Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

388

Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

In der letzteren liegt der entscheidende Fortschritt; die Farbe wird jetzt zu dem wesentlichsten Ausdrucksmittel der Erscheinung, man wählt kraftvolle und leuchtende Töne und achtet darauf, daß sie im schönen Verhältnisse zu einander stehen, kurz, arbeitet auf feine Farbenstimmung hin. Gewisse Mängel der Zeichnung bleiben daher ziemlich lange bestehen, auch dann noch, als das Streben nach größerer Naturwahrheit sich geltend machte; das Ueberschlanke und Eckige verschwindet zwar, dafür werden die kurzen Verhältnisse der Gestalten, ein eigentümlich brüchiger Faltenwurf der Gewandung und eine derbe, breite Gesichtsbildung bei den Männern für die späteren Werke bezeichnend.

In der Behandlung der Farbe und in dem Ausdrucke der Stimmung zeigt sich die kölnische Malerei der gleichzeitigen italienischen überlegen, die Stärke der letzteren liegt in der Darstellung bewegten Lebens, der Handlungen. Auf dieser hohen Stufe erscheint die kölnische Kunst bereits in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts, wofür das sogenannte "Dombild" zeugt, ein dreiteiliges Altargemälde, das für die 1426 gestiftete Rathauskapelle bestimmt war. (Fig. 383.)

Stephan Lochner. Dieses bedeutsame Werk wird dem Meister Stephan Lochner zugeschrieben, der aus Meersburg am Bodensee stammte und 1451 starb. Ebenso wenig wie bei Meister Wilhelm lassen sich mit zweifelloser Sicherheit die Arbeiten Lochners feststellen, und sein Name mag denn auch mehr als Vertreter der Kunstweise seiner Zeit zu betrachten sein. Schon diese Gruppe läßt das Fortschreiten zu größerer Wirklichkeitstreue erkennen, welches in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts immer deutlicher hervortritt. Es geschah dies unter dem mächtigen Einflüsse der niederländischen Malerei, welche seit 1420 mit aller Entschiedenheit auf "Naturwahrheit" ausgegangen war und mit allen bis-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 379. Carpaccio: Abreise der Verlobten.

(Aus der Geschichte der hl. Ursula.) Venedig. Akademie.]