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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

ordnen, fiel Niemandem ein. Daß auch die anscheinend unbeseelte Natur doch im gewissen Sinne auch beseelt ist, daß in ihr ein Leben waltet und sie imstande ist, Gedanken und Stimmungen in Geist und Gemüt zu erregen, welche ebenso ergreifend wirken können, wie Vorgänge des menschlichen Lebens, dazu war das Verständnis noch nicht in genügendem Maße vorhanden.

Es war bereits ein bedeutender Fortschritt, als man wenigstens die Landschaft in Beziehung und Uebereinstimmung mit der Hauptdarstellung brachte und ihr damit einen Anteil an der Gesamtwirkung zuerkannte.

Die deutschen Maler bekundeten noch am meisten Sinn und Freude an den reizvollen Erscheinungen dieser Art Natur, wenn sie ihre Madonnen in Gärten stellten und mit Blumen schmückten. - Es ist nun bemerkenswert, daß gerade in Holland, dessen Landschaft sicherlich nicht großartig, formenreich und eindrucksvoll ist, die Würdigung derselben zuerst in erhöhtem Maße stattfand.

Vielleicht lag jedoch just in dieser anscheinenden Reizlosigkeit der Antrieb, die feinen Reize der Natur, die "Stimmungen", genauer zu beobachten und zu beachten, und war dies einmal geschehen, so mußte ein echt künstlerischer Geist auch bald das Malerische darin erkennen.

Diese Richtung nahm ihren Ausgang von Haarlem, wo zur Zeit van Eycks schon ein Maler Albert van Ouwater lebte, bei welchem die Zeitgenossen die Wiedergabe der Landschaft besonders rühmten. Von einem Späteren, Gerrit van Haarlem, sind Werke vorhanden, deren Gestalten ziemlich steif und unkünstlerisch behandelt sind, während das Landschaftliche schon "stimmungsvoll" erscheint. Dieser Stadt entstammte nun Dierick Bouts, der in Löwen seinen Aufenthalt nahm und hier zahlreiche Werke schuf.

In der Formgebung zeigt er sich unbeholfen und in der Anordnung der Gruppen ungeschickt, für die Darstellung einer bewegten Handlung fehlt ihm die

^[Abb.: Fig. 395. Jan van Eyck: Der Mann mit der Nelke.

Berlin. Nationalgalerie.]

^[Abb.: Fig. 396. Rogier van der Weiden. Taufe Christi.

Frankfurt a. M. Städelsches Institut.]