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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Die deutsche Renaissance-Baukunst hatte, wie an früherer Stelle ausgeführt wurde, schöne Anläufe genommen, welche unter anderen Verhältnissen vielleicht zu einer großartigen Entwicklung geführt hätten. Dabei wäre allerdings noch ein Hemmnis zu überwinden gewesen, das in der deutschen Eigenart begründet ist. Die italienische Renaissance hatte als obersten Grundsatz die "volle Einheitlichkeit der Formen", und sie konnte denselben auch in ihren Werten meistens befolgen, weil sie für diese "freien Raum" zur Verfügung hatte. Der Deutsche war aber von altersher gewohnt, nicht ausschließlich das "Ganze" zu betrachten, sondern vielmehr auf die einzelnen Glieder und deren Bestimmung besondere Rücksicht zu nehmen. Mit anderen Worten läßt sich dies vielleicht in folgender Weise verständlicher machen: die italienischen Baukünstler haben nur die Gesamterscheinung des Baues im Auge, der einheitlich, gesetzmäßig und wirkungsvoll sein soll; die innere Einteilung und die Einzelheiten müssen sich dann folgerichtig aus dem Ganzen ergeben und sind daher von diesem streng abhängig. Die deutsche Bauweise geht dagegen mehr von den Einzelteilen aus, bildet diese je für sich mit liebevollem Eingehen aus, und es wird dann aus den gewissermaßen selbständig behandelten Teilen erst das Ganze zusammengesetzt, wobei natürlich volle Einheitlichkeit und Uebereinstimmung nicht immer erzielt werden kann. Die deutsche Gründlichkeit, welche auch das "Kleine" sorgsam beachtet, die reiche Phantasie und nicht zuletzt auch der "Freiheitsdrang", der allzu strenger Regelung widerstrebt, sind wohl die tieferen Ursachen dieser Erscheinung; während bei den Romanen, wie wir dies auch in den früheren Zeiträumen gesehen haben, der berechnende Verstand und die - man möchte beinahe sagen: noch von den Römern her ererbte - Hochachtung vor dem "Gesetzlichen" vorwaltet. Die italienische Renaissance ist erhaben eindrucksvoll, die deutsche gefällig-reizvoll; dort erfaßt man sozusagen mit "einem" Blick die Wirkung,

^[Abb.: Fig. 608. Inneres der Theatiner-Hofkirche.

München.]