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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

und "genießbar" gemacht worden. Auch die Farbengebung, ein gemäßigtes Helldunkel, ist ansprechend. Ein vorzügliches Stück ist die "Lustige Gesellschaft", die alle vorbenannten Vorzüge erkennen läßt (Fig. 692).

Noch häufiger wurde das städtische und bürgerliche Volksleben zum Gegenstande der Schilderung gewählt; die vortrefflichsten Meister dieses Faches sind: Gerard Dou (1613 bis 75), Gabriel Metsu (1629-67) und Frans Mieris der Aeltere (1635-81); auch Pieter Slingelandt und Gottfried Schalcken haben Bemerkenswertes geleistet. Dou zeichnet sich durch eine ungemein sorgfältige, fast tüftelnde Durcharbeitung aller Einzelheiten aus, er ist auch nicht streng wirklichkeitstreu, sondern stellt den Inhalt seiner Bilder nach malerischen Gesichtspunkten zusammen; seine Gestalten zeigen stets eine ruhige Stimmung, sie geben sich mit stillem Ernst ihrer Beschäftigung hin, wie dies der gemessenen holländischen Volksart entspricht (Fig. 693). Auch bei ihm ist alles in ein fein abgetöntes Helldunkel getaucht. Mehr lebendige Bewegung verleiht den dargestellten Vorgängen Metsu, dessen Bilder dagegen in der Farbe klarer und kälter sind.

Mieris zog außer dem Leben der niedrigeren Kreise des Volkes auch jenes der vornehmen Gesellschaft in den Bereich seiner Darstellung und verwendet namentlich auf die Behandlung des Stoffes und der Gerätschaften vielen Fleiß. Uebertroffen wird er jedoch an Kunstfertigkeit in dieser Hinsicht und in der unvergleichlich feinen und abgewogenen Farbenstimmung von Gerard Terborch dem Jüngeren (1617-81), dessen Bilder auch durch die meisterhafte Wiedergabe der inneren Bewegung sich auszeichnen. Man fühlt sofort heraus, was in der Seele dieser Gestalten vorgeht (Fig. 694).

Landschaftsmalerei. In der Landschaftsmalerei lassen sich zwei Hauptgruppen unterscheiden. Die eine hatte sich der italienischen Richtung angeschlossen und holte sich auch ihre Vorwürfe aus Italien. Bemerkenswert ist, daß in Rom der Deutsche Elsheimer den meisten Einfluß auf die holländischen Kunstgenossen übte und diese von ihm, also sozusagen aus zweiter Hand, die italienische Kunstweise empfingen. Von den Malern dieser Gruppe wurde teilweise ganz Ansprechendes geleistet, z. B. von Jan Both und Claes Berchem, deren Landschaften sich durch eine sinnige Anordnung und schöne Farbentönung auszeichnen. In einer wirklichen und zwar auch hohen Bedeutung gelangte jedoch nur die zweite Gruppe, welche die heimische Natur zum Gegenstande ihrer Studien und Darstellung machte. Das holländische Gelände bietet weder großartige Formen noch viel Abwechslung; eine Ebene, die höchstens von Sandhügeln unterbrochen wird, durchzogen von stillen Flüßchen und Kanälen, mit kleinen Wäldern zwischen den Dörfern, das sind die wesentlichen Grundzüge. Die Reize liegen hier in der "Stimmung" von Luft und Licht, und um diese herauszufinden, bedurfte es eines tieferen Naturgefühles und einer sorgfältigeren Beobachtung. Mit der Arbeit nach Vorbildern konnte man da nicht weit kommen, eigene Naturstudien waren unerläßlich. Dadurch war die holländische Landschaftsmalerei auf den richtigen Weg zur künstlerischen Höhe gedrängt und gelangte zu einer Vollendung, welche nirgends anders im 17. Jahrhundert erreicht wurde. Die unmittelbare Natürlichkeit, die frische Auffassung, die wundervolle Durchsichtigkeit der Luft, die feine Tönung der Lichter und Schatten, kurz gesagt: "Stimmung" - diese Vorzüge finden sich in mehr oder minder hohem Maße bei den meisten Werken dieser Gruppe. Aus derselben ragen insbesondere zwei Persönlichkeiten hervor, die als vollkommene Meister auf diesem Gebiete gelten können: Jacob van Ruysdael (1628-1682) und Meindert Hobbema (1638-1709), denen noch des ersteren Oheim, Salomon van Ruysdael (1600-70), Aelbert Cuyp (1620-91) und Jan van der Meer (1628-91) zur Seite sich stellen können. Ruysdael ist der Maler der Waldeinsamkeit, Hobbema jener der belebten, sonnbeglänzten Flur; der erstere giebt eine mehr traumhaft-dichterische, der andere eine genußfröhlichere Stimmung wieder. Ruysdael bildet alle Einzelheiten mit sorgfältiger Feinheit durch und arbeitet mit einem zarten Helldunkel; Hobbema wählt das vollere sonnige Licht, ist großzügiger und kräftiger. Es ist schwer zu sagen, welchem der beiden der Vorzug gebühre; von entzückendem Reiz sind die Landschaften des einen wie des andern, und ist bei Hobbema vielleicht die Naturwahrheit noch