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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

die Malerei auf ziemlich tiefer Stufe geblieben war, habe ich an früherer Stelle bemerkt. Die Schule von Murano, wo die ganze Malthätigkeit vereinigt war, gelangte über die "griechische Weise" lange nicht hinaus und lieferte unentwegt ihre steifen und harten Bilder weiter, denen jeder höhere Ausdruck fehlt. Erst um 1450 kam durch die Brüder Vivarini und einen Deutschen - Giovanni d'Alemania - ein frischerer Zug in dieses Malhandwerk. Man bemühte sich, die Formen freier und richtiger zu geben, die Fesseln der Ueberlieferung abzustreifen und die Natur sehen zu lernen. Auch ließ sich der venezianische Stolz herbei, das nahe Padua zu beachten, wohin schon Giotto, dann Uccello und Donatello die florentinische Kunstweise gebracht hatten, und das sogar auch eine eigene "Schule" besaß.

Ein rühriger Geschäftsmann, Francesco Squarcione, - man würde ihn heute "Konfektionär" nennen, damals hieß er Schneider und Sticker - eröffnete nämlich auch eine Malerwerkstätte, die er (ganz nach Art unserer früheren Kunstschulen) mit Gipsabgüssen antiker und anderer Bildwerke ausstattete, damit Gehilfen und Schüler danach arbeiten konnten. Den letzteren wurde dadurch wenigstens mittelbar einiges Verständnis für Naturwahrheit beigebracht, und gegenüber der byzantinischen Unnatur war es sicher ein Fortschritt, wenn man sich die bildnerische Formgebung eines Donatello zum Muster nahm. Es scheint, daß Squarciones Schule einem "tiefgefühlten Bedürfnisse" entgegengekommen war und daher reichliche Erfolge hatte, denn eine ziemlich beträchtliche Anzahl von Malern ging aus ihr hervor, welche freilich völlig in der bildnerischen Richtung befangen blieben und über das Handwerksmäßige nicht viel hinauskamen.

^[Abb.: Fig. 363. Perugino: Die Kreuzabnahme.

Florenz. Galerie Pitti.]