünglingsbildern, welche häufig weiblichen Formen stark genähert sind.

Die Nachbildungen des Speerträgers bieten sicher nicht

^[Abb.: Fig. 139. Niobe mit Tochter. Marmorgruppe. Florenz, Uffizien.]