Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

599

Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

auch den Bahnen der französischen Kunst. Wohl wurden in dieser Zeit die zahlreichen Hof- und Residenzstädte mit Prunkbauten und anderen Kunstschätzen bedacht, aber die völkische, heimatliche Kunst ist dennoch eine rückständige, die Kunst überhaupt fast ausschließlich von Fürstengunst abhängig. Zu Ende des Zeitraumes kommt dann auch mit dem wachsenden politischen Einfluß des Nordens die norddeutsche, mehr kühl-verstandesmäßige Auffassung zur Geltung, während früher die süddeutsche, die von Einbildungskraft und Gemütsempfindungen sich leiten ließ, das Uebergewicht hatte.

Weiters war auch von Bedeutung die Stellung, welche der Protestantismus gegenüber der Kunst einnahm. Während der Katholizismus von jeher auf reichen Schmuck der Kirche Wert gelegt hatte, verpönte namentlich anfangs der Protestantismus denselben, die Gotteshäuser sollten einfach und schmucklos sein. Gegenüber dieser strengen Einfachheit suchte nun gerade die katholische Kirche auf das Volk durch reichste Prachtentfaltung zu wirken, wobei oft genug weit über das künstlerische Maß hinausgegangen wurde. Beide Gegensätze, das "zu wenig" und das "zu viel" waren natürlich der wahren Kunst nicht förderlich, da sie Sinn und Verständnis des Volkes für dieselbe verkümmern ließen.

In Italien hatten sich ähnliche Wandlungen vollzogen. Die früheren Städterepubliken waren - mit Ausnahme Venedigs - zu Fürstentümern geworden, und damit wurde die Kunst gleichwie in Deutschland von den Höfen abhängig. Auch hier war der Volkswohlstand stark zurückgegangen, seit Italien seine Weltstellung im Handel und Verkehr eingebüßt hatte. Der Sinn für Kunst ging zwar dem Volke niemals verloren, aber die Kraft zum künstlerischen Schaffen wurde allmählich gelähmt.

Ungemein günstig hatte sich dagegen die Lage für Frankreich gestaltet. Die unumschränkte Gewalt des Königs war schon zu Beginn des Zeitraumes begründet; die Wirren, welche Deutschland zerrissen, gestatteten den französischen Herrschern nicht nur ihren Länderbesitz zu vergrößern, sondern auch die führende Stellung in Europa zu erringen. Der

^[Abb.: Fig. 589. Vorhalle von St. Peter in Rom.]