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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Auf österreichischem Boden ist die Baulust um so größer und eine wichtige Rolle spielt hierbei der Hochadel, namentlich jener Böhmens, dessen riesiger Reichtum ihm gestattete, glänzende Paläste zu schaffen. In Prag und Wien entstanden solche in beträchtlicher Zahl; sie zeigen auch einige bemerkenswerte Besonderheiten. Die Formen sind in der Regel von wuchtiger Kraft, Bossenwerk findet in den unteren Teilen häufige Anwendung, an Stelle der Lisenen treten stärkere Glieder, Halb- und Dreiviertel-Säulen, die Teilung und Gliederung der Gebäudeseiten erfolgt durch die Fensteraufbauten; es wird nämlich der Raum zwischen dem Sturzgesimse des unteren und der Sohlbank des oberen Fensters zu einem Schmuckfelde gestaltet und dadurch erscheinen die übereinanderliegenden Fenster sämtlicher Stockwerke zu einem (senkrecht aufstrebenden) Gliede vereinigt.

Unter den in Wien wirkenden Italienern sind Marc Antonio Carnevale und die ungemein zahlreiche Familie Carlone zu erwähnen, deren Mitglieder auch in Oberösterreich, Steiermark und anderen Provinzen thätig erscheinen. Das bedeutendste derselben, Carlo Antonio Carlone (gest. 1708) hat auch das Innere des Passauer Domes geschaffen, der von Carlo Luragho, dem Erbauer zahlreicher Prager Adelspaläste, begonnen worden war (Fig. 609).

Die Ausschmückung des Domes ist geistreich und sorgfältig durchgeführt und zwar hauptsächlich mit Verwendung von Figuren. Carlone bemüht sich dabei, die Verschneidungen der Linien durch dieses Schmuckwerk zu verdecken, so daß die Züge der Baufügung zurücktreten und ein lebendig bewegtes Ganzes entsteht, dessen heiterer Reiz umsomehr anmutet, als die Bildnerei meisterhaft behandelt und auch die übrigen Einzelheiten des Zierwerkes, Kapitäle und Gesimse, fein und maßvoll ausgeführt sind.

Von den Carlones stammen unter anderen auch die Klosterbauten von Kremsmünster, St. Florian, Garsten, Schliersee u. a., bei deren Ausschmückung jedoch bereits zahlreiche Deutsche, einheimische Meister, beschäftigt erscheinen.

Die lange Reihe dieser italienischen Meister, welche den Süden Deutschlands mit Bauten versorgten, schließen Andrea del Pozzo und die Brüder Alessandro, Giuseppe und Antonio Galli-Bibiena ab. Von ersterem war bereits bei der Besprechung der römischen Baukunst die Rede. Wenn auch die Zahl seiner Werke nicht groß ist (der Entwurf zum Laibacher Dom, Jesuitenkirche in Trient, Umgestaltung des Inneren der Jesuitenkirche in Wien, Martinskirche in Bamberg) so übte er doch durch sein Lehrbuch einen weitreichenden Einfluß aus, der allerdings in Italien stärker zu Tage trat als in Deutschland, da man dort mehr Gefallen an den perspektivischen Kunststücken fand, in denen er Meister war.

Von den Galli-Bibiena rühren zwar auch einige Kirchenbauten her, ihr "Spezialfach" war jedoch der Theaterbau, in welchem die ganze Familie, auch im heimatlichen Italien, zu hoher Berühmtheit gelangte. Ihre zahlreichen Theateranlagen (Bayreuth, Dresden) und in Schriften niedergelegte Entwürfe wurden maßgebend und vorbildlich für den Theaterbau des 18. Jahrhunderts; dem anheimelnden Reiz dieser barocken Schauspielhäuser wird man auch in der That die Anerkennung nicht versagen können. Hochgeschätzt waren die Galli Bibiena auch als Meister im Entwerfen von Festdekorationen, und ist es daher begreiflich, daß sie, halb Europa durchwandernd, an allen großen und kleinen Höfen Be-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 617. Schönborn-Kapelle.

Würzburg.]