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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

ihnen gefolgt. Zu dieser sachgemäßen Ausbildung der Oelmalerei waren sie wahrscheinlich gekommen, weil ihnen die anderen Malweisen nicht die Möglichkeit boten, jenen Grad von Naturwahrheit auch in der Farbenstimmung zu erzielen, welcher ihr Kunstziel war. Leuchtende Farbenglut und durchsichtige Helle waren allerdings auch mit Wasser- und Temperafarben in hohem Maße zu erreichen; aber schwierig, ja beinahe unmöglich war es, die Uebergänge zwischen den Farbentönen in weicher Zartheit zu geben, oder durch leichte, durchsichtige Deckfarben über den Grundfarben diese zusammenzustimmen. Die Grenzen zwischen den einzelnen Farbenflächestücken traten stets schärfer hervor, als es wünschenswert war, und das Spielen des Lichtes auf den körperlichen Gegenständen, das Ineinanderfließen der verschiedenen abgestuften Töne war schwer wiederzugeben. Das war nur möglich, wenn man die Farben noch im Nassen miteinander verarbeiten, oder nach dem Trocknen mit Deckfarben - nicht blos Firnis - überziehen konnte. Dies wurde nun durch die Oelmalweise erreicht, und sie in diesem Sinne ausgebildet zu haben, ist das Verdienst der Eycks.

Es würde an sich schon hinreichen, um ihrem Namen einen dauernden Platz in der Kunstgeschichte zu sichern, noch mehr Anrecht darauf giebt ihnen aber die Thatsache, daß sie die Malerei auf den richtigen Weg zur Natur leiteten und sie aus der Abhängigkeit von der Bildnerei befreiten, von welcher die Tafelmaler des 14. Jahrhunderts ihre Formen zu entlehnen gewohnt waren. Sie brachen völlig mit diesen Ueberlieferungen und wiesen ihre Zeitgenossen auf die wirkliche Natur hin und zwar in so wirkungsvoller und überzeugender Art, daß sie dieselben auch wirklich bekehrten. Den Erfolg verdankten sie ihrem meisterlichen Können, sonst hätten sie wohl ihrer Auffassung nicht so gründlich die Bahn zu brechen vermocht.

Welcher von den beiden Brüdern, Huybrecht (1370-1426) und Jan (1390-1440) der größere war, läßt sich schwer entscheiden, da von ersterem nur wenig sichere Werke vorhanden sind und an manchen wahrscheinlich beide gemeinschaftlich gearbeitet haben mochten. Schließlich ist dies auch gleichgiltig und man thut vielleicht am besten, beide als eine künstlerische Persönlichkeit aufzufassen, in welcher die besonderen Eigenschaften des Einzelnen verschmolzen.

Als eine solche gemeinsame Schöpfung ist der sogenannte Genter Altar zu betrachten,

^[Abb.: Fig. 390. Schongauer: Die hl. Familie.

Wien. Kaiserl. Gemäldesammlung.]

^[Abb.: Fig. 391. Pleydenwurff: Die Vermählung der hl. Katharina.

München. Pinakothek.]