Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei des 16. Jahrhunderts

567

Die Malerei des 16. Jahrhunderts.

dem Standpunkte der reinen Farbenkunst. Von dem führenden Meister unterschieden sie sich jedoch durch Eigenheiten, welche zugleich als starke Gegensätze zwischen ihnen selbst erscheinen.

Tintoretto suchte das Lebendig-Bewegte zu steigern, um noch eindrucksvoller zu wirken; er gab deshalb seinen Darstellungen einen gewissen schauspielerischen Zug, der das Entscheidende in dem Vorgange stärker hervorhebt, indem er es vergröbert; seine Gestalten sind wuchtiger und in ihren Bewegungen gewaltsamer. Er zeichnet daher schon schärfer, als Tizian, da er aber doch hauptsächlich durch die Farbe wirken will, so verwendet er, um seinen Zweck zu erreichen, starke Gegensätze zwischen Licht und Schatten. Diese vertiefte Schattengebung ist für seine Bilder bezeichnend, sie ist leider durch die natürliche Nachdunkelung der Farben noch derart verstärkt worden, daß viele Gemälde ganz undeutlich geworden sind, wie beispielsweise die sonst vorzüglichen in der Scuola San Rocco zu Venedig (56 an der Zahl). Eine minder rühmenswerte Eigenheit ist die Neigung zur Derbheit und Flüchtigkeit, für welche allerdings die Entschuldigung darin liegt, daß er nicht nur mit Aufträgen überhäuft war, sondern auch Gemälde von wahrhaft riesigem Umfang herzustellen hatte. Sind schon die Bilder in Madonna del' Orto (Venedig) 15 m hoch, so werden sie noch übertroffen durch das "Paradies" im großen Saal des Dogenpalastes, welches das größte Oelbild der Welt ist, 22 m lang und 9 m hoch, mit angeblich 900 (sicher jedoch mindestens 400) Figuren. In all diesen Riesenbildern ist mehr die Kühnheit in der Anordnung der Gruppen und in der Ausführung oft launenhafter Einfälle, sowie die Handfertigkeit zu bewundern; seine echten künstlerischen Vorzüge entfaltet er in den Tafelbildern kleineren Umfanges und in den Bildnissen, welche seine damalige und spätere Berühmtheit auch vollauf rechtfertigen. Zu diesen Meisterwerken zählen unter anderen die "Ehebrecherin vor Christus" und das "Wunder des heiligen Markus". Letzteres

^[Abb.:Fig. 562. Paolo Veronese: Raub der Europa.

Venedig. Dogenpalast.]