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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

XIV. Band. Nr. 4

Erscheint wöchentlich. Abonnement jährlich Fr. 2.50; als Beilage zum "Schweiz. Familien-Wochenblatt" gratis. Inserate die kleine Zeile 25 Cts.

Verlag Th. Schröter, Obere Zäune 12, Zürich.

1904. 23. Juli. Inhalt: Das Einmachen und Sterilisieren von Obst und Gemüse. - Küchenbriefe. - (Forts. Sommerdienste des Kachelofens. - Obstbäume gießen. - Vermischtes. - Eingesandt. - Gesundheitspflege. - Haus- und Zimmergarten. - Einmachkunst. - Briefwechsel der Abonnenten unter sich. - Kleine Rundschau. - Inserate.

Das Einmachen und Sterilisieren von Obst und Gemüse.

Das Einkochen und Eindünsten von Beeren, Obst, Gemüsen ist wohl jetzt an der Tagesordnung. Die tüchtigen Hausfrauen denken an den langen Winter und sorgen dafür, daß nun Vorräte gesammelt werden, die später gar willkommen sind, wenn die Gärten leer geworden und die Vorräte von Obst und Gemüse nur schwierig und kostspielig erneuert werden können. Und wie viele Hilfsmittel bieten sich uns da heutzutage! Fast in jeder Zeitung, die besonders für Frauen geschrieben wird, lesen wir Empfehlungen der verschiedenen Arten von Einmachmethoden und Einmachgläsern, und dieselben werden auch bewährt durch praktische Erfahrungen. In den letzten Jahren ist hauptsächlich das Sterilisieren, das Eindünsten von Gemüse und Obstsorten sehr in Aufnahme gekommen. Fast in jeder größern Ortschaft werden Einmachkurse gegeben, welche die nötigen Anleitungen dazu erteilen, und in gar vielen Orten füllen sich Kasten und Speisekammer mit solchen Vorräten.

Nun braucht man aber zur Herstellung derselben doch besondere Einmachgläser. Früher hatte man Blechbüchsen, die dann verlötet werden mußten; viel einfacher ist nun die Handhabung der Gläser, die ohnehin den Vorteil haben, immer wieder benutzt werden zu können. Verschiedene Systeme werden da empfohlen; am bekanntesten sind wohl die Schildknecht- und Weck-Gläser. Alle Sorten von Beeren, Obst und Gemüsen in solchen Gläsern richtig sterilisiert, nach genauer Vorschrift, halten jahrelang sich gut und frisch. "Das ist Alles recht," entgegnet da manche sparsame Hausfrau. "Aber ich besitze schon eine Sammlung verschiedener Einmachgläser und mag und kann nicht immer wieder neue kaufen. Nur einige wenige - die würden mir nicht genügen; und gleich eine größere Anzahl anschaffen, da muß ich doch die Ausgabe vermeiden. Ein großes Glas mit Gummiring und Deckel kostet doch ca. 1.20 Fr., kleinere etwas weniger. Wenn ich nur wüßte, ob und wie das Sterilisieren auch in andern Gefäßen könnte hergestellt werden." Diese Frage wurde schon oft gestellt; vielleicht kommt da oder dorther eingehende Beantwortung derselben. Ich will hier nur mitteilen, was ich in dieser Beziehung selbst schon probiert und erfahren oder gelesen; vielleicht kann ich doch damit dienen.

Was heißt "sterilisieren"? Dies in letzter Zeit so allgemein gewordene Fremdwort findet sich nicht einmal in älteren Fremdwörterbüchern; es ist ein Wort der Neuzeit. Als deutsches Wort möchte "Frischhaltung" wohl das Beste sein; denn durch das Sterilisieren werden die Sachen keimfrei, frei von den Fäulnis- und Gährungskeimen ^[richtig: Gärungskeimen]. Sind diese alle entfernt, gleichsam getötet, so müssen die eingemachten Früchte sich gut erhalten, denn Luft und Wärme können unmöglich von außen eindringen bei dem vorzüglichen Verschluß. Die jetzt so sehr angepriesenen und viel benutzten Einmachgläser sind freilich am bequemsten und sichersten zu benutzen; doch lassen sich auch Flaschen dazu verwenden, die sehr gut luftdicht verschlossen werden müssen.

Die altbekannte Methode, Heidelbeeren und Kirschen in Krügen (Mineralwasserkrügen, wo solche vielleicht vorhanden) oder in Flaschen einzumachen, kann immer noch empfohlen werden. Man spült Krüge oder Flaschen (letztere mit möglichst weiten Hälsen) vorher und trocknet sie gut aus und füllt sie dann mit Beeren oder Kirschen, möglichst voll, indem man die GeGeschirre ^[richtig: Geschirre] fest stößt auf ein auf dem Tisch zusammengelegtes Tuch. Durch diese Manipulation lassen sich immer noch mehr nachfüllen. Schließlich gibt man oben auf 1 Teelöffel gestoßenen Zucker (Viele lassen dies weg) und verschließt Krug oder Flasche mit gutem, neuem Pfropf, den man aber noch kreuzweise festbindet, sonst jagt es denselben leicht hinaus. Man stellt die Geschirre in einen großen, hohen Topf, auf dessen Boden man vorher etwas Heu, Stroh