Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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Jetzt kann man die Stücke einseifen und in Seifenwasser dieselben ein paarmal aufkochen lassen. Man schüttet die Lauge dann an die bereits im Waschtrog befindliche Wäsche und wäscht sie, nachdem das Wasser etwas abgekühlt hat, nochmals sorgfältig durch, übergießt die Wäsche mit reinem heißen Wasser, Zieht sie blos durch und spült dann jedes Stück einzeln in reichlich kaltem Wasser und blaut sie. (Zu viel Waschblau ist unschön.) Nachdem sie fest ausgewunden ist, hängt man sie ordentlich auf und befestigt sie mit Holzklammern.

Farbige Wäsche wäscht man im jedesmaligen Wasser unmittelbar nach der weißen; doch wird sie weder geweicht noch gekocht.

Stark fleckige Wäsche muß erst in eine stärkere Lauge zuerst eingeweicht und dann ausgedrückt werden, ehe man sie zur übrigen einweicht.

Flecken in Krankenwäsche wollen oft nicht weichen und werden sie dann manchmal mit Chlorkalk bestreut, wodurch das Gewebe buchstäblich zerfällt. Die Flecken werden eben so sicher weichen, wenn man sie in eine Abkochung von Wasser und Chlorkalk legt und dann sogleich stark mit Wasser nachreibt und tüchtig spült.

Rostflecken schwinden, wenn man sie naß über ein Gefäß mit kochendem Wasser hält, pulverisiertes Kleesalz (Oxalsäure) darauf streut und mit einem eisernen Schlüssel darüberfährt und schließlich im Wasser tüchtig auswäscht und spült.

Schwache Tintenflecke weichen schon dem Zitronensaft, stärkere dem Sauerkleesalz, indem dasselbe auf den benetzten Fleck gestreut wird, worauf man sachte reibt oder die Stelle über Wasserdampf hält.

Rotweinflecken werden am besten entfernt, wenn man die befleckten Stellen benetzt und mit einigen Tropfen schwefliger Säure (nicht Schwefelsäure) oder einer Lösung von doppelt schwefligsaurem Natron übergießt und dies 5-15 Minuten einwirken läßt. Hierauf wird mit reinem Wasser ohne Seife nachgewaschen.

Stockflecken entstehen durch Feuchtigkeit in der Wäsche, wenn diese vor völligem Trocknen in den Schrank gelegt wird. Sie zeigen sich in unzähligen kleinen Pünktchen. Mischt man nun einen Eßlöffel voll feines Kochsalz mit einem Kaffeelöffel voll Salmiakpulver und soviel Wasser, daß die Substanzen aufgelöst werden, bestreicht die Flecken damit und setzt sie einige Stunden der frischen Luft aus, so verschwinden dieselben.

Vergilbte Wäsche wird in saure Buttermilch eingelegt und nachher gewaschen.

Wollwäsche darf weder heiß gewaschen, noch lang eingeweicht und gerieben werden. Durch ersteres geht sie ein, durch letzteres wird sie filzig. Man behandelt die Wolle lauwarm mit reichlich Seife, die man aber nicht an das Wäschestück reibt, sondern zu Schaum geschlagen in das Wasser gibt und darin fleißig mit der Hand drückt. Wollwäsche wird sogleich in lauwarmem Wasser gut gespült, nicht gewunden, sondern ausgedrückt und sogleich aufgehängt. Man kann auch einige Tropfen Salmiakgeist in das erste Wasser geben.

Bei weißwollenen Halstüchern, Capuchons, Kinderjäcklein und dergl. wendet man mit Vorteil die trockene Reinigung an. Man nimmt sie in eine große Schüssel mit Mehl und behandelt sie wie beim Waschen. Schließlich schüttelt man das Mehl gut aus und wird sehen, daß die Wolle wieder rein weiß und wie neu aussieht.

Ist die Wäsche trocken, so kommt ein weiteres wichtiges Geschäft: das Nachsehen und Ausbessern und das Zusammenlegen und "Mangen", oder auch Stärken und Glätten. Darüber ein andermal! (Forts. folgt.)

Die Abneigung gegen das Essen.

Eine richtige und vor allem auch genügende Ernährung gehört ganz selbstverständlich zu den Grundbedingungen der Gesunderhaltung oder Gesundung des Menschen. Daher ist es wichtig, die Verhältnisse kennen zu lernen, bei denen sich ein Widerwille gegen das Essen einstellt, und zu erforschen, wie diesem Mißstande am besten beizukommen ist. Dr. Max Einhorn, Professor der Medizin in New-York, hat in der von Professor von Leyden herausgegebenen "Zeitschrift für diätetische und physikalische Therapie" einen beachtenswerten Aufsatz über die Abneigung gegen die Speisen (Sitophobie), Abzehrung und deren Behandlung veröffentlicht. Die Sitophobie, also ein Zustand, wobei aus Furcht vor Speisen zu wenig Nahrung aufgenommen wird, entsteht gewöhnlich aus einer Angst vor Schmerzen oder unangenehmen Empfindungen, die nach den Mahlzeiten in den die Verdauung bewirkenden Organen auftreten. Die Kranken ziehen es mit Rücksicht darauf vor, überhaupt nicht zu essen oder doch möglichst wenig Nahrung zu sich zu nehmen. Schließlich kommen sie gewöhnlich darauf ab, nur noch Milch und Fleischbrühe zu genießen. Die eigentlichen Ursachen der Sitophobie sind zahlreich und nicht leicht zu erkennen. Zu ihnen gehört ein überempfindlicher Zustand der Magenschleimhaut, der zwar zu keinen heftigen Schmerzen, aber doch zu recht unbehaglichen Empfindungen während der Nahrungsaufnahme führt. Nicht selten wird die Abneigung gegen das Essen auch durch eingebildete oder unrichtige Vorstellungen herbeigeführt, indem Kranke, die mit ihrer Verdauung nicht in Ordnung sind, sich vor dem Essen fürchten, um ihr Leiden nicht zu verschlimmern. Auch bei besonderen Krankheiten, wie Gicht, Fettleibigkeit wird die Sitophobie häufig gefunden. Es liegt daher nicht so fern, diese Krankheit für eine geistige zu halten, oder wenigstens ihren