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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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den Kinderwagen. Mit dem Verschwinden der Wiege ist die Hygiene ganz einverstanden, aber von ihrem Ersatzstück ist sie auch nicht sonderlich entzückt. Das Gedächtnis an die allerersten Kinderjahre ist im Menschen schlecht entwickelt. Wir können unseren Kleinsten ihr Behagen schließlich nur nach ähnlichen Gesichtspunkten zu schaffen suchen, wie sie sich für uns als zuträglich erwiesen haben. Sich in den Schlaf wiegen lassen, hat zwar im dichterischen Gebrauch eine sehr schöne Bedeutung, es würde im buchstäblichen Sinne wohl aber fast niemand recht angenehm sein. Die seitlich schaukelnde Bewegung der Wiege ist freilich beim Kinderwagen ausgeschlossen. An ihre Stelle aber tritt das Hin- und Herfahren oder das Auf- und Niederwippen der Wagen auf den über den Rädern angebrachten Federn. Die Mütter, die für die jüngsten Sprößlinge unseres Volkes verantwortlich sind, mögen es sich gesagt sein lassen, eine solche Behandlung der Schlafgelegenheit ihrer Kleinen zu vermeiden und zu verbieten und daran zu denken, was wohl ein Erwachsener dazu sagen würde, wenn sein Bett in dieser Weise in Bewegung gesetzt würde. Wenn ein Kind unruhig ist, so soll man den Gründen seines Unbehagens nachspüren oder es auf andere Weise zu beruhigen, nicht aber auf eine Art zu betäuben suchen. Die Gesundheitspflege verlangt überhaupt, daß ein Kind von vornherein zum Schlafen in ein feststehendes Bett gelegt wird. Der Kinderwagen sollte nur zum Fahren bestimmt sein, oder, wenn für die gleichzeitige Anschaffung eines Bettes und eines Wagens die Mittel nicht vorhanden sind, wenigstens nicht dazu benutzt werden, die Nachteile der alten Wiege fortzupflanzen und sie gar noch zu verschlimmern.

Nicht zu stark salzen! Die Salze sind nicht etwa bloß ein Genußmittel, sie sind vielmehr auch ein ganz unentbehrliches Nahrungsmittel. Denn da täglich mit den Ausscheidungsprodukten Salze den Körper verlassen, so müssen diese wieder ersetzt werden, anderenfalls müßte der Organismus wegen Verarmung an Salzen zu Grunde gehen. Besonders nötig sind letztere für den wachsenden Körper, fehlt es diesem an einer hinreichenden Menge, oder werden die Salze nicht genügend resorbiert, so entsteht die englische Krankheit. Die meisten Nahrungsmittel enthalten an und für sich schon genügend Nährsalze, andere dagegen zu wenig, wie die Kartoffeln, welche daher nur mit einer genügenden Zugabe von Kochsalz genossen werden können, um schmackhaft zu sein. Das Fleisch ist an und für sich salzreich, beim Kochen geht jedoch das Salz in die Brühe über. Wie zu wenig Salz vom Uebel ist, so wirkt das zu starke Salzen nachteilig. Denn nach neueren Untersuchungen wird dadurch die Magenverdauung ungünstig beeinflußt. Daß das Kochsalz auf die Magensaftabsonderung einwirkt, wußte man schon lange, und es ist unzweifelhaft nachgewiesen, daß durch dasselbe der Säuregehalt des Magensaftes herabgesetzt wird. Es wird aber auch die Saftabsonderung selbst gehemmt und namentlich das verdauende Ferment des Magens, das Pepsin, vermindert. Das sollten sich unsere Hausfrauen merken. Daß das zu reichliche Salzen der Speisen bei gewissen Krankheiten, namentlich bei Nierenleiden, direkt schädlich ist, ist eine allbekannte Tatsache.

Vermischtes.

Brandwunden schmerzlos und rasch zu heilen. Wenn man sich durch Dampf oder durch kochendes Seifenwasser verbrüht hat, wickelt man den verletzten Körperteil schnell in ein mit Terpentin getränktes Tuch vollständig ein und behält ihn ungefähr eine Stunde verpackt. Man spürt alsdann keine Schmerzen mehr, entfernt das Tuch, reibt den verbrühten Körperteil mit Glyzerinöl ein, und auch nicht eine Blase oder ein roter Fleck werden am anderen Tage zu sehen sein. "Die Werkstatt."

Ungeziefer.

Motten aus Polstermöbeln zu entfernen. Mir sind einst in die Polstermöbel Motten gekommen. Lange wollte es mir nicht gelingen, diese zu vertreiben. Man gab nur den Rat, heiß gemachte Ziegelsteine mit Essig und mit Insektenpulver, das mit hochgradigem Spiritus befeuchtet wurde, unter die Möbel zu stellen, so daß die Dämpfe durchziehen können. Diese Räucherung habe ich wiederholt bei geschlossenen Fenstern vorgenommen und dann die Möbel gründlich geklopft und gebürstet. Der Erfolg war gut und dauernd.

Kleidung.

Enges Schuhwerk. Um einen kleinen, zierlichen Fuß vorzutäuschen, verfallen viele Menschen in die Unsitte, zu enges Schuhwerk zu tragen. Man möchte um jeden Preis einen kleinen, zierlichen Fuß sein eigen nennen. Als Folge einer solchen Behandlung der Füße hat man unzählige Male schwere Verkrümmungen, Blutvergiftungen und Geschwülste beobachtet, gar nicht zu reden von den Hühneraugen, an denen jeder zweite Mensch leidet. Auch ist das Tragen von engem Schuhwerk eine Hauptursache der kalten Füße, die wiederum die verschiedensten Krankheiten hervorrufen können. Darum kann man es nicht oft und nicht ernstlich