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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance". ^[Titel nicht im Original]

d. Deutschland.

Nordische Renaissance-Baukunst. Gleichwie die Gotik, als eine nordische Bauweise, in Italien nicht zum Durchbruche und siegreichen Herrschaft gelangen konnte und "volksfremd" geblieben war, so erging es nun ähnlich der Renaissance-Bauweise in Deutschland, auch in Frankreich und im übrigen Norden, kurz überall dort, wo seinerzeit der "germanische Geist" maßgebend gewesen war.

Zwei Gründe kommen für diesen verschiedenen Entwickelungsgang hauptsächlich in Betracht. Der "romanische Stil" war im wesentlichen dem Norden wie dem Süden gemeinsam und hatte nur in den verschiedenen Gruppen eine besondere Ausbildung gefunden. In Frankreich und Deutschland war dann die dem Volksgeiste entsprechende gotische Bauweise entwickelt worden, während man in Italien noch an dem romanischen Stil festhielt, dessen "antike Grundzüge" hier gewissermaßen im Volkstum wurzelten, das für den "Geist" der Gotik nicht empfänglich war. Es war daher nur völlig natürlich, daß sich in Italien der Fortschritt auf der Grundlage der Antike vollzog und somit an den romantischen ^[richtig: romanischen] Stil sich jener der Renaissance anschloß. Im Norden bestand nun kein "inneres" Bedürfnis nach einer solchen Rückkehr zu dem antiken Wesen, da ja der Fortschritt zu einer neuen Richtung bereits erfolgt war.

Ein mehr äußerlicher Grund trat dann noch hinzu. Allerorts hatte man Kirchen im gotischen Stile zu bauen begonnen, und die meisten waren um die Mitte des 15. Jahrhunderts noch nicht vollendet. Zu bedeutenderen Neuanlagen bestand kein dringlicher Anlaß, dagegen mußte man das Angefangene vollenden. Es fehlte somit geradezu die Gelegenheit, eine neue Bauweise einzuführen, soweit es sich um großartige Kirchen handelte. Sie konnte vorerst nur bei weltlichen Bauten in Betracht kommen; doch auch an solchen war zur gegebenen Zeit in Deutschland das Bedürfnis geringer, da es zu Ende des 15. Jahrhunderts nicht so viel prunkliebende Fürsten gab, wie in Italien, und die Städte mit öffentlichen Gebäuden bereits versorgt waren. Im übrigen hielt namentlich die Bürgerschaft auch an dem Herkömmlichen, d. h. der Gotik, fest und war für grundstürzende Neuerungen nicht leicht zu gewinnen.

Eigenart der deutschen Renaissance. Daraus ergab sich nun, daß im Norden die Bauweise der Früh- und Hoch-Renaissance in der reinen Form, wie sie in Italien aufgekommen war, nur in vereinzelten Fällen zur Anwendung gelangte und erst die Richtung der Barock-Zeit allgemeinere Aufnahme fand. Wenn man daher von einer deutschen - oder nordisch-germanischen - Re-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 470. Kilianskirche zu Heilbronn.]