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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance".

Einzelheiten und in Verminderung des Zierwerkes. Der untere Stock zeigt blos Bossenwerk, gewinnt also wieder, dem Gedanken des Tragens der Gesamtlast entsprechend, das Aussehen des Sicheren. Die beiden oberen Stockwerke erhalten dagegen vermehrte Pfeilerstellungen - Pilastergruppen -, indem jedem Fenster noch zwei begleitende Pfeiler beigegeben werden. Richtiger ist auch der Aufbau der Pilaster, sie steigen nicht - wie beim Palast Rucellai - ohne weiteres von dem Gebälk der unteren Ordnung auf, sondern von einem auf diesem ruhenden Sockel, der zugleich die Höhe der Fensterbrüstung bestimmt. Dadurch wird eine jede Ordnung selbständig und jedes Stockwerk erscheint als ein für sich abgeschlossenes, fertiges Ganzes. Daß dann diese Einzelteile zusammen wieder zu einem großen Ganzen im schönen Einklang sich vereinigen, zeugt für die große Kunst des Meisters.

Auch die reiche Ausgestaltung der Einzelheiten, der Thüren, Fenster und geschmückten Gesimsbänder ist fortgefallen und alles auf den Ausdruck des Großartig-Einfachen abgestimmt. Das allmähliche Abnehmen der Masse nach oben zu wird weniger durch auffällige Erniedrigung der Stockwerkhöhen, als vielmehr durch Verkleinerung der Einzelteile z. B. der Fenster, gekennzeichnet. Diese erhielten im oberen Stock die in der Hochrenaissance am meisten beliebte rechteckige Form. In den beiden unteren Stockwerken und unter dem Dache werden die rundbogigen Fenster durch eine rechteckige Umrahmung eingeschlossen.

Im Hof der Cancelleria zeigen sich dieselben Schönheiten wie im Aeußeren. Die Säulen des Untergeschosses wurden von einer abgebrochenen alten Basilika - S. Lorenzo - genommen, sie sind ursprünglich Teile eines altrömischen Gebäudes gewesen, also "echt antik."

Eine Art Wiederholung hinsichtlich der Einzelheiten findet man an dem Palast Giraud oder Torlonia, 1496-1504 erbaut, der jedoch durch anders gewählte Verhältnisse seine besondere, unterscheidende Eigenart erhält.

Von beglaubigten fertigen Werken Bramantes aus seiner römischen Zeit ist sonst wenig erhalten. Vieles wurde wegen der Großartigkeit der Pläne nicht vollendet, anderes wieder zerstört. Die paar bestehenden Bauwerke im Verein mit seinen noch vorhandenen Entwürfen geben jedoch ein genügend deutliches Bild von dem, was Bramante gewollt hat. Im Kleinen bietet ein Tempelchen im Klosterhofe von S. Lorenzo alle Schönheiten seines Stils, es ist zugleich der einzige wirklich vollständig nach seinem Plane vollendete Kuppelbau. Bei der Anlage dieses reizenden Bauwerkes ging Bramante von der Kreislinie aus. Der Grundriß bildet einen Kreis, die Kuppel ist streng halbkugelförmig und ruht auf einem Säulen-Umgang, zur Belebung der Wandflächen dienen runde Nischen. Alles Zierwerk wurde vermieden; die Säulen des Umganges sind dorisch gebildet (Fig. 420).

Ein anderes eigenes Werk Bramantes ist der Klosterhof bei S. Maria della Pace, welcher neben dem Reiz schöner Verhältnisse, noch einen besonderen durch die freie Ver-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 434. Palladio: Kirche del Redentore.

Venedig.]