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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

Die Abbildungen Fig. 265-269 sollen die Art der italienischen Bildnerei veranschaulichen. Das Flachbild aus dem Dom von Modena (Fig. 262), ein Werk des Meisters Wilhelmus, hat die Erschaffung Adams und Evas und den Sündenfall zum Gegenstande. Wie weit Benedetto Antellami dagegen schon fortgeschritten ist, lassen die beiden folgenden Bilder erkennen: die Kreuzabnahme (Fig. 266) und der thronende Christus, umgeben von Engeln und Aposteln, darunter die Auferstehung der Toten. Die Art des Bonanus von Pisa zeigt Fig. 265 in einem Ausschnitt aus der Thür des Domes zu Monreale. Eine Probe der eigenartigen Zierkunst Süditaliens ist die Marmorkanzel aus dem Dome zu Salerno, deren Mosaikmuster an arabische Vorbilder erinnern (Fig. 269).

Von den Werken deutscher Kleinkunst gebe ich zwei Beispiele und zwar in Fig. 270 den Deckel eines Evangeliumbuches aus dem Beginn des 11. Jahrhunderts, welcher die in Goldblech getriebenen Gestalten eines Apostels und des Königs Otto III. enthält. In Fig. 271 ist einer der erwähnten Reliquienschreine wiedergegeben, ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst des 12. Jahrhunderts mit zahlreichen figürlichen Darstellungen an allen vier Seiten.

Ueber die Miniaturmalerei zu Ende des 10. Jahrhunderts geben die zwei Beispiele aus dem Evangelarium Bambergense Aufschluß. Das eine stellt Otto III. auf dem Throne dar, an dessen Seiten zwei Bischöfe und zwei Krieger stehen. Die Haltung ist byzantinisch steif, die Färbung zwar prächtig, doch unnatürlich. Aus demselben Evangelarium ist Fig. 273 entnommen: "Der Tanz der Salome". Die Bewegungen sind hier etwas freier, auch ist die Darstellung dadurch etwas vertiefter, daß alle Personen Anteil an dem Vorgange nehmen.

Das Miniaturbild aus den Psalmen Davids, Fig. 274, stammt aus dem 13. Jahrhundert und zeigt gegenüber den beiden vorigen eine größere Frische und Natürlichkeit. Ein Rahmen mit zehn Rundbildern, welche David als Musiker mit verschiedenen Instrumenten und Vorgänge aus seinem Leben darstellen, umschließt ein B, das in der oberen Rundung die Krönung Davids, und in der unteren den Kampf mit Goliath enthält; Rankenwerk, Knabenfiguren und Tiergestalten füllen den übrigen Raum aus.

Eine Probe der Wandmalerei bietet Fig. 275, mit einem Teil der Decke aus der Michaelskirche in Hildesheim. Ein Rahmen mit kleineren runden und eckigen Bildern umschließt acht Mittelfelder, deren erstes, hier abgebildetes, Adam und Eva darstellt. Die Zeichnung ist sicher, mit kräftigen Umrissen ausgeführt, die Farbe schön und nicht allzu bunt.

Ein Beispiel für die ganz in byzantinischer Art befangene Mosaikmalerei Italiens der romanischen Zeit ist das Mosaik aus der Kirche der Martorana in Palermo (Fig. 276) aus dem 12. Jahrhundert, das die Krönung eines Königs durch Christus darstellt.