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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei des 16. Jahrhunderts

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Die Malerei des 16. Jahrhunderts.

gefühl Raphaels fehlte dem Giulio Romano, der vielmehr zur Derbheit und zu einer manchmal geradezu gemeinen Auffassung neigte. Diese tritt besonders in einigen Wandgemälden des Palazzo del Te zu Mantua hervor, in welchen das sinnlich Lüsterne in abstoßender Weise sich geltend macht. Auch wird er bisweilen flüchtig und selbst in der Farbengebung legt er zu wenig Gewicht auf schöne Abtönung. Vorzüglich ist er in der Schmuckmalerei, hier brauchte es keiner hohen Auffassung und gedanklichen Vertiefung; die Erfindungsgabe, der Schwung der Einbildungskraft und die erworbene Handfertigkeit konnten sich frei entfalten. Auf die spätere Entwicklung der Schmuckmalerei, welche im nächsten Zeitraume eine bedeutende Rolle spielte, nahm unstreitig auch Giulio Romano neben Correggio und Paolo Veronese einen starken Einfluß.

Seine Werke sind ziemlich zahlreich (manche derselben haben auch lange für solche Raphaels gegolten); zu den besten zählen die Gemälde im Herzogsschlosse der Gonzaga zu Mantua, welche den trojanischen Krieg behandeln. In diesen zeigt er seine guten Eigenschaften und erweist sich wirklich als Erbe der Kunst Raphaels; die Farbengebung ist sorgfältig und ebenmäßig, und in den Formen verrät sich ein genaues Studium der Antike.

Gaudenzio Ferrari. Von den Oberitalienern, welche im Allgemeinen der Richtung ihres Gaugenossen Lionardo zu folgen pflegten, schlossen auch mehrere späterhin sich jener Raphaels an. Die Hauptzüge beider Kunstweisen vereinigte zu einem ansprechenden Mischstil Gaudenzio Ferrari (1471-1526), dessen religiöse Bilder voll tiefer Empfindung, maßvoll ruhiger Formsprache und anmutend in der Farbe sind. Der sehr fruchtbare Meister übertraf darin die übrige mailändisch-piemontesische Schule und behauptete mit Recht nach Lionardos Tode den "ersten" Platz.

Die zahlreichen römischen Maler, welche sonst noch zu der Nachfolgeschaft Raphaels gehörten, sind ohne Bedeutung. Meist geistlose Nachahmung, ohne eine Spur von Streben nach eigener Auffassung, brachte die römische Schule bald in einen künstlerischen Verfall, wenn sie auch in alle Welt sich verbreitete und "tonangebend" wurde. Die Handfertigkeit war bei ihr freilich außerordentlich ausgebildet, die Kunstsprache Raphaels beherrschte man, aber dessen Geist war entschwunden.

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Mailändische Schule. Luini. Wenn man von dem obenerwähnten Ferrari absieht, der zur Gefolgschaft Raphaels gerechnet werden muß, so finden wir unter den Oberitalienern zwar nicht viel bedeutende künstlerische Erscheinungen, aber eine gewisse gediegene

^[Abb.: Fig. 556. Giulio Romano: Raub der Helena.

Mantua. Herzogsschloß.]