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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

nahe, doch trat dem der größere Realismus des Lysippos und seines Anhanges entgegen. (Fig. 121, 122.)

Apollon vom Belvedere. Allmählich entwickelte sich in der Apollodarstellung eine Auffassung, die mehr das göttliche Hoheitsgefühl zum Ausdruck zu bringen suchte. Der Gott wurde nicht als ruhiger schöner Jüngling, wie z. B. "Apollon Sauroktonos" des Praxiteles dargestellt, sondern in einer vom Apollon von Olympia (Fig. 99, Mitte) abgeleiteten Form, nur daß er auch am Kampfe, den er dort gebietend leitet, selbst Teil nimmt. Der berühmteste Vertreter dieser Auffassung ist der Apollon vom Belvedere, dessen Urbild jedenfalls ein Bronzestandbild von Leochares, einem jüngeren Zeitgenossen des Praxiteles und Skopas, war und den Gott in einer Haltung dargestellt giebt, die darauf schließen läßt, daß er in der linken Hand einen eben abgeschossenen Bogen hielt. Ich gebe in Fig. 123 nur eine Abbildung des Kopfes, da es mir darauf ankommt, die geistige Umwandlung, die die Apollondarstellung im 4. Jahrhundert erfahren hatte, zu zeigen.

Das Gesicht hat nicht mehr den milden, sanften, fast weiblichen Ausdruck des Praxitelesschen Apolls, sondern einen ungleich hoheitsvolleren, der das Strahlende des Lichtgottes und das Heldenhafte, zugleich mit dem edlen Ausdruck hervorragender Geistesschönheit, wiederzugeben suchte.

Apollon mit der Kithara. Einer ganz anderen Auffassung begegnen wir in den Standbildern Apolls, die den Gott in langen schönfaltigen Gewändern, ein Musikinstrument, die Kithara, im Arm haltend, darstellen. Auch an diesen Werken hat der Kopf einen durchaus hoheitsvollen Ausdruck, der Gott ist in seiner Eigenschaft als Schützer des Gesanges und der Dichtkunst dargestellt, oder als Führer der Musen, deren Gesang er mit seinem Instrument begleitete. Als dieser wird er besonders in dem zweiten Werke (Fig. 125) angesehen, dessen Beiname: "Musagetes" Anführer der Musen bedeutet. Bekleidete Männergestalten sind in der älteren griechischen Kunst sehr selten, deshalb wurde der Apollon Fig. 124 früher für die Darstellung einer weiblichen Gestalt - einer Muse - gehalten. Der Meister des Urbildes dieses Werkes ist unbekannt, doch darf man aus der Gewandbehandlung schließen, daß er dem Kreise des Phidias angehörte. Der Schöpfer des Urbildes des schreitenden Apollons Fig. 125 ist vielleicht Skopas gewesen; jedenfalls erlaubt die schwungvolle Auffassung und der Ausdruck größerer Bewegung, das Werk seinem Kreise zuzuteilen.

Darstellung des Weibes. Der bekleidete männliche Körper tritt uns in der griechischen Kunst von Anfang an selten entgegen; fast immer werden die männlichen Gestalten nackt dargestellt, mit Ausnahme

^[Abb.: Fig. 151. Sophokles.

Rom, Lateran.]

^[Abb.: Fig. 152. Herakles.

Sog. Herakles Farnese. Florenz, Pal. Pitti.]